Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Optimieren erlaubt – aber wie?

Ich schätze, ich bin immer ein wenig spät dran. Während andere das vergangene Jahr längst abgeschlossen, Neujahresvorsätze beschlossen und die Weihnachtsdeko beiseite geräumt haben, denke ich immer noch darüber nach, was 2019 wohl für mich bringen wird und der Weihnachtsbaum steht weiterhin geschmückt im Wohnzimmer – zugegeben, mit hängenden Ästen. Ich finde es zu traurig, einen Tannenbaum kurz vor Heilig Abend aufzustellen und ihn ein paar Tage später schon wieder zu entsorgen. Bei uns hat er eine Daseins-Berechtigung von circa zwei Monaten: Anfang Dezember bis Ende Januar. Er ist nun einmal mehr als ein Baum, er ist Teil unserer Einrichtung. Er erleuchtet dunkle Zeiten und füllt nebenbei perfekt diese leere Ecke neben dem Sofa aus. Sorry not sorry.

Reflektion statt Vorsätze

Auf facebook habe ich bereits kurz darüber geschrieben, dass es bei mir keine typischen Jahresvorsätze gibt. Mehr dazu kannst du auch in meinem Blog-Beitrag vom letzten Jahr lesen. Was ich allerdings regelmäßig praktiziere, nicht nur (aber auch) zum Jahreswechsel, ist eine Zurück- und Vorausschau. Ich reflektiere und ziehe Schlüsse für die Zukunft. Ich überdenke Angewohnheiten, prüfe, ob sie noch Sinn für mein Leben ergeben und passe sie gegebenenfalls an. Manchmal stelle ich einen Bereich meines Lebens regelrecht auf den Kopf. Ich habe Spaß an kleinen Selbstexperimenten. Meist geht es jedoch um kleine Schritte, behutsame Anpassungen, Veränderungen, mit denen ich mich nicht selbst überfordere.

‚Ja, ja, dieser Optimierungswahn!‘, wird der ein oder andere jetzt denken. Heutzutage geht es ja ständig darum, die beste Version seiner selbst zu sein und jeden Bereich von Fitness bis Schlafrhythmus zur Perfektion zu treiben. Sobald es um Perfektion geht, kann auch ich nur den Kopf schütteln. Doch ich behaupte, dass uns der Verruf der Selbstoptimierung nicht davon abhalten sollte, weiterhin zu reflektieren und das Leben bewusst zu gestalten. Für mich ist das zu einem ganz natürlichen Prozess geworden, der individuell an die verschiedenen Phasen meines Lebens angepasst geschieht.

Für 2019 habe ich kurz gecheckt, ob meine bisherigen Angewohnheiten nach wie vor Sinn ergeben. In 2018 hatte ich das ein oder andere geändert, was ich im Grunde genommen einfach beibehalten möchte. Hier ein paar Gedanken dazu…

Sport

Als ich die Schule beendete musste ich mir zum ersten Mal Gedanken darüber machen, wie ich auch weiterhin in Bewegung bleiben würde. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht verstehen, wenn jemand außerhalb des aufgezwungenen Sportunterrichts freiwillig joggen gehen würde oder Ähnliches. Doch allmählich sah ich ein, dass Bewegung gesund ist und ich irgendeine Form für mich finden musste. Joggen war mein erster und sich immer wiederholender Versuch. Irgendwie funkte es nicht. Vor zwei Jahren stieg ich auf Pilates um. Ich fing außerdem an, mich über meinen Körpertyp zu belesen und erkannte, dass ich aus gutem Grund ganz intuitiv den Ausdauer/Cardio-Sportarten nicht zugewandt bin. Sie verbrennen ordentlich Kalorien, was für viele attraktiv ist. Doch der Stoffwechsel meines Körpers (dünn von Natur aus ohne eigenen Verdienst) arbeitet ineffizient und verbrennt bereits ohne Sport recht schnell Kalorien (weshalb ich häufig auch mehr Hunger habe als die durchschnittliche Frau).

Deshalb entdeckte ich im vergangenen Jahr Krafttraining für mich. Das macht mir nicht nur Spaß, sondern konzentriert sich außerdem mehr auf Muskelaufbau statt auf Fettverbrennung. Nun ergibt drei bis vier mal in der Woche Krafttraining, ab und zu gemixt mit Pilates, mehr Sinn für mich als sechs mal die Woche Pilates – wie ich es vor einem halben Jahr noch gemacht habe. Und ja, ich weiß, man sieht mir dennoch keinen Muckis an. Aber ich fühle mich gut, gesund und habe das Gefühl, stärker zu werden. Das soll meine Motivation sein.

Früh aufstehen

Im letzten Jahr habe ich außerdem ein für alle mal gemerkt, dass ich ein Vormittags-Mensch bin. Voraussetzung: Ich darf meinen Morgen nach eigenen Wünschen gestalten. (Deshalb war 8 Uhr in der Schule sein auch überhaupt nicht mein Ding. Urgh.) Wenn ich früher aufstehe ist die Wahscheinlichkeit höher, dass ich meinen Morgen in Ruhe gestalten kann. Anfang 2018 begann ich deshalb, meinen Wecker so oft es ging auf 6:30 zu stellen. Da ich in meiner jetzigen Lebenssituation selten vor 9:30 Uhr irgendwo sein muss, erwies sich das als sehr gute Zeit, um in Ruhe in den Tag zu starten, manchmal Sport und häufiger Zeit mit Gott einzubauen. Doch irgendetwas in mir war noch nicht herausgefordert genug. Manchmal wurde die Zeit knapp, wenn die Sport-Session etwas länger dauerte oder ich ein wenig zu entspannt mit Kaffee in der Küche saß. Ich schaute mir all die faszinierenden Youtube-Videos von produktiven Menschen an, die sich jeden Tag bereits 5 Uhr aus dem Bett schwingen. „My mindful 5 a.m. morning routine“ und dergleichen. Zugegeben – das sind die Leute, die ich bewundere. 6 Uhr, das muss doch zu schaffen sein!, forderte ich mich selbst heraus.

Aber es blieb bei frühestens 6:30 und ich denke, dass dies auch weiterhin mein Ziel bleiben wird. Ich kann realistisch betrachten, dass ich eine gewisse Menge an Schlaf brauche und es bereits eine Herausforderung ist, bis 22 Uhr im Bett zu sein. Mein momentaner Lebensstil lässt es nicht zu, dass ich 21 Uhr oder früher ins Bett gehen könnte. Dafür finden zu viele Aktivitäten am Abend statt. Und wenn ich die Prioritäten abwäge, siegen diese Aktivitäten gegen das Bedürfnis, ein „5 a.m.-Power-Mensch“ zu sein.

Social Media – Konsum

Ich bin Bloggerin, aber wenn ich ehrlich bin, ist Social Media nicht wahrhaft meine Welt. Dafür hinterfrage ich zu viel, zerdenke alles und bin sowieso bereits überwältigt vom Leben an sich. Ich habe das Gefühl, dass die Social Media – Welt für die gemacht ist, die in der Lage sind, sich selbstbewusst darzustellen und den Austausch, der dadurch entsteht, wirklich genießen. Die all den Input als Bereicherung aufsaugen, der ihnen Energie für eigenes Schaffen liefert. Und ja, auch ich sehe die Bereicherung, stelle mich selbst dar und kann stundenlang durch Instagram und Co. scrollen. Doch aus oben genannten Gründen muss ich meinen Konsum begrenzen. Social Media hat seine Berechtigung in meinem Leben, aber statt dass es mein ganzes Leben einnimmt, darf es genau einen Raum haben, den ich ab und zu einmal betrete und dann auch wieder bewusst verschließe. So stelle ich es mir zumindest vor.

Zu meiner Morgenroutine wird deshalb auch weiterhin gehören, dass ich mein Handy frühestens eine Stunde nach dem Aufstehen anschalte. Wenn es mir dann beim Frühstücken doch etwas zu still ist, darf stattdessen das Radio herhalten. So starte ich fokussierter und entspannter in den Tag. Am Abend würde ich es gern erreichen, dass Handy bereits eine Stunde vor dem zu Bett gehen auszuschalten – klappt leider noch nicht oft. Aber immer häufiger tausche ich es gegen folgendes ein:

Bücher

Ich habe es schon mein ganzes Leben lang genossen, zu lesen. In den letzten Jahren ist dieses Hobby ein wenig eingeschlafen, denn 1.: Ich habe mir keine Zeit dafür genommen und 2.: Ich hatte keine guten Bücher. An Punkt 2 musste ich wirklich arbeiten. Mein Geschmack hatte sich verändert und ich musste herausfinden, welche Genres mir mittlerweile gefielen. Seitdem ich das etwas besser weiß, ist es wieder zu meinem Ritual geworden, vor dem Schlafen im Bett zu lesen – so, wie ich es als Kind bereits gemacht habe. (Manchmal sind die Angewohnheiten aus der Kindheit die besten.) Es handelt sich hierbei nur um 10-30 Minuten am Tag! Ja, tatsächlich reichen mir manchmal bereits zwei Doppelseiten eines Buches, um mich zur Ruhe kommen und mir die Augen zufallen zu lassen. Ich schlafe besser ein, ich grüble weniger. So einfach ist es.

Häufig bin ich zu faul, ein Buch aufzuschlagen, obwohl ich weiß wie gut es mir tut. Dann höre ich doch lieber einen Podcast auf meinem Handy (was nicht zwingend schlecht ist). Aber wahre Ruhe vor dem Schlafen verschafft mir eigentlich nur ein gutes Buch. Deswegen habe ich das auch als Schlüssel identifiziert: Ich brauche gute Bücher, die mir wirklich gefallen.

Bullet Journal

Ein – zugegeben etwas anderes – Buch, dass mich nun schon fast zwei Jahre lang begleitet ist mein Bullet Journal. Ich kann euch nicht sagen, wie essentiell dieses Notizbuch für mein Leben geworden ist. Es ist ein sehr gutes Beispiel für eine Angewohnheit, die sich etabliert hat, weil sie schlicht und ergreifend Sinn für mich ergibt. Mein Leben besteht aus vielen verschiedenen Bereichen und dieses Buch hält alles zusammen. Früher wurde mir immer nur gesagt, dass ich to do’s aufschreiben solle, wenn ich mich gestresst fühlte oder mir alles zu viel im Kopf wurde. Aber es brachte mir nichts, alles irgendwo hin zu schreiben – eine Sache auf einen Notizzettel, die andere in den Kalender, das nächste in die Handymemos. Ich hatte zig verschiedene Notizbücher für nicht mehr identifizierbare Zwecke.

Nun habe ich mein Bullet Journal, dass (fast) alles zusammenhält: Kalender, Notizen, Listen, Ideen. Ich besitze nur ein weiteres Notizbuch, welches ich als Tagebuch und für andere längere Texte verwende. Das Bullet Journal ist für einen Menschen wie mich, dessen Kopf immer mal wieder überall und nirgendwo ist, ein Lebensretter.

Also was jetzt?

Dies sind nur ein paar Beispiele aus meinem Leben, über die ich hin und wieder gern schreibe. Was möchte ich damit erreichen? Dass jeder, der es liest, die gleichen Angewohnheiten in sein Leben aufnimmt? Möchte ich euch von meinem Lebensstil überzeugen? Überreden, all das einmal auszuprobieren? Gut, ich geb’s zu, zu einem Bullet Journal würde ich gern jeden überreden… (Meins sieht übrigens auch nicht so schön aus wie auf Pinterest oder Instagram!)

Erst Prioritäten – dann Vorhaben

Ich glaube, dass ich im letzten Jahr gelernt habe, dass es nicht um Vorhaben an sich geht, sondern um Prioritäten. Ich wäge ab, was in meinem Leben Bedeutung hat und Bedeutung haben soll. Danach gestalten sich dann wiederum meine Angewohnheiten und Routinen. Vor kurzem habe ich gehört, wie jemand gesagt hat, dass der Satz „Ich habe keine Zeit für…“ eigentlich Quatsch ist. Wir benutzen ihn gern, um nicht weiter erklären oder uns rechtfertigen zu müssen. Aber im Prinzip ist es doch so: Was wir zur Priorität machen, dafür nehmen wir uns auch Zeit. Wenn ich sage, dass ich keine Zeit für etwas habe, dann will ich es schlicht nicht zu einer Priorität machen. Diese Aussage hat ihre Berechtigung! Ein „Ja“ zu einer Sache wird immer ein „Nein“ zu einer anderen nach sich ziehen und diese Nein’s sind notwendig. Mein „Ja“ zum Frühaufstehen bedeutet zum Beispiel mein „Nein“ zum Party machen bis in die Morgenstunden (in aller Regel zumindest). Jemand anderes pflegt vielleicht wichtige Beziehungen gerade in diesen nächtlichen Stunden. Hier sehen die Prioritäten und Angewohnheiten ganz anders aus.

Bewusst Alltag gestalten

Gestalte deinen Alltag bewusst nach deinen Ja’s und Nein’s. Mein Alltag ist immer dann am stressigsten und verwirrendsten, wenn ich nicht weiß, was gerade wahrhaft Priorität für mich hat. Deswegen muss ich mir von Zeit zu Zeit vergegenwärtigen, was mir wirklich wichtig ist und diesen Dingen die Zeit einräumen, die sie brauchen.

Wir könnten ewig darüber streiten, wie wichtig es ist, drei mal in der Woche Sport zu machen und ich wette, du hast genügend Argumente, um meine außer Gefecht zu setzen. Wir könnten auch das Prinzip der Eulen und Lerchen diskutieren und ich könnte dir all die Vorteile aufzählen, die das Frühaufstehen bereit hält. Oder wir machen einfach das, was zu unserem Leben passt und einen Mehrwert bereit hält.

Mein 2019

Wenn ich ein Vorhaben für 2019 (und allgemein im Leben) haben müsste, dann folgendes: mutiger sein. Mutiger handeln, mutiger reden, mutiger schreiben. Nicht darauf warten, dass die Angst weicht, sondern anderes drüber setzen. Und auch hier geht es um Prioritäten! Wenn ich Liebe zur Priorität mache und mich von ihr motivieren lasse, macht das mutig – und ich sage dabei „nein“ zur Angst. Sie ist vielleicht immer irgendwie da, aber ich möchte ihr weniger Wichtigkeit einräumen.

Also: Was ist dir heute wichtig? Was im Jahr 2019? Welche Angewohnheiten zieht das nach sich? Manchmal sind es die kleinen Tätigkeiten und Routinen, die uns dazu verhelfen, Größeres zu erreichen. Was wird dein nächster, kleiner Schritt sein?

Constanze

(Photo by Mikito Tateisi)


Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Gewaltenteilung in meiner Technik

Als ich 18 Jahre alt wurde, bekam ich einen iPod geschenkt, 5. Generation oder so. Jedenfalls waren die damals echt beliebt. Davor hatte ich bereits zwei andere, weniger namenhafte Mp3-Player besessen. Die alten länglichen Teile, die dir gerade so den Titel anzeigen. Ich werde nie den Tag vergessen, als mir jemand zum ersten Mal die Funktionsweise von Mp3-Playern erklärte. Wie jetzt, einfach nur Dateien – auf so ein kleines Gerät? Was bitteschön sind überhaupt Mp3’s? Es grenzte für mich an ein Wunder.

Und so fühlte es sich auch an, als ich mit etwa 14 Jahren vom Walkman auf diese Form des mobilen Musikhörens umstieg. (Den Diskman hatte ich irgendwie übersprungen. Ich kannte lediglich den meiner Schwester, welcher mir recht klobig erschien. Und sowieso. Man kann doch alles auf eine Kassette spielen. Radiolieder und so.) Aber zurück zu meinem 18. Geburtstag. Ich liebte meinen neuen iPod mit einer Menge Speicherplatz, großer Anzeige, Playlistfunktionen und schlanker Optik. Mein kleiner, leuchtend grüner Begleiter, geschützt transportiert in einer Kindersocke. Denn so haben wir das damals gemacht.

Eins für alles

Doch auf den 18. Geburtstag folgte der 19. und mit ihm musste ein neues Handy her. Smartphones waren in der Zeit eigentlich schon im Kommen, aber mir erschien das noch recht suspekt. Und so erhielt ich eine Art Mittelding, ein großes Handy ohne Touchscreen. Aber es war W-lan-fähig, wow! Und es hatte Speicherplatz, um Musik daraufzuladen. Was nun? iPod adé? Konnte er so schnell überflüssig werden? Nein, dafür liebte ich ihn zu sehr. Aber war das die Tendenz unserer Zeit? Dass wir irgendwann nur noch ein Gerät für alles benötigen würden? Noch ein paar Jahre später und ich hatte mein erstes richtiges Smartphone in den Händen. Nun wurde die Lage für den kleinen, grünen Musikspieler tatsächlich kritisch. Ich hing den Trends stets ein wenig hinterher, aber allmählich ersetzte das Smartphone auch in meinem Leben fast jedes andere technische Gerät.

Mit der Zeit gehen?

Okay. Also ich bin schon offen für Neues. Denke ich. Zumindest bekomme ich so große Augen wie Dori bei Findet Nemo wenn jemand sagt „Ich hab da eine verrückte Idee…“ und erwidere „Ideen? Eine Idee? Ich liebe Ideen!“. Wenn ein neuer Hit im Radio läuft, der so klingt wie alles andere zuvor gibt es von mir nur ein entnervtes „Schon wieder nichts Neues!“ und ein Umschalten zum nächsten Sender. Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn Schüler in der 12. Klasse noch nicht wissen, was sie nach der Schule machen möchten und ungewöhnliche Wege einschlagen. Und so bin ich auch prinzipiell offen für technischen Fortschritt. Ich hänge hinterher und bin auch gern erst einmal kritisch, aber ich sehe ein, dass Veränderungen wichtig sind und es keinen Sinn ergibt, sie krampfhaft aufzuhalten.

Nostalgie, hallo!

Aber vor einiger Zeit habe ich meinen iPod im Schubfach wiederentdeckt. Mir war bewusst, dass ich ihn noch besaß – schließlich hat er so einige Entrümpelungen im Eifer minimalistischen Aussortierens überlebt. Das liegt wohl einerseits daran, dass es wirklich schwer ist, technische Geräte wegzuwerfen. (Keine Sorge, den Walkman gibt es nicht mehr.) Andrerseits mag ich ihn einfach und er funktioniert, neben der etwas nachgelassenen Akkuleistung, wie zuvor. Beim ersten Wiederentdecken habe ich ihn nur kurz aufgeladen und zum eigenen Amusement in die alten Lieder hineingehört. Als ich ihn erneut im Schubfach liegen sah, dachte ich: Warum nicht richtig neu beleben? Irgendetwas daran, die Musik unterwegs wieder auf einem eigenen Gerät statt auf dem Smartphone abzuspielen reizte mich. Wollte ich mich einfach nur in alte Zeiten zurückversetzen und nostalgisch das Rädchen meines iPods hin- und herdrehen oder steckte mehr dahinter?

Zurück zu den Basics

Doch der Mp3-Player ist nicht das einzige Gerät, zudem ich mich zurücksehne. Schon seit Monaten rede ich davon, endlich ein Festnetztelefon anzuschaffen. Denn aufgrund meiner Einstellung, dass das Smartphone ja alles kann, mittlerweile auch kostengünstig, hat das Festnetztelefon in den letzten Jahren keine Rolle mehr in meinem Leben gespielt. Ich kann doch jeden mit dem Smartphone anrufen und jeder kann mich darüber erreichen. Warum ein unnötiges Zusatzgerät? Mittlerweile habe ich eine Antwort darauf: Damit ich das Smartphone auch einmal ausschalten kann.

Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem mich der ständige Blick aufs Handy an mir selbst nervt. Nach und nach ergreife ich die ein oder andere Selbstschutzmaßnahme, wie zum Beispiel das Ausschalten vor dem zu Bett gehen. Doch ich möchte noch einen Schritt weitergehen. Wie cool wäre es, regelmäßig einen ganzen Tag das Handy auszulassen? Vielleicht sogar länger? Dafür muss ein Festnetztelefon her, um bei wichtigen Anliegen weiterhin erreichbar zu bleiben.

Kontrolle zurückgewinnen

Allmählich erkannte ich den Grund für mein zunehmendes Bedürfnis nach „Gewaltenteilung“ in meiner Technik. E-Mails am Laptop schreiben, Musik über iPod hören, telefonieren am Handy… Ich wollte die Zuständigkeiten trennen, den Geräten in gewisser Weise ihren Platz zuweisen. Dieses Bedürfnis entsprang einem Gefühl von Überforderung, von „zu viel“.  Manchmal gehe ich einkaufen und möchte nebenher Musik hören. Aber ich möchte nicht auch noch gleichzeitig Nachrichten empfangen oder telefonieren. Was sagt das über mich aus, wenn ich für eine Stunde mit meinem Mp3-Player das Haus verlasse und mich frage, ob es okay ist, das Handy zu Hause liegen zu lassen? Ja, natürlich ist das okay! Und genau das ist mit dieser Zuständigkeits-Trennung möglich. Ich habe selbst Einfluss darauf, wie viel Input ich zulasse. Ich kann ihn kontrollieren, alle Kanäle schließen, einen öffnen oder jeden – so wie ich es brauche.

Reizüberflutung vorbeugen

Wer meinen Beitrag zum Thema Rabatte und Kundenkarten oder Minimalismus gelesen hat, weiß, dass ich mich hin und wieder reizüberflutet fühle. Reizüberflutung vorzubeugen ist eines meiner Lieblingsthemen. Und es gibt einen Grund für all die Achtsamkeits- und Meditationstrends heutzutage: Sie sind die Reaktion auf eine Fülle an Input in unserer Zeit und Gesellschaft. Gerade introvertierte, sensible Menschen haben es schwer, wenn ständige Erreichbarkeit von ihnen erwartet wird. Und ich bin zwar eine Bloggerin mit Accounts auf facebook und Instagram, aber die Welt von Social Media ist nach wie vor nicht wahrhaft meine Welt. So häufig setzt sie mich unter Druck, wenn ich sehe wie regelmäßig andere Blogger etwas posten und sich perfekt in Szene setzen. Ich wünsche mir so wenige Apps wie möglich auf meinem Smartphone, gleichermaßen so wenig wie möglich Kundenkarten in meinem Portemonnaie. Ich möchte von all dem nur so viel wie nötig. Denn es sind nicht Dinge, die wirklich zählen.

Und nun?

Hänge ich also doch den alten Zeit nach und halte meinen iPod so lange am Leben wie es nur geht? Nein, denn genauso bin ich davon überzeugt, dass alles seine Zeit hat. Ich bin gespannt, was die technische Zukunft noch bringen wird. Gespannt, ob ich irgendwann auch mit einer gesichtslosen Alexa oder sonst wem reden werden. Aber bei all dem muss ich darauf hören, was ich brauche und aufpassen, nicht vorschnell mit der Masse zu schwimmen.

Nicht jeder ist von der Fülle an Apps überfordert so wie ich. Nicht jeder ist erst einmal skeptisch, wenn das Telefon klingelt. Nicht jedem nützt eine Aufteilung technischer Geräte. Doch ich persönlich muss mich in gewisser Weise selbst schützen. Denn es macht zwar erst einmal Spaß, zig YouTube Videos vor dem Einschlafen zu schauen, aber einschlafen kann ich dann trotzdem nicht. Und es erscheint effizient, beim Straßenbahnfahren gleichzeitig Musik zu hören und Nachrichten zu beantworten, aber bei der Arbeit angekommen bin ich weniger entspannt, als wenn ich einfach aus dem Fenster geschaut hätte. Weniger auf einmal zu machen und mich daran zu erinnern wie es „früher“ in meiner Kindheit war, tut mir gut. Ich lebe nicht in dieser Vergangenheit, aber ich erkenne, dass es auch mit weniger funktioniert. Nicht nur meine Geräte, sondern auch ich selbst sparen dabei Energie.

Es kann schon sein, dass mein iPod bald wieder nur im Schubfach liegt und ich es doch praktischer finde, alles auf einem Gerät zu vereinen. Aber immerhin hat er mir eine kleine Lektion gelehrt. Die Lektion, dass ich weiterhin hinterfragen darf, was normal wird. Und dass es manchmal gut tut, Gewohnheiten auf den Kopf zu stellen.

Welche Gewohnheit würdest du gern einmal auf den Kopf stellen?

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Glauben

Wie ich mich mit der Dunkelheit versöhnte

Es ist Abend. Ich komme von der Arbeit, biege mit dem Fahrrad in unsere Straße ein, fahre bis zu unserem Hauseingang und da sehe ich ihn – einen leuchteten Weihnachtsstern an unserem Küchenfenster. Sofort muss ich lächeln. Und ich bin irgendwie glücklich – nur, weil da etwas in der Dunkelheit leuchtet. Als ich schließlich die Wohnung betrete, kommen mir fast ein paar Tränen: Am Ende des Flurs leuchtet eine Lichterkette vor einem weißen Vorhang. Auf einer kleinen Kommode sind drei Kerzen in Windlichtern entzündet, die gold glänzen und wunderschöne Muster an die Wand werfen. Es ist nicht viel. Kein pompöser Weihnachtsschmuck. Aber es reicht. Und als ich das Wohnzimmer betrete sind da ein leuchtender Tannenbaum, noch mehr Kerzen, eine sich drehende Pyramide und der verführerische Duft einer Räucherkerze. Ich realisiere, dass ich es geschafft habe. Ich habe mich mit der Dunkelheit versöhnt.

Ein Weihnachtsbaum – einfach so

In diesem Jahr hatten mein Mann und ich kurz vor dem ersten Advent zufällig einen gemeinsamen freien Tag in der Woche. Schon recht früh planten wir, diesen Tag konkret zur Einstimmung auf Weihnachten zu nutzen. Wir wollten einen Baum kaufen, die Wohnung schmücken und auf den Weihnachtsmarkt gehen. Zum ersten Mal investierten wir gemeinsam ein wenig mehr Zeit in diese Vorbereitungen. Wir besitzen nicht viel Weihnachtsdekoration und so haben wir uns in den vergangenen Jahren, außer ein paar Tannenzweigen, unserer erzgebirgischen Pyramide und der ein oder anderen kitschigen Figur, nicht viel Mühe gemacht. Dieses Jahr sollte es anders werden. Nicht unbedingt viel mehr Schmuck, aber mehr Gemütlichkeit. Wir wollten uns wohl fühlen und die Dunkelheit versüßen.

Und wir wünschten uns einen Tannenbaum. Früher dachte ich, dass man sich nur dann einen Baum kauft, wenn man Kinder hat und am Heiligen Abend zu Hause ist. Schließlich ist es für die Kleinen (und Großen) schön, wenn sie unter dem Baum ihre Geschenke hervorholen können. Nun, wir haben leider keine Kinder und am Heiligen Abend sind wir auch nicht zu Hause. Aber mein Mann kommt aus einer Familie, in der Weihnachtsbäume eine wichtige Rolle spielen und auch ich realisierte: Warum denn nur für Kinder, wenn ich es selbst so wunderbar gemütlich, gut riechend und weihnachtlich finde? So etwas können wir auch einfach für uns machen. Und zwar bereits jetzt, damit es sich lohnt.

Versteht mich nicht falsch – ich bin nicht der Typ, der jede Weihnachtstradition mitmachen muss. Ich bin gegen zwanghaftes Schmücken und Plätzchen backen, nur weil die Uhr Dezember geschlagen hat. In der Theorie finde ich es völlig ausreichend sich im Weihnachtsgottesdienst an die Geburt Jesu zu erinnern und sich daran zu erfreuen. All den Konsum und Stress, der drumherum entstanden ist, hinterfrage ich in regelmäßigen Abständen. Deshalb habe ich auch eine hohe Affinität zum Osterfest, auf welchem nicht solch ein Druck lastet (und welches sowieso das ultimative Fest der Freude ist). Ich sehe die Weihnachtsvorbereitungen in der Adventszeit etwas abgetrennt von dem eigentlichen Fest. Es sind Traditionen unserer Kultur, die jeder in der Art und Weise ausleben sollte, wie sie ihm gut tun. Jedes Jahr versuche ich nur das zu machen, auf was ich Lust habe.

Weihnachtsvorbereitung, die ich brauche

Und in diesem Jahr habe ich nichts so sehr gebraucht wie all die Lichter am Baum, Lichterketten und Kerzen. Im letzten Beitrag habe ich davon berichtet, wie mir die Dunkelheit an einem Sonntag zu schaffen gemacht hat. Leider blieb es nicht dabei. Die komplette darauffolgende Woche hatte ich mit der „Wie kann es sein, dass es 15 Uhr schon wieder anfängt dunkel zu werden!“-Panik zu kämpfen. Ich war grundlos träge, unmotiviert und manchmal auch traurig. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, warum Licht in der Weihnachtszeit so eine zentrale Rolle spielt: Es gibt Hoffnung. Es vertreibt das Grau des Novembers und lässt uns wieder aufatmen. Und so ist es ebenso eine passende Hinführung auf das eigentliche Fest – auf Jesus, der Hoffnung gibt. Auf einen Gott, der sich nicht zu schade ist, zu den Menschen hinab zu kommen und sie in der Dunkelheit an die Hand zu nehmen.

Dennoch finde ich es wichtig, auch die Düsterheit des Novembers ein wenig auszuhalten und damit umgehen zu lernen. Ich glaube, dass alles seine Zeit hat und auch die schweren Zeiten durchlebt werden müssen. So begreifen wir viel besser, warum wir die Weihnachtsbotschaft brauchen, statt das Dunkel sofort mit Glitzer und Weihnachtsliedern zu überdecken. Denn dass immer alles bunt, schön und hell glänzt, ist nun einmal nicht die Realität.

Mittlerweile freue ich mich fast darauf, wenn es dunkel wird, weil ich dann all die Lichter anzünden kann. Nun ist die Zeit der Hoffnung angebrochen und ich werde sie in vollen Zügen genießen. Und je nachdem wer von uns beiden früher zu Hause ist, klippst den Stern im Küchenfenster an – damit der andere nach einem anstrengenden Tag mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause kommen kann.

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag

Der Sonntags-Blues

Es ist Sonntag. Und wie an vielen anderen Sonntagen baue ich mir auch an diesem Nachmittag mein „Sonntags-Set-up“ auf der Couch auf. Dieses Set up besteht aus Büchern, meinem Bullet Journal, Stiften, der Fernbedienung, Tee und einer Orange. (Oder Kaffee und Keksen. Oder Kakao und Schokolade.) Da es November ist, knipse ich unsere unendlich lange Lichterkette an, die sich um Fenster und Couch schlängelt. Wenn ich richtig kuschelig gestimmt bin, gesellen sich noch ein paar Kerzen dazu. Ich lege mir so viele verschiedene Dinge bereit, weil ich die Auswahl haben möchte. Ein Sonntag Nachmittag ohne Termine ist für mich Freiraum, um einfach „zu sein“. In den meisten Fällen habe ich einen bereichernden Gottesdienst hinter mir, ein leckeres Mittagessen und kann nun in vollen Zügen „nichts müssen“.

Ich bin bekennender Sonntags-Liebhaber, schon seit ich denken kann. Und seit einiger Zeit schaffe ich es auch wieder häufiger, diesen Tag zu dem Tag in der Woche zu machen, an dem ich nicht arbeite. Arbeit beinhaltet für mich persönlich all die Dinge, die jemand von mir erwartet oder die ich von mir selbst erwarte. Meine Prämisse: Alles, was in mir Druck und Anspannung verursacht macht am Sonntag Pause. Ich darf mich innerlich frei fühlen. Das Leben geht auch ohne mich weiter.

Anders als geplant

Und während ich stolz darüber bin, mir auch an diesem Sonntag wieder diese Zeit eingeräumt und meine Entspannungs-Utensilien bereitgelegt zu haben, spüre ich, dass irgendetwas anders ist. Draußen wird es dunkel und ich habe plötzlich ein Problem damit. Ja, ich predige Gemütlichkeit, Kerzen und Kakao. Ich will, dass wir die Dunkelheit akzeptieren und den November so nehmen, wie er ist. Ich will, dass wir uns mit einem Buch auf die Couch verkrümeln und entschleunigen. So darf der Sonntag sein. So darf der Herbst sein.

Doch da ist er, der Sonntags-Blues. Die Dunkelheit kriecht in mich hinein und ich kann nichts dagegen tun. Ich habe viele gute Bücher zur Auswahl, aber ich schaff nur ein paar Seiten. Ich höre meinen Comedy-Podcast, der sich dieses Mal um den Sinn des Lebens dreht. Einerseits bin ich fasziniert von den Sichtweisen der beiden Sprecherinnen, andrerseits hätte ich heute ein wenig mehr Comedy vertragen können. Also schalte ich einen öden, vorhersehbaren High-School-Film ein: Unscheinbares Mädchen verliebt sich unsterblich in den coolen Jungen mit der Gitarre, der sie nicht zu bemerken scheint. Also hilft ihr der Nachbarsjunge (den sie schon ewig kennt) bei einem Umstyling und den passenden Tipps für ein Date. Gitarrenjunge stellt sich als Blödmann heraus. Und sie landet (man hat es nicht kommen sehen) schlussendlich knutschend mit dem Nachbarsjungen beim Abschlussball.

Oh, wie hätte ich mich früher über diese Handlung aufgeregt. Sowas von unrealistisch und kitschig. Doch heute schaue ich mir diesen Film mit einer merkwürdigen Mischung aus Lethargie und Melancholie an. Ich bin einerseits gelangweilt, andrerseits muss ich an meine Jugendzeit denken. Ich habe das absurde Verlangen, zu ihr zurückzukehren. Diese Filme stellen es immer so dar, als wäre es cool, das unscheinbare Mädchen zu sein. Vielleicht hätte ich cool sein können.

Ich plane die nächste Woche in meinem Bullet Journal. Das fühlt sich gut an. Ich bereite auch die Monatsübersicht für Dezember vor. Weihnachtszeit, ich komme. Doch das war’s dann auch. Ich sitze da und bin traurig. Aber ich weiß nicht, über was. Ich lasse mir ein Bad ein und höre den Podcast zu Ende. Er ist nun doch noch witzig geworden, aber diese Stimmung überträgt sich nicht auf mich. In mir ist der Sonntags-Blues.

Traurig über alles und nichts

Und obwohl er grundlos begann, sind da auf einmal Stimmen in meinem Kopf, die sich über Zustände in meinem Leben aufregen. Die sich traurig in Selbstmitleid über etwas suhlen, mit dem ich sonst ganz gut klar komme. Themen, die im Licht betrachtet erklärbar und aushaltbar sind, doch die Dunkelheit macht sie schwer und hoffnungslos. Und da sind sie, die Tränen über alles und nichts. Ob Dunkelheit, Hormoncocktail oder tatsächliche Trauer – ich kann es nicht mehr auseinanderhalten.

Früher hätte ich mich fertig gemacht. Ich hätte so lange nach einer Erklärung gesucht, bis ich eine gefunden hätte. Ich hätte Probleme durchgekaut, nur um danach noch deprimierter zu sein. Letztendlich hätte ich ein schlechtes Gewissen wegen meiner Traurigkeit bekommen. Und ganz zum Schluss ein schlechtes Gewissen aufgrund meines schlechten Gewissens. Und nichts, was ein guter Freund oder mein Mann gesagt hätte, hätte in diesem Moment geholfen.

Doch heute kuschel ich mich in meinen weichen Bademantel und sage mir: ‚Es ist okay. Morgen wird es wieder besser sein.‘ Und sobald mir diese Erkenntnis leise über die Lippen kommt, bin ich erleichtert und beinahe überrascht über mich selbst. Ja, morgen wird es wieder besser sein! Es ist eine abgedroschene Ermutigung, aber sie ist wahr. Für einen kurzen Moment bin ich in der Lage, auf Erfahrungswerte zurückzugreifen und zu erkennen: So bin ich. Dunkelheit kann mich traurig machen und alles viel schwerer darstellen als es ist. Aber am nächsten Tag, da wird es besser sein. Das weiß ich.

Also zwinge ich mich nicht mehr, meine Stimmung zu ändern. Ich versuche auch nicht herauszufinden, ob ich wirklich ein Problem habe oder dies nur durch die herbstliche Abendstimmung verstärkt wird. Ich mache mich bettfertig, lese noch ein paar Seiten und werde müde. Schließlich schlafe ich ein, ohne eine Lösung gefunden zu haben. Und das ist okay.

Sich selbst ernst nehmen

Ich habe hauptsächlich einen Wunsch, wenn ich mit anderen über meine Probleme und Sorgen rede: Ich möchte ernst genommen werden. Ich will ein offenes Ohr und ernst gemeinte Zuwendung. Mehr nicht. Denn um ehrlich zu sein, nehme ich nur wirklich wenige Ratschläge von nur wirklich wenigen Menschen an. Und einfach ein wenig bemitleiden lassen? Oh nein. Damit kann ich nichts anzufangen.

Wenn ich in Zeiten der Traurigkeit also lediglich ernst genommen werden will: Warum sollte ich mich nicht auch selbst ernst nehmen? Das, was ich gestern Abend zu mir selbst gesagt hatte, war alles, was ich in diesem Moment hören musste: „Es ist okay. Es ist okay, dass ich so bin.“ Es war die einzige Stimme, die in dem Stimmen-Chaos Sinn ergab. Jede Beschwichtigung, jeder Ratschlag hätte Widerworte und innere Kämpfe ausgelöst. Doch so konnte ich loslassen und darauf vertrauen, dass Gott aus meinen Gefühlen irgendetwas machen würde. Ich gab die Kontrolle auf und den Zwang, etwas in Ordnung bringen zu müssen. Ich verfiel nicht in Panik, weil nicht einmal ein Vollbad meine Stimmung heben konnte. Es war einfach wie es war.

Und manchmal ist das zu akzeptieren der beste Weg, damit es wieder anders werden kann.

Gerade in diesem Moment kann ich es schon wieder nicht fassen, dass es bereits dunkel wird. Ich habe leichte Kopfschmerzen. Also trinke ich meinen Kaffee, esse einen Keks und freue mich, dass ich bald unter Menschen komme. Ich muss ein wenig seufzen und denke mir: „Okay.“

Constanze

Veröffentlicht in Persönlichkeit

Wie ich mich mit der Nervosität versöhnte

Mal wieder bereite ich mich auf eine lange Autofahrt vor und mal wieder bin ich furchtbar aufgeregt. Noch lebhaft habe ich die letzte vierstündige Autofahrt im Gedächtnis. Doch ich bin dankbar: Dieses Mal muss ich nicht allein fahren. Dem Navigationsgerät gebe ich eine zweite Chance und das Auto hat mein Schwiegerpapa mit Hilfe der Werkstatt wieder auf Vordermann gebracht. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass unser Karlchen (so heißt unser Auto) nicht mehr Jahrzehnte unter uns weilen wird. Und zugleich frage ich mich, inwieweit ich es mit meinem Umweltbewusstsein vereinbaren kann, ein Auto zu besitzen, wenn ich meist andere Verkehrsmöglichkeiten nutzen könnte. Doch für dieses Wochenende sind die Reifen aufgepumpt und die Batterie ist gewechselt – es kann losgehen.

2018 – das Jahr der Aufregung

Und dennoch bin ich aufgeregt. Ich wusele durch die Wohnung und obwohl ich kaum packen muss, verbringe ich den Großteil des Tages damit. Eigentlich wollte ich auch putzen, doch das rutscht auf der Prioritätenliste nun doch nach unten. „Ich bin so aufgeregt!“, verkünde ich meinem Mann am Abend zuvor und springe hippelig durch sein Arbeitszimmer.

2018 hatte ich inoffiziell unter das Motto „umsetzen“ gestellt. In den Jahren zuvor hatte ich sehr viel über mich selbst nachgedacht und darüber, wohin mich mein Weg beruflich führen sollte. Ich hatte unkonventionelle Entscheidungen getroffen und mich geradewegs in die sogenannte „Quarterlife Crisis“ manövriert. Ich hatte Jobs begonnen und beendet und war für manch einen wohl zum lebenden Beispiel für eine junge Frau in den Zwanzigern geworden, die nichts mit ihrem Leben anzufangen weiß. Und ich gebe zu, aus reiner Erklärungsnot heraus, stellte ich es hin und wieder selbst so dar, obwohl es nicht der Wahrheit entsprach. Zum Jahreswechsel 2017/18 hatte ich das Gefühl, dass sich das viele Nachdenken allmählich ins Umsetzen verwandelte. In gewisser Weise existierte ein Plan, den mein Mann und ich guten Gewissens gemeinsam angehen konnten.

Doch nun, gen Ende dieses Jahres, möchte ich dieses Wort um ein zweites ergänzen: „Aufregung“. Nervosität. Panik. Im Jahr 2018 hat mein Herz schätzungsweise so viele Schläge gezählt wie in dem Jahr, als ich meinen Mann kennen lernte. Immer wieder gab es Anlass für Nervosität. Ich weiß nicht, wie oft ich bei meinem Mann ins Zimmer platzte und verzweifelt quietschte: „Ich bin schon wieder aufgeregt! Wann hört das endlich auf?“

Verschiedene Arten der Aufregung

Es gehört zu meiner Persönlichkeit dazu. Und wenn ich von Aufregung rede, meine ich Nervosität, Angst und alles dazwischen. Ich meine die ganze Bandbreite an Gefühlen, die mich vor einem wichtigen Ereignis durchfluten könnte. Während andere das Leben nehmen, wie es kommt, spiele ich es in Gedanken prophylaktisch durch. Ich weiß, dass es wenig Sinn ergibt und ohnehin vieles anders läuft als gedacht. Ich vergegenwärtige mir auch nicht ausschließlich die negativen Möglichkeiten. Ein großer Teil meiner Aufregungs-Vorbereitung besteht darin, mich neutral jeder Situation zu wappnen. Mein Kopf ist nicht auszuschalten und ich habe begonnen, diesen Zustand zu akzeptieren. Die entscheidende Frage ist, was ich daraus mache.

Noch deutlich habe ich eines meiner Bewerbungsgespräche in den letzten Jahren vor Augen. Ich hatte zuvor furchtbare Angst. Dieser Form der Aufregung konnte ich nichts abgewinnen. Der Job, der mir möglicherweise bevorstand, rief keine Vorfreude in mir hervor. Ich hatte mich beworben, weil es das ist, was man nach dem Studium macht: Man bewirbt sich. Irgendwo. Man will einen Job. Irgendeinen. In dem Moment hatte ich funktioniert, aber mein Herz an der Garderobe abgegeben. Ich wollte beruflich voranschreiten und hatte geglaubt, dies ohne Leidenschaft tun zu können. Daraus resultierte Aufregung, in der ich keinerlei Freude finden konnte.

Diese Art der Aufregung kenne ich ebenso aus meiner Schulzeit. Einen Vortrag über die chemischen Zusammenhänge von Fetten halten, den Citratzyklus vorstellen oder eine Kurvendiskussion erklären? Heute kann ich darüber lachen, aber damals bereiteten mir solche Themen und der Druck, sie vor der Klasse präsentieren zu müssen, eine ähnliche Angst.

Dankbar für positive Aufregung

Wenn ich auf das Jahr 2018 zurückschaue (was ich unverschämterweise bereits im November tue) könnte ich nicht dankbarer für all die ängstlichen Nervositätsmomente sein. All die Momente, in denen mir das Herz aus der Brust sprang und ich unnötig viele Gedanken an bevorstehenden Aktionen, Aufgaben, Reisen oder ähnliches verschwendete. Denn sie hatten, im Gegensatz zu dem Bewerbungsgespräch oder den Vorträgen in der Schule, alle eines gemeinsam. Nachdem ich zu meinem Mann sagte „Ich bin so aufgeregt!“ fügte ich hinzu: „Aber ich freue mich.“

Jedes Mal, wenn mir das bewusst wurde, konnte ich die Aufregung ein kleines bisschen besser ertragen. Sie verwandelte sich in einen hüpfenden, bunten Flummi, der fröhlich und ein wenig unkontrolliert vor sich hin sprang und nicht zu stoppen war. Das „umsetzende“Jahr konnte nicht anders, als diese Aufregung mit sich zu bringen, da ich Dinge umsetzte, die ich liebte. Und so wurde jeder Flummi-Moment zu einem Dankbarkeits-Moment. Jedem Zweifel (‚Ich weiß nicht, ob ich das gut machen werde‘) folgte Zuversicht (‚Aber ich weiß, dass ich das machen soll.‘) Mein Herz schlug schnell, aber es sagte Ja zu all diesen aufregenden Dingen, die ich tat. Es fühlte sich berufen, hin und wieder einen großen Sprung über einen beängstigenden Graben zu wagen. Es fühlte: Gott geht mit.

Mein Ziel ist nicht, ein unentwegt tiefenentspannter Mensch zu werden. Mein Ziel ist, unruhig zu sein bei dem Gedanken an all die Dinge, die ich liebe. Und dann packe ich diese Unruhe und verwandle sie in positive Energie. Energie, die mir hilft, mutig etwas anzugehen, vor dem ich sonst zurückschrecken würde. Ja, ich möchte sogar bewusst nach dieser Unruhe suchen. Sie zu überwinden wird mir helfen, hin und wieder auch die Form von Aufregung am Kragen zu packen, die ausschließlich mit Angst verbunden ist. Denn solche Momente wie damals in der Schule wird es wohl auch weiterhin geben.

Und so fuhr ich voller Unruhe und Freude an diesem Wochenende zu einem Treffen mit anderen christlichen Bloggerinnen. Karlchen spielte mit und ich erlebte die Krönung meiner aufregenden Erlebnisse in diesem Jahr. Ich durfte mich unsicher auf den Weg machen und ermutigt zurückkommen. Ich durfte unruhig und aufgeregt sein, solang ich trotzdem in dieses Auto stieg und mich auf etwas Neues einließ. Etwas Neues, zu dem mein Herz laut und deutlich Ja sagte.

Ich wünsche auch dir, dass du diese Momente findest und vor der Aufregung nicht zurückschreckst. Sag ihr fröhlich hallo. Und dann stürze dich ins Geschehen.

Constanze

Veröffentlicht in Lifestyle

Klein, hübsch, mit Liebe gemacht – der 365+1-Kalender

 (Werbung, unbezahlt)

Es bereitet mir sehr viel Freude, Leute zu unterstützen, die etwas voller Liebe, Kreativität und Aufmerksamkeit kreieren. Ich liebe Persönliches, Handgemachtes, bei dem ich weiß, wer dahinter steckt. Seltener Geld ausgeben und wenn, dann für etwas Wertvolles – gern würde ich das noch öfter machen.

Besonders cool ist es, Leute zu unterstützen, die ich kenne. Und so darf ich heute völlig freiwillig Werbung für den handgemachten 365+1-Kalender von Anne Ahnert und Rebekka Schwaneberg machen. Gestern lag der sorgsam und liebevoll eingewickelte Kalender bei mir im Briefkasten. Ist es nicht so viel schöner, etwas von jemandem persönlich zugeschickt zu bekommen als von einer großen Firma?

Meine erste Reaktion: „Ohhhh, ist der süß!“ Ganz nach dem Motto „klein, aber oho“ erreichen dich bei Bestellung 192 Kärtchen, je 4,5 x 9 cm groß. Und da ich komisch bin, musste ich gleich daran riechen… Ergebnis: riecht gut! Der Kalender kann alljährlich genutzt werden. Nach der Hälfte des Jahres wird der ganze Stapel einmal gewendet und es geht auf der anderen Seite weiter. Das einzige, was du selbst noch erledigen musst, ist, ihn mit einem Bändchen zu befestigen (zum Beispiel Geschenkband).

Für mich persönlich besticht der Kalender durch seine schöne, malerische Gestaltung. Jeder Monat hat ein eigenes Farbschema, jede Jahreszeit ein eigenes Motto. Ich bin ein Fan davon, jeden Monat bewusst mit dem zu genießen, was er bietet und so gibt es auch hier passend zu den Jahreszeiten und Monaten für jeden Tag entweder eine kleine Inspiration, Frage, einen Bibelvers, Kochtipp, Vorschlag für deine Freizeit oder Ähnliches. Mein Tipp: Nicht zu genau im Vorhinein durchblättern, sondern lieber überraschen lassen!

Ich war gespannt, ob die Größe mir zusagen würde und finde nun, dass gerade sie etwas Charmantes hat. In meiner Vorstellung liegt der Kalender zum Beispiel auf dem Nachttisch und ist das Erste was ich mir nach Ausschalten des Weckers anschaue. Oder in der Küche neben der Kaffeemaschine. Oder am Spiegel neben dem Schminkzeug. So er kann er zu einem perfekten, rituellen Alltagsbegleiter werden, der meine Gedanken kurz auf Schönes lenkt, mich über etwas nachdenken lässt oder mir eine gute Idee gibt. Manchmal reicht dafür schon ein Spruch oder eine Frage.

Aber da der Kalender so wunderbar als Geschenk geeignet ist, weiß ich noch nicht, ob ich ihn behalte… mal sehen! Wenn auch ihr die beiden in ihrer kreativen Arbeit unterstützen möchtet, kommt ihr hier zu Annes Etsy-Shop und hier zu Rebekkas Etsy-Shop. Dort gibt es neben dem Kalender noch viel weiteres Schönes zum Durchstöbern. Vielleicht lässt sich ja das ein oder andere Weihnachtsgeschenk finden.

Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

Constanze

Veröffentlicht in Lifestyle, Persönlichkeit

Live like a Girl: Das Beste rausholen durch Wissen?

(Autorin: Anne von AhnertDesign)

Frau sein bedeutet, dass unser Körper anders funktioniert als der der Männer. Das zu negieren bringt uns an unsere Grenzen, was meint ihr? Und dass unser Körper anders tickt, wirkt sich auf unsere Psyche, Gefühle und unsere Art zu Denken etc. aus. Manchmal denke ich darüber nach, wie ein Mann wohl ohne die zyklische Lebensweise seine Stimmungen und Energie wahrnimmt und einsetzt. Aber dafür bin ich zu wenig Expertin auf diesem Gebiet. Was das Leben als Frau betrifft kenne ich mich dafür ein wenig aus.

Seit einer Weile folge ich auf Instagram der Bloggerin Phylicia Masonheimer. Sie erklärt dort nicht nur die Bibel auf fundierte und praktische Weise, sondern gibt auch Tipps für ein starkes Frausein, eine erfüllte Ehebeziehung ohne das perfekte Gegenüber und für hormonelle Ausgeglichenheit als Frau. Sie bezieht sich auf das Buch „Woman Code“ von Alisa Vitti (www.floliving.com). Diese wiederum gibt jede Menge Tipps für Frauen weiter, die ihren Zyklus, die sich wiederholenden vier bis fünf Wochen, besser verstehen und das Beste aus sich herausholen möchten. Dafür hat sie auch die App my flo entwickelt, die ganz günstig im AppStore erhältlich ist und die vier Zyklusphasen auf die spezifische Frau abstimmt. Ich mache dafür Werbung, unbezahlt, weil ich selbst sehr dankbar für die Erkenntnisse bin, die ich daraus gewinne. Bei Interesse schaut sie euch doch mal an!

Mich fasziniert im Prinzip vor allem, dass der Körper so wunderbar von Gott geschaffen und darauf ausgerichtet wurde, potentiell Kinder zu bekommen. Und dass das ganze Frausein durchwirkt ist von den jeweiligen Hormoncocktails, die bestimmte Symptome im Körper auslösen. Übt man zur richtigen Zeit eine bestimmte Sportart aus, ernährt sich entsprechend des spezifischen Nährstoffbedarfs und gibt sich Raum für soziale Kontakte oder Ruheinseln, dann kann frau bewusster in diesem Rhythmus leben und sich dabei womöglich auch recht wohl fühlen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Körper nicht durch künstlich zugeführte Hormone wie durch die Pille durcheinander gebracht wird. Unter der Voraussetzung können wir nicht die natürlichen Vorgänge beobachten und beeinflussen.

Grundsätzlich gilt, dass jede Frau anders ist. Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Frauen (20 – 40 %), der die prämenstruellen Symptome (PMS) wahrnimmt oder überhaupt darunter leidet. Wieder andere bemerken nur Rücken- oder Bauchschmerzen, wenn sie dann ihre Tage haben. Eine gewisse Leistungskurve ist vielleicht für alle Frauen über den Monat hinweg zu beobachten? Das muss jede für sich selbst beurteilen. Fakt ist, dass es so mancher Frau weiterhelfen kann, sich besser zu verstehen und ihr diffuses Unwohlsein einer Ursache zuzuschreiben. Und wenn sie das letzte Einhorn in ihrem Umfeld ist, das sich diesbezüglich schlecht fühlt.

Ich selbst habe schon Zeiten erlebt, da war ich ziemlich gebeutelt von Stimmungsschwankungen und habe mich darum gedrückt, zu manchen Zeiten des Monats auf Menschen zu treffen, von denen ich viel halte – weil Freundlichkeit dann nicht gerade zu meinen Stärken zählte. Ja, manche solcher Tage erlebe ich immer noch, aber jetzt weiß ich, dass es okay ist, mich zurückzuziehen, unsozial zu sein, meine Grenzen aufzuzeigen, diese Zeit zum Reflektieren des Status Quo zu verwenden und mich nicht ständig darüber fertig zu machen, dass mich unfreundliche Gedanken dominieren. Der Druck, bestenfalls ausgeglichen und fröhlich, aufgeschlossen, wohlwollend und geduldig sein zu müssen, auch wenn meine Hormone mir das gerade sehr erschweren, stimmt mich eindeutig missmutiger als wenn ich diese Phase als normal annehme. Ich brauche eine extra Portion Gnade und mein Mann oft ein besonders dickes Fell. Oft hilft es auch da, wenn ich ihm kurz mit den drei Buchstaben „PMS“ eine Erklärung anbiete. Was ich echt spannend und witzig finde: Die oben genannte App lässt sich sogar mit dem Partner synchronisieren, sodass er benachrichtigt wird, in welcher Phase sich seine Frau gerade befindet und wie er damit umgehen sollte.

Neben den negativen Effekten der Hormone, die man wohl nach und nach durch eine Umstellung des Lebensstils (Sport, wenig oder keinen Kaffee, genügend Schlaf, viel Gemüse, Supplementierung bestimmter Nährstoffe, …) auch lindern kann, sind sie vor allem in der ersten Zyklushälfte ein natürlicher Booster für vorwiegend den sozialen Umgang und die Beziehung zum Partner. Während frau zur PMS-Zeit vielleicht etwas grumpy unterwegs ist, ist sie hier anhänglich und flirty. Die beste Zeit auch, um Freunde zu treffen, neue Herausforderungen anzugehen, Bewerbungsgespräche zu führen etc. Was die Produktivität betrifft, kann man gar nicht so klar in dieses Schwarzweiß der Zyklushälften unterscheiden, denn laut der App gibt es viele verschiedene Stärken der jeweiligen Konzentration – von der Planung neuer Projekte, über die Abstimmung mit anderen, bis zum fokussierten Vervollständigen von Aufgaben und der Reflexion von Stärken und Schwächen. Sogar das Verhandeln von Gehaltserhöhungen u.ä. kann man einplanen. Da ist also bei einer gesunden Frau fast immer einiges an Produktivität vorhanden, wenn sie aus den jeweiligen Vollen schöpft und sich traut, vor sich und anderen zu ihren Grenzen zu stehen. Das ist nicht immer so leicht, wenn man angestellt ist (- ich bin selbstständig -), aber vielleicht könnt ihr das ja mal im privaten Rahmen testen – in der Hausarbeit, im Ehrenamt, der Gemeinde, Hobbys oder Aktivitäten mit den Kindern, eurem Partner oder Freunden …

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf ein paar zweifelnde Gedanken eingehen. Zum Einen: Dieses Denken soll keine Einschränkung sein, sondern Potential freilegen. Und als Christ denke ich auch, dass wenn wir uns unserer momentanen Schwächen bewusst sind, Gott in unserer Schwachheit stark sein wird, wenn wir ihn darum bitten.

Zum Anderen: Ich muss zugeben, mich hat das Prinzip von der App, die mir jeden Morgen sagt, worauf ich mich einstellen kann, immer mal an ein Horoskop – für Frauen – erinnert. Da ich von Horoskopen nichts halte und ich mich von ihrem Urteil nicht abhängig machen möchte, versuche ich die Aussagen der App meistens mit dem Halbsatz im Hinterkopf zu lesen „wenn Gott will“ oder auch „aber mit Gott“. Außerdem sehe ich es als eine Dokumentation der Vorgänge im weiblichen Körper und darf dabei den Schöpfer bewundern! Ähnlich wie bei einer App, die einer werdenden Mutter zeigt, wie sich das Kind in ihrem Bauch entwickelt, kann ich erahnen, was sich gerade in mir selbst verändert.

Vielleicht denkst du auch, dass es sinnlos ist, zu wissen, wie man gerade am besten funktioniert, ohne dass die anderen Leute es wissen, mit denen man zu tun hat. Ich denke aber, besonders mit dem Partner ist Kommunikation dann wichtig. Und was andere Menschen betrifft, mit denen der Umgang dann vielleicht schwieriger ist oder deren Erwartungen man nicht so gut wie sonst erfüllen kann – die müssen nicht immer eine Erklärung bekommen. Es reicht, wenn ich selbst weiß, dass ich gerade nicht gegen mein Frausein ankämpfen muss und wenn ich mehr Rückzug brauche, mehr zuhöre als rede, versuche mir das zu ermöglichen. Die eigenen Grenzen kann frau auch in Liebe aufzeigen, in respektvoller Freundlichkeit. Zumindest ist das ein Lernprozess. Und bei all der Selbstfindung bleibt es wichtig, dass wir uns nicht in uns selbst verlieren und nur noch egoistisch auf unsere eigenen Bedürfnisse schauen. Davon können mindestens die Mütter unter euch ein Lied singen, nicht wahr? Aber schaut mal, was es für einen Unterschied macht, wenn ihr mehr über eure natürlichen Gefühle und Reaktionen Bescheid wisst!

Danke, dass ihr bis zum Schluss dran geblieben seid und viel Spaß beim Entdecken –

Anne

Veröffentlicht in Aus dem Alltag

Herausforderung angenommen

Es ist Samstag um 5 Uhr am Morgen, ich sitze im geparkten Auto und bereite mich auf eine vierstündige Fahrt nach Augsburg zu einem Wochenendseminar meines Fernstudiums vor. Das Licht im Auto leuchtet, ich stecke das Navi in die Stromzufuhr und gebe meine Route ein. Klappt nicht. Ich versuche es mit einer Hausnummer daneben. Klappt. Warum auch immer. Ich sortiere CD’s auf dem Beifahrersitz: „Die 3 Fragezeichen“ und zwei Hörbücher von Thomas Mann. Das ist der Vorrat an Hörbüchern in CD-Format, den meine Familie zu bieten hat. Unser Auto hat keinen Handyanschluss. Plötzlich piept etwas, irgendein Kontrolllämpchen leuchtet und das Licht geht aus. ‚Scheiße‘, denke ich. ‚Das bedeutet jetzt nicht das, was ich denke, dass es bedeutet‘. Und ich habe eigentlich keine Ahnung von Autos! Ich versuche, den Motor anzulassen. Er geht nicht an. Ich könnte verzweifelt aufschreien. So ein bisschen tue ich es auch. Erst letzte Woche erzählte ich von den kleinen Herausforderungen des Alltags, den kleinen Pannen und Missgeschicken. An diesem Wochenende wurde mein Umgang mit solchen Situationen erneut auf die Probe gestellt.

Ängste

Ich glaube, dass es zwei Formen von Angst gibt. Manche Dinge muss ich einfach tun, um die Angst vor ihnen zu verlieren und somit meine Möglichkeiten und Fähigkeiten zu erweitern: die erste Zugfahrt, vor vielen Leuten singen, von zu Hause ausziehen. Und dann gibt es Dinge, vor denen ich meiner Meinung nach immer Angst haben darf, zum Beispiel Spinnen. Mit dieser Angst kann ich gut leben. Hätte ich sie nicht mehr, würde sich mein Leben auch nicht ändern. Na ja, vielleicht fällt euch auch ein besseres Beispiel ein.

Zu dieser ersten Form von Angst gehörten für mich eine ganze Weile die verschiedensten Formen von „allein Reisen“. Auf meine ersten Zugfahrten und Flugreisen bereitete ich mich akribisch vor. Ich druckte Karten und Reisepläne aus, bildete mich im Vorhinein über den Nahverkehr am Ankunftsort und verinnerlichte jegliche Gleise und Gates. Ehrlich gesagt mache ich das heute noch ganz genauso. Es gibt mir Sicherheit und lässt mich ruhiger schlafen. Auf diese Art habe ich einen Weg gefunden, meine Angst zu überwinden. Was ich bisher jedoch noch nicht getan hatte, war, eine lange Strecke allein mit dem Auto zu fahren. An diesem Wochenende wollte ich es wagen. Ich bereitete mich wie immer gut vor und obwohl ich Angst hatte, wusste ich, dass mich deren Überwindung einen Schritt weiter bringen würde. Ich war guter Dinge.

Startschwierigkeiten und freundliche Helfer

An diesem Morgen um 5 Uhr musste mein Mann jedoch seine Eltern aufwecken, damit mein Schwiegerpapa mir Starthilfe geben konnte. Ich ärgerte mich so sehr. Aber mein Schwiegerpapa beruhigte mich und wir waren alle überzeugt: Ich müsste einfach eine Weile fahren und die Batterie wäre wieder aufgeladen! Ich fuhr los und hatte sogar noch eine Chance, pünktlich anzukommen, da ich (natürlich) großzügig Zeit eingeplant hatte. Nach zwei Stunden machte ich eine Pause und danach sprang das Auto auch wieder an. Puh. Ich besuchte das Seminar, fuhr am Abend zum Hotel und schaute eine Menge blödes Fernsehen. (Zu den neuen Erfahrungen des Wochenendes gesellte sich das erste mal „allein sein“ im Hotel. Ich finde es merkwürdig.) Am nächsten Morgen checkte ich aus, trat an die frische Luft und hielt inne – die Nacht war kalt gewesen. Unruhig stieg ich ins Auto und mein Verdacht bestätigte sich: Es sprang nicht an. Die nächste Verzweiflungswelle überkam mich. Mir blieb nichts anderes übrig als trotzdem erst einmal zum Ort des Seminars zu laufen, welcher zum Glück nicht weit entfernt war. Bevor der zweite Seminar-Tag losging fragte ich die anderen um Hilfe. So gern wollten sie mir helfen, aber niemand hatte Starthilfe-Kabel dabei. Mein Seminarleiter hatte jedoch bereits den netten Hausmeister der katholischen Kirchgemeinde, deren Räumlichkeiten wir nutzten, kennengelernt.

Dieser Hausmeister stellte sich als Engel heraus. Er roch nach Alkohol und Zigaretten, aber noch nie im Leben war mir das so egal. Von irgendwoher besorgte er Starthilfe-Kabel und fuhr mit mir zu meinem Auto am Hotel während die anderen systemische Aufstellungen übten. Sofort begann er, mir seine Sorgen über die Ergebnisse der bayrischen Wahlen, die genau an diesem Tag stattfanden, mitzuteilen. „Also ein bisschen Humanität muss doch wohl sein! Na ja, notfalls, da geh ich einfach nach Sizilien zurück!“ Da saß ich, mit einem italienischem Hausmeister, der sich im perfekten bayrisch über Politik ärgerte. Am Auto angekommen meinte er: „Also, Mädel, wenn’s was mit dem Anlasser ist, kann ich nichts machen. Dann musste schauen. Wenn’s mit der Starthilfe klappt, ist es die Batterie.“ In diesem Fall wollte er ein Aufladegerät besorgen, dieses den Tag über an mein Auto schließlich und am Nachmittag extra für mich noch einmal zur Kirchgemeinde kommen, um es wieder zu entfernen, wenn mein Seminar vorbei war. Alles einfach so! Immer, wenn ich mich tausendmal für seine Bemühungen bedankte, sagte er nur: „Wenn ich in deiner Lage wäre, Mädel, würde ich auch wollen, dass mir jemand hilft.“ Da wurde mir warm ums Herz.

Die Starthilfe funktionierte erneut. Wir fuhren zurück zur Kirchgemeinde, ich überließ ihm meinen Schlüssel und durfte zum Seminar zurückkehren, während er sich um das Aufladegerät kümmerte. In einer Pause kam er noch einmal zu mir: „Gib niemals einem italienischen Hausmeister deinen Autoschlüssel, das Auto ist jetzt weg!“, scherzte er, während ich ihn mit großen Augen anschaute. Daraufhin gab mir den Schlüssel und versicherte mir, dass die Batterie durch das Aufladegerät bis 17 Uhr doppelt und dreifach aufgeladen sein müsste. Und so trafen wir uns um 17 Uhr wieder und ich versuchte, das Auto zu starten. Es sprang nicht an.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Verzweiflungswellen nicht mehr ganz so hoch wie am Anfang. Langsam begann ich, mich meinem Schicksal zu fügen. Im Geiste sah ich mich schon den ADAC anrufen und Unsummen bezahlen, da ich kein ADAC-Mitglied bin. Auch der Hausmeister war bestürzt und konnte sich die Sache nicht erklären. Doch dann der Hoffnungsschimmer – das Aufladegerät hatte gar nicht funktioniert! Der Hausmeister entdeckte eine kaputte Sicherung. Das ärgerte uns natürlich, aber wir (ja, das war mittlerweile eine Gemeinschaftsprojekt) waren uns nun wieder sicher, dass sich das Problem auf die Batterie beschränkte und ich also lediglich noch einmal Starthilfe bräuchte und dann eine Weile durchfahren müsste, um die Batterie aufzuladen. Dafür musste dieses Mal mein Seminarleiter mit seinem Auto herhalten. Es funktionierte schnell und alle waren glücklich. Ich bereitete mich auf die Heimfahrt vor. Zum Glück war der Tank noch halb voll und ich war nicht gezwungen, bald eine Pause machen zu müssen. Ich legte mir Essen bereit und wollte das Navi einstellen.

„Die Route wird neu berechnet“

Das Navi funktionierte nicht. Ich ärgerte mich kaum noch und gab die Route stattdessen in mein Handy ein. Ich wusste, dass Google Maps auf meinem Handy nicht zuverlässig funktionierte, aber es würde schon irgendwie ausreichen. Es fand die Route und ich fuhr los. Nach kurzer Zeit begann allerdings das Wirr Warr. Google Maps fing immer wieder an, eine neue Route zu suchen und mich auf einmal darum zu bitten, in 100 Metern links oder rechts abzubiegen. Dann fand es plötzlich zur ursprünglichen Route zurück. Ich erkannte dieses Spielchen schnell und hielt eisern am eigentlichen Weg fest. Das bedeutete, dass ich mir diesen gut merken musste, falls auf einmal die Route wieder „neu berechnet“ werden sollte… Und so verbrachte ich die ersten zwei Stunden dieser Autofahrt damit, laut die richtigen Autobahnabfahrten und Richtungen vor mich hin zusprechen, um die falschen zu übertönen. Ein guter Orientierungssinn gehört leider nicht zu meinen Stärken. Ich habe keine innere Nadel. Ich merke mir einen Weg nicht, nachdem ich ihn einmal gefahren bin. Ich war also absolut unentspannt. Ich wollte auch keine Musik hören, aus Angst, zu viel Strom zu verbrauchen. Zwischendrin sang ich acapella ein paar Lobpreislieder und schaffte es sogar, mich über die von der Abendsonne wunderschön angestrahlten Herbstbäume am Wegesrand zu freuen. Ich konnte es nicht fassen, in was für ein Gold die Landschaft um mich herum getaucht war. Ja, das Leben konnte gleichzeitig so schön und so nervig sein. An dieser neu gefundenen Lebensweisheit hielt ich innerlich fest.

No Risk, No Fun

Nach etwa zwei Stunden hatte ich das Schwierigste geschafft. Ich befand mich auf der A9 und musste nur noch einmal die Autobahn wechseln. Doch nun kam die nächste Mission: tanken! In meinem Kopf ratterte es: ‚Kann ich es wirklich riskieren, den Motor auszumachen? Eigentlich müsste die Batterie jetzt voll sein, ich bin schon so weit gefahren…‘ Doch ich folgte meiner Intuition und beschloss, etwas Riskantes zu tun. Ich fuhr an die Zapfsäule, ließ den Motor laufen und tankte. Auch als ich bezahlen ging, ließ ich den Schlüssel stecken und der Motor lief weiter. Zusätzlich ließ ich die Fahrertür nur angelehnt, da sich unser Auto manchmal automatisch verriegelt. Jeder hätte sofort einstiegen und wegfahren können. Die Kasse war nur halbwegs im Blickfeld meines Autos und wie eine Paranoide hüpfte ich an der Schlange vor der Kasse hin und her, während ich darauf wartete, bezahlen zu können. Etwas zu überschwänglich wünschte ich dem Kassierer schließlich einen schönen Abend und eilte zurück. Ich stieg wieder ein und trat den Rest meiner Reise an. Der Motor lief und lief und ich würde alles tun, damit das auch dabei blieb. Keine weitere Pause!

Dankbar

Am Hermsdorfer Kreuz verfuhr ich mich dann doch noch, obwohl ich das richtige Navi nutzte, welches ab der Tankstelle beschlossen hatte, wieder zu funktionieren. Und so fuhr ich statt auf der Autobahn auf der dunklen Landstraße die letzten Kilometer zum Ziel. Kurz vor mir lief ein Fuchs über die Straße und mein Herz blieb fast stehen. Ich wollte einfach nur nach Hause. Unsicher durchquerte ich kleine Dörfer und versuchte, den Drängler hinter mir entspannt zu missachten.

Zu Hause angekommen parkte ich seitlich am Straßenrand ein, stellte den Motor ab und begann zu weinen. So halb vor Glück wahrscheinlich. Mein Mann kam, um mir beim Hineintragen der Sachen zu helfen (oder besser: um mich hineinzutragen) und meinte, dass das Auto zu weit weg von der Bordsteinkante stehen würde. „Ich parke nicht noch einmal um! Heute definitiv kein Auto fahren mehr!“ Also setzte sich mein Mann ins Auto, drehte den Schlüssel und –

Es sprang nicht an. Und ich war einfach nur dankbar. Dankbar, dass ich an der Tankstelle meiner Intuition gefolgt war. Dass ich meiner Angst folgend etwas total Bescheuertes getan hatte, was mich im Endeffekt ohne weitere Starthilfe nach Hause gebracht hatte.

Was ich gelernt habe

Ob ich nun nie wieder eine Reise allein im Auto antreten werde, weil die erste so nervig war? Habe ich diese Angst also nicht überwunden und in die zweite Kategorie von Angst geschoben, die ich nicht überwinden möchte? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Es ist wohl nicht so schwarz-weiß. Ich kenne nun mögliche Komplikationen. Vielleicht kann ich beim nächsten Mal ein anderes, nicht so altes Auto nutzen, welches weniger Risiken bereit hält. Aber wahrscheinlich werde ich es weiterhin vermeiden, allein weite Strecken zu fahren. Es ist so viel schöner, ein menschliches Navi an der Seite zu haben und gemeinsam den Herausforderungen der Automechanik entgegenzutreten. Vielleicht habe ich einen Teil der Angst in Respekt umgewandelt. Ich glaube, damit lässt sich arbeiten.

Doch noch viel mehr habe ich etwas über Menschen gelernt. Heute hinterließ mir bei der Arbeit ein Kunde ein kleines Geschenk für meinen Kollegen. Ich erkannte den Kunden. Mein Kollege hatte ihm eine Kaffeemühle richtig eingestellt. Ich las den kurzen Gruß auf der Rückseite seiner Visitenkarte: „Weil nur dann Gutes in der Welt geschieht, wenn Menschen mehr tun als sie müssen – Vielen Dank.“ Ich musste schmunzeln und dachte an mein Wochenende. Da waren viele Menschen gewesen, die mehr getan hatten als sie müssten. Einerseits mein Mann und mein Schwiegerpapa, mein Seminarleiter und natürlich vor allem der Hausmeister. Menschen hatten mir geholfen, weil sie wussten, wie es ist, Hilfe zu brauchen. Sie wollten kein Geld, keine Gegenleistung. Sie wollten, dass es mir gut geht. Davon kann ich lernen. Das möchte ich weitergeben. Gott schenkte mir kleine Lichtblicke in den Herausforderungen meines Wochenendes. Das Entscheidende ist, diese auch wahrzunehmen. Denn wenn ich das Gute und Schöne wahrnehmen kann, gebe ich den Ängsten und schlechten Gedanken weniger Raum. Dann kann ich Herausforderungen besser durchstehen.

Mach die gewappnet, nächste Herausforderung! Du wirst mich sicherlich so richtig fertig machen, aber vielleicht sehe ich dabei einen schönen Sonnenuntergang oder begegne einem lieben Menschen. Das wird meine Probleme wohl nicht beheben, aber möglicherweise lässt es sich so ein wenig besser ertragen. Ich hoffe, dass ich auch dann wieder sagen kann: Herausforderung angenommen.

Constanze

(Photo by Karsten Würth)

Veröffentlicht in Aus dem Alltag

Vom Pech verfolgt? Eine Frage der Perspektive…

Bevor ich mich heute früh gemütlich mit Kaffee in meinen Sessel setzen und Tagebuch schreiben konnte, geschah mir ein Malheur. Ich wollte ein wenig kuscheliges, indirektes Licht und klipste statt der Deckenlampe meine Schreibtischlampe an. Auf meinem Schreibtisch stand das Geburtstagsgeschenk für meinen Papa bereit: unter anderem eine gute Flasche Rotwein. Es kam wie es kommen musste. Mein Arm stieß gegen die Flasche und ich konnte ihr, zeitlupenartig natürlich, beim Fall gen Boden zuschauen. Sie zerbarst – komplett. Mein Schreibtisch war umgeben von einem wohlriechenden, roten See und ich war zum ersten Mal dankbar über meine billigen Möbel aus Studentenzeiten, die ich eigentlich gern ersetzen wollte. Auch der billige Boden machte mich auf einmal glücklich. Ein teures Parkett hätte sich sicherlich nicht so gut mit der Flüssigkeit vertragen. Und am dankbarsten war ich für meinen Mann. Der hätte nämlich verdientermaßen noch ein paar Stunden im Bett liegen bleiben können. Doch als ich ihn weckte und um Hilfe bat, stand er sofort auf, machte mir keine Vorwürfe und packte an.

Für gewöhnlich fahre ich seit etwa einem halben Jahr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Mit Fahrrädern an sich kenne mich jedoch nicht besonders gut aus. Zum Beispiel habe ich nicht wirklich ein Gefühl dafür, wie fest die Reifen sein müssen und wann es mal wieder Zeit ist, sie aufzupumpen. Doch einer inneren Eingebung folgend, testete ich, bevor ich heute von der Arbeit nach Hause fahren wollte, den hinteren Reifen. Er war platt. Völlig platt. Ja, das konnte auch ich fühlen! Flickzeug hatte ich natürlich nicht dabei und selbst wenn ich es gehabt hätte, hätte es mich nicht weitergebracht. Mir blieb nichts weiter übrig als mit dem Fahrrad in die Straßenbahn zu steigen, ein Ticket je für mich und das Fahrrad zu kaufen und so nach Hause zu fahren. Mal wieder war ich dankbar für meinen Mann, der zu Hause Flickzeug hat und dies auch benutzen kann.

Heute war so ein Tag, den manche wohl als „vom Pech verfolgt“ beschreiben würden. Ich kenne solche Tage aus der Vergangenheit: Handy verloren. Ausgesperrt. Laptop kaputt. Eine unerwartete Nachzahlung. Irgendetwas geht zu Bruch, vorzugsweise aus Glas (das geschieht bei mir wirklich häufig und es ärgert mich wirklich sehr). Manche Menschen glauben tatsächlich, dass sie vom Pech verfolgt sind – dass es wie ein Fluch ist, der auf ihnen liegt und ihnen den Tag, die Woche, das Jahr, das Leben verderben will.

Auch mich können solche Tage zur Verzweiflung bringen. Ja, mir kamen sogar die Tränen, als ich heute früh die Weinflasche in Scherben am Boden liegen sah. Aber ehrlich gesagt musste ich beim nächsten Malheur des Tages innerlich bereits schmunzeln. ‚Was für ein Tag‘, dachte ich, ‚Wie im Film!‘ Es amüsierte mich ein klein wenig. Als ich vor ein paar Jahren mal einen schlechten Tag an der Uni hatte und dann zu allem Überfluss auch noch meinen Schlüssel verlor, regte ich mich richtig auf. Doch irgendwo in meinem Kopf war auch eine kleine Drama Queen, die es insgeheim ganz aufregend fand, hektisch und aufgeregt nach einem Schlüssel zu suchen. ‚Endlich mal Spannung im Leben!‘ Ja, ein bisschen schräg ist das schon.

Doch heute wurde mir bewusst, warum mich diese „Pech-Tage“ nicht wirklich emotional belasten: Ich weiß, wie es ist, ganz andere Probleme zu haben. Probleme, die tief gehen, die mein Inneres betreffen oder enge Freunde, die mit Trauer und Wut zusammenhängen, mit fehlendem Selbstbewusstsein oder Zweifeln. Das sind die Probleme, die mich nachts nicht einschlafen lassen, die mich langfristiger quälen. Und irgendwie bin ich bei solchen pecherfüllten Momenten eher dankbar darüber, dass es eben doch nur die Weinflasche ist. Doch nur der Fahrradschlauch. Materielle Dinge. Ja, die können ordentlich nerven. Doch wenn ich es aus einer anderen Perspektive betrachte, sind sie eher wie kleine Challenges in einem Computerspiel, die nacheinander abgearbeitet werden müssen. Wie mehrere kleine Endgegner, die früher oder später eben doch zu Fall gebracht werden. Die muss ich nicht emotional an mich heran lassen, sondern einfach nur erledigen. Und die restliche Energie spare ich mir lieber für wirklich wichtige Dinge.

Das Positive ist: wir sind uns nun ziemlich sicher, dass es ein guter Rotwein war, denn mein Zimmer roch außerordentlich gut. Ich werde also den gleichen noch einmal kaufen. Wenn er dann doch nicht schmeckt, bin ich aber wirklich sauer. Was für eine Geldverschwendung! Oder ich schmunzel einfach und schüttel innerlich den Kopf über die Probleme, die wir Menschen uns so machen…

Constanze

(photo by chuttersnap)

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Glauben

Darf ich sauer sein? – Von Gefühlen, alten Zeiten und Rockmusik…

Heute war ich frustriert über etwas. Ich habe mich nicht direkt aufgeregt, ich war auch nicht furchtbar wütend. Einfach nur ein wenig frustriert, weil ein Projekt nicht so voran ging, wie ich mir das wünschte. So, dass man innerlich angespannt ist und denkt „Oooch mennooo“ oder „Hrmpf, das nervt“. Nach ein paar Bemühungen konnte ich erst einmal nichts daran ändern und beschloss, die Wäsche abzunehmen. Praktische Arbeit gleicht mich aus, wenn gedankliche Arbeit ins Stocken gerät. Einfach nur Wäsche abhängen gibt es bei mir jedoch eher selten – Musik musste her. Musik, die meinem Frust ein wenig Ausdruck verleihen würde. Instinktiv, als wären die letzten zehn Jahre niemals vergangen, gab ich Avril Lavigne in mein Handy ein. Die „alte“ Avril Lavigne natürlich, die mit „Let go“ und „Under your Skin“. Ein wenig rockig, hier und da leicht aggressiv und doch unglaublich gefühlvoll. (Ich vermisse solche Musik im Radio.) Während ich also aus voller Kehle mitsinge und die Wäsche abhänge, frage ich mich: Muss ich mich schlecht fühlen? Schlecht, weil ich meine Gefühle nicht einfach beiseiteschiebe und in tiefenentspanntes Vertrauen übergehe? Schlecht, weil ich weltliche Rockmusik eingelegt habe statt christliche Worship-Musik?

Unwillkürlich muss ich noch einmal an die Zeit vor zehn Jahren denken. Damals war es eines meiner größten Hobbys, Lieder zu schreiben. Das mache ich heute immer noch gelegentlich, aber damals war das definitiv etwas anderes. Ich schrieb über jeden Herzschmerz, jede Trauer, jede Wut, jeden Jungen, in den ich nur ansatzweise verliebt war und jeden philosophischen Gedankengang. Und ich erinnere mich, wie einmal jemand zu mir sagte, dass meine Lieder häufig so verbittert klingen würden. Das stimmte mich nachdenklich. Ja, derjenige hatte nicht ganz Unrecht. Aber merkwürdigerweise empfand ich das überhaupt nicht als etwas Negatives. Ich empfand es als Ausdruck meiner Emotionen und als Verarbeitung von bestimmten Situationen. Dass man das Negative stärker verarbeiten muss als das Positive erschien mir nur logisch. Dass meine Texte manchmal ein wenig verbittert klangen hieß nicht, dass ich verbittert durchs Leben ging. Ich hatte nur einen gut ausgeprägten melancholischen Charakterzug…

Ich glaube, dass unter Christen manchmal das Missverständnis herrscht, dass wir keine negativen Emotionen zeigen dürfen. Wir sollen doch all unsere Sorgen auf Gott werfen! Wir dürfen ihn um Hilfe bitten! Und Gott wird genau das bewirken, was wir brauchen, auch wenn wir es auf den ersten Blick nicht erkennen! Ja. All das glaube ich von ganzem Herzen. Aber wo genau steht, dass ich all meine Gefühle herunterschlucken muss, sodass sie wie ein Kloß im Hals stecken bleiben?

Der durchaus berechtigte Gedanke hinter dieser Sorge ist wohl, dass es ungesund ist, dauerhaft mit Bitterkeit im Herzen zu leben. So, dass diese Bitterkeit an anderen Menschen ausgelassen wird und immer mehr die Liebe wegspült, mit der wir eigentlich ans Leben herangehen möchten. So, dass wir uns selbst im Weg stehen. Doch meiner Ansicht nach sind Gefühle erst einmal weder negativ noch positiv. Sollte ich nicht auch wütend und sauer über Ungerechtigkeit in der Welt sein? Die Frage ist viel mehr: Was mache ich mit den Emotionen? Schlucke ich sie herunter, lasse sie nicht zu und platze fast? – spätestens dann, wenn die tagesschau von der nächsten Katastrophe berichtet, ich den aktuellen Kontostand sehe, der Ehepartner etwas Unsensibles sagt oder die Kinder zu laut schreien… Oder verarbeite ich sie lieber gleich?

Nun, natürlich gibt es unterschiedliche Wege der Verarbeitung. Hätte ich die Jungs, die mir damals das Herz gebrochen haben, angeschrien und beleidigt, wäre das sicherlich nicht sonderlich hilfreich gewesen. Ein Lied über die Emotionen zu schreiben, die in mir vorgingen, war für mich der perfekte Weg, ohne Hass und Bitterkeit im Herzen loszulassen und weiterzugehen. Und da war auch eine andere Person, die zu mir sagte: „Das ist doch nicht komisch – die erfolgreichsten Lieder wurden über Herzschmerz geschrieben!“ Erfolgreich bin ich zwar nicht geworden, aber ermutigt hat es mich trotzdem. Meine Emotionen sind okay. Ich muss den Berg überwinden statt so zu tun, als wäre er nicht da. Und wenn ich dafür Lieder verwende, ist das gut.

Und so fühle ich mich auch heute nicht schlecht, als ich meinen Gefühlen mittels altmodischer Rockmusik Raum verleihe. Danach geht es mir besser und ich habe niemandem wehgetan, auch nicht mir selbst. Aus vollem Herzen kann ich Gott nun meine Situation anvertrauen. Zu ihm darf ich so kommen, wie ich bin. Und ich glaube weiterhin, dass er den roten Faden durch mein Leben spinnt – so wie immer.

Finde deinen Weg, um Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Ist es ein Boxsack? Gedichte? Stundenlange Gespräche mit einer Freundin? Ein ausgedehnter Spaziergang?

In Erinnerung an Avril Lavigne läuft während ich dies schreibe übrigens ihr aktuelles Album im Hintergrund – ich war neugierig. Und mich beschleicht das Gefühl, dass auch die liebe Avril schon viele emotionale Zustände durchgemacht hat…

Constanze

(Photo by Haley Powers)