Veröffentlicht in Aus dem Alltag

Einkaufverhalten #CoronaTagebuch

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal an der Kasse für einen Spontan-Süßigkeiten-Kauf entschieden habe. Ihr wisst schon – eine Kinderschokolade oder ein Bounty, so etwas in der Art. Diese Dinge, die strategisch günstig positioniert sind, damit die Kinder noch einmal richtig nerven können. Nirgendwo werden verschiedenen Erziehungsstile so sichtbar wie an diesem Ort.

Fakt ist: Heute war ich das Kind. (Ohne Elternteil natürlich.) Und ich hab’s mir einfach genommen, ohne tiefgreifend über die 29 Cent nachzudenken, die das Kindercountry gekostet hat. Kindercountry! Hach. Ein Geschmack, der mich zwanzig Jahre zurückversetzt. Und heute habe ich ihn wieder gebraucht. In diesem Moment an der Kasse. Als ich den Supermarkt verlasse merke ich, wie wenig diese Entscheidung heutzutage noch zu mir passt. Aber ich bereue sie nicht. Was ich mich jedoch ernsthaft frage, ist, ob diese Riegel in den letzten zwanzig Jahren geschrumpft sind…

Ich muss sagen, alles in allem bin ich bereits eine versierte Corona-Einkäuferin. Ich schnappe mir sofort einen Einkaufswagen, auch wenn ich nur die beim letzten Einkauf vergessenen Kaffeefilter und Salzstangen hole. Mit größter Vorsicht umkurve ich die anderen Kunden und halte sogar Abstand zu meiner Freundin oder Schwiegermutter, die ich zufällig treffe – widerwillig natürlich. Ich weiß genau, dass ich nur noch die teuren Haferflocken bekomme und werfe lediglich einen kurzen Blick in die Mehlabteilung. Aufregen bringt ja nichts. Von Klopapier wollen wir gar nicht anfangen. An der Kasse warte ich geduldig und rücke niemandem auf die Pelle. Grenzen werden akzeptiert – wieder so eine gute Sache, die die Krise mit sich bringt. Ich spitze die Ohren, wenn die Kassiererin durch ihre Mundschutzmaske mit mir spricht – hier liegt das einzige Problem, das ich wahrhaft habe: meine schlechten Ohren.

Was nun noch fehlt ist meine eigene Mundschutzmaske. Doch in 2020 gilt: Beste Freunde sind die, die dir eine Mundschutzmaske nähen können! Dann hat man Glück gehabt. Und ich habe sogar mehrere Freundinnen mit dieser Fähigkeit. Eine davon wird mich bald versorgen. Sogar mit schönem Muster. Ich liebe es, wenn Schönes aus Nervigem gemacht wird.

Dann ist mein Corona-Einkaufsverhalten wirklich on fleek! Nur das mit dem Kindercountry sollte ich dauerhaft überdenken.

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