Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Optimieren erlaubt – aber wie?

Ich schätze, ich bin immer ein wenig spät dran. Während andere das vergangene Jahr längst abgeschlossen, Neujahresvorsätze beschlossen und die Weihnachtsdeko beiseite geräumt haben, denke ich immer noch darüber nach, was 2019 wohl für mich bringen wird und der Weihnachtsbaum steht weiterhin geschmückt im Wohnzimmer – zugegeben, mit hängenden Ästen. Ich finde es zu traurig, einen Tannenbaum kurz vor Heilig Abend aufzustellen und ihn ein paar Tage später schon wieder zu entsorgen. Bei uns hat er eine Daseins-Berechtigung von circa zwei Monaten: Anfang Dezember bis Ende Januar. Er ist nun einmal mehr als ein Baum, er ist Teil unserer Einrichtung. Er erleuchtet dunkle Zeiten und füllt nebenbei perfekt diese leere Ecke neben dem Sofa aus. Sorry not sorry.

Reflektion statt Vorsätze

Auf facebook habe ich bereits kurz darüber geschrieben, dass es bei mir keine typischen Jahresvorsätze gibt. Mehr dazu kannst du auch in meinem Blog-Beitrag vom letzten Jahr lesen. Was ich allerdings regelmäßig praktiziere, nicht nur (aber auch) zum Jahreswechsel, ist eine Zurück- und Vorausschau. Ich reflektiere und ziehe Schlüsse für die Zukunft. Ich überdenke Angewohnheiten, prüfe, ob sie noch Sinn für mein Leben ergeben und passe sie gegebenenfalls an. Manchmal stelle ich einen Bereich meines Lebens regelrecht auf den Kopf. Ich habe Spaß an kleinen Selbstexperimenten. Meist geht es jedoch um kleine Schritte, behutsame Anpassungen, Veränderungen, mit denen ich mich nicht selbst überfordere.

‚Ja, ja, dieser Optimierungswahn!‘, wird der ein oder andere jetzt denken. Heutzutage geht es ja ständig darum, die beste Version seiner selbst zu sein und jeden Bereich von Fitness bis Schlafrhythmus zur Perfektion zu treiben. Sobald es um Perfektion geht, kann auch ich nur den Kopf schütteln. Doch ich behaupte, dass uns der Verruf der Selbstoptimierung nicht davon abhalten sollte, weiterhin zu reflektieren und das Leben bewusst zu gestalten. Für mich ist das zu einem ganz natürlichen Prozess geworden, der individuell an die verschiedenen Phasen meines Lebens angepasst geschieht.

Für 2019 habe ich kurz gecheckt, ob meine bisherigen Angewohnheiten nach wie vor Sinn ergeben. In 2018 hatte ich das ein oder andere geändert, was ich im Grunde genommen einfach beibehalten möchte. Hier ein paar Gedanken dazu…

Sport

Als ich die Schule beendete musste ich mir zum ersten Mal Gedanken darüber machen, wie ich auch weiterhin in Bewegung bleiben würde. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht verstehen, wenn jemand außerhalb des aufgezwungenen Sportunterrichts freiwillig joggen gehen würde oder Ähnliches. Doch allmählich sah ich ein, dass Bewegung gesund ist und ich irgendeine Form für mich finden musste. Joggen war mein erster und sich immer wiederholender Versuch. Irgendwie funkte es nicht. Vor zwei Jahren stieg ich auf Pilates um. Ich fing außerdem an, mich über meinen Körpertyp zu belesen und erkannte, dass ich aus gutem Grund ganz intuitiv den Ausdauer/Cardio-Sportarten nicht zugewandt bin. Sie verbrennen ordentlich Kalorien, was für viele attraktiv ist. Doch der Stoffwechsel meines Körpers (dünn von Natur aus ohne eigenen Verdienst) arbeitet ineffizient und verbrennt bereits ohne Sport recht schnell Kalorien (weshalb ich häufig auch mehr Hunger habe als die durchschnittliche Frau).

Deshalb entdeckte ich im vergangenen Jahr Krafttraining für mich. Das macht mir nicht nur Spaß, sondern konzentriert sich außerdem mehr auf Muskelaufbau statt auf Fettverbrennung. Nun ergibt drei bis vier mal in der Woche Krafttraining, ab und zu gemixt mit Pilates, mehr Sinn für mich als sechs mal die Woche Pilates – wie ich es vor einem halben Jahr noch gemacht habe. Und ja, ich weiß, man sieht mir dennoch keinen Muckis an. Aber ich fühle mich gut, gesund und habe das Gefühl, stärker zu werden. Das soll meine Motivation sein.

Früh aufstehen

Im letzten Jahr habe ich außerdem ein für alle mal gemerkt, dass ich ein Vormittags-Mensch bin. Voraussetzung: Ich darf meinen Morgen nach eigenen Wünschen gestalten. (Deshalb war 8 Uhr in der Schule sein auch überhaupt nicht mein Ding. Urgh.) Wenn ich früher aufstehe ist die Wahscheinlichkeit höher, dass ich meinen Morgen in Ruhe gestalten kann. Anfang 2018 begann ich deshalb, meinen Wecker so oft es ging auf 6:30 zu stellen. Da ich in meiner jetzigen Lebenssituation selten vor 9:30 Uhr irgendwo sein muss, erwies sich das als sehr gute Zeit, um in Ruhe in den Tag zu starten, manchmal Sport und häufiger Zeit mit Gott einzubauen. Doch irgendetwas in mir war noch nicht herausgefordert genug. Manchmal wurde die Zeit knapp, wenn die Sport-Session etwas länger dauerte oder ich ein wenig zu entspannt mit Kaffee in der Küche saß. Ich schaute mir all die faszinierenden Youtube-Videos von produktiven Menschen an, die sich jeden Tag bereits 5 Uhr aus dem Bett schwingen. „My mindful 5 a.m. morning routine“ und dergleichen. Zugegeben – das sind die Leute, die ich bewundere. 6 Uhr, das muss doch zu schaffen sein!, forderte ich mich selbst heraus.

Aber es blieb bei frühestens 6:30 und ich denke, dass dies auch weiterhin mein Ziel bleiben wird. Ich kann realistisch betrachten, dass ich eine gewisse Menge an Schlaf brauche und es bereits eine Herausforderung ist, bis 22 Uhr im Bett zu sein. Mein momentaner Lebensstil lässt es nicht zu, dass ich 21 Uhr oder früher ins Bett gehen könnte. Dafür finden zu viele Aktivitäten am Abend statt. Und wenn ich die Prioritäten abwäge, siegen diese Aktivitäten gegen das Bedürfnis, ein „5 a.m.-Power-Mensch“ zu sein.

Social Media – Konsum

Ich bin Bloggerin, aber wenn ich ehrlich bin, ist Social Media nicht wahrhaft meine Welt. Dafür hinterfrage ich zu viel, zerdenke alles und bin sowieso bereits überwältigt vom Leben an sich. Ich habe das Gefühl, dass die Social Media – Welt für die gemacht ist, die in der Lage sind, sich selbstbewusst darzustellen und den Austausch, der dadurch entsteht, wirklich genießen. Die all den Input als Bereicherung aufsaugen, der ihnen Energie für eigenes Schaffen liefert. Und ja, auch ich sehe die Bereicherung, stelle mich selbst dar und kann stundenlang durch Instagram und Co. scrollen. Doch aus oben genannten Gründen muss ich meinen Konsum begrenzen. Social Media hat seine Berechtigung in meinem Leben, aber statt dass es mein ganzes Leben einnimmt, darf es genau einen Raum haben, den ich ab und zu einmal betrete und dann auch wieder bewusst verschließe. So stelle ich es mir zumindest vor.

Zu meiner Morgenroutine wird deshalb auch weiterhin gehören, dass ich mein Handy frühestens eine Stunde nach dem Aufstehen anschalte. Wenn es mir dann beim Frühstücken doch etwas zu still ist, darf stattdessen das Radio herhalten. So starte ich fokussierter und entspannter in den Tag. Am Abend würde ich es gern erreichen, dass Handy bereits eine Stunde vor dem zu Bett gehen auszuschalten – klappt leider noch nicht oft. Aber immer häufiger tausche ich es gegen folgendes ein:

Bücher

Ich habe es schon mein ganzes Leben lang genossen, zu lesen. In den letzten Jahren ist dieses Hobby ein wenig eingeschlafen, denn 1.: Ich habe mir keine Zeit dafür genommen und 2.: Ich hatte keine guten Bücher. An Punkt 2 musste ich wirklich arbeiten. Mein Geschmack hatte sich verändert und ich musste herausfinden, welche Genres mir mittlerweile gefielen. Seitdem ich das etwas besser weiß, ist es wieder zu meinem Ritual geworden, vor dem Schlafen im Bett zu lesen – so, wie ich es als Kind bereits gemacht habe. (Manchmal sind die Angewohnheiten aus der Kindheit die besten.) Es handelt sich hierbei nur um 10-30 Minuten am Tag! Ja, tatsächlich reichen mir manchmal bereits zwei Doppelseiten eines Buches, um mich zur Ruhe kommen und mir die Augen zufallen zu lassen. Ich schlafe besser ein, ich grüble weniger. So einfach ist es.

Häufig bin ich zu faul, ein Buch aufzuschlagen, obwohl ich weiß wie gut es mir tut. Dann höre ich doch lieber einen Podcast auf meinem Handy (was nicht zwingend schlecht ist). Aber wahre Ruhe vor dem Schlafen verschafft mir eigentlich nur ein gutes Buch. Deswegen habe ich das auch als Schlüssel identifiziert: Ich brauche gute Bücher, die mir wirklich gefallen.

Bullet Journal

Ein – zugegeben etwas anderes – Buch, dass mich nun schon fast zwei Jahre lang begleitet ist mein Bullet Journal. Ich kann euch nicht sagen, wie essentiell dieses Notizbuch für mein Leben geworden ist. Es ist ein sehr gutes Beispiel für eine Angewohnheit, die sich etabliert hat, weil sie schlicht und ergreifend Sinn für mich ergibt. Mein Leben besteht aus vielen verschiedenen Bereichen und dieses Buch hält alles zusammen. Früher wurde mir immer nur gesagt, dass ich to do’s aufschreiben solle, wenn ich mich gestresst fühlte oder mir alles zu viel im Kopf wurde. Aber es brachte mir nichts, alles irgendwo hin zu schreiben – eine Sache auf einen Notizzettel, die andere in den Kalender, das nächste in die Handymemos. Ich hatte zig verschiedene Notizbücher für nicht mehr identifizierbare Zwecke.

Nun habe ich mein Bullet Journal, dass (fast) alles zusammenhält: Kalender, Notizen, Listen, Ideen. Ich besitze nur ein weiteres Notizbuch, welches ich als Tagebuch und für andere längere Texte verwende. Das Bullet Journal ist für einen Menschen wie mich, dessen Kopf immer mal wieder überall und nirgendwo ist, ein Lebensretter.

Also was jetzt?

Dies sind nur ein paar Beispiele aus meinem Leben, über die ich hin und wieder gern schreibe. Was möchte ich damit erreichen? Dass jeder, der es liest, die gleichen Angewohnheiten in sein Leben aufnimmt? Möchte ich euch von meinem Lebensstil überzeugen? Überreden, all das einmal auszuprobieren? Gut, ich geb’s zu, zu einem Bullet Journal würde ich gern jeden überreden… (Meins sieht übrigens auch nicht so schön aus wie auf Pinterest oder Instagram!)

Erst Prioritäten – dann Vorhaben

Ich glaube, dass ich im letzten Jahr gelernt habe, dass es nicht um Vorhaben an sich geht, sondern um Prioritäten. Ich wäge ab, was in meinem Leben Bedeutung hat und Bedeutung haben soll. Danach gestalten sich dann wiederum meine Angewohnheiten und Routinen. Vor kurzem habe ich gehört, wie jemand gesagt hat, dass der Satz „Ich habe keine Zeit für…“ eigentlich Quatsch ist. Wir benutzen ihn gern, um nicht weiter erklären oder uns rechtfertigen zu müssen. Aber im Prinzip ist es doch so: Was wir zur Priorität machen, dafür nehmen wir uns auch Zeit. Wenn ich sage, dass ich keine Zeit für etwas habe, dann will ich es schlicht nicht zu einer Priorität machen. Diese Aussage hat ihre Berechtigung! Ein „Ja“ zu einer Sache wird immer ein „Nein“ zu einer anderen nach sich ziehen und diese Nein’s sind notwendig. Mein „Ja“ zum Frühaufstehen bedeutet zum Beispiel mein „Nein“ zum Party machen bis in die Morgenstunden (in aller Regel zumindest). Jemand anderes pflegt vielleicht wichtige Beziehungen gerade in diesen nächtlichen Stunden. Hier sehen die Prioritäten und Angewohnheiten ganz anders aus.

Bewusst Alltag gestalten

Gestalte deinen Alltag bewusst nach deinen Ja’s und Nein’s. Mein Alltag ist immer dann am stressigsten und verwirrendsten, wenn ich nicht weiß, was gerade wahrhaft Priorität für mich hat. Deswegen muss ich mir von Zeit zu Zeit vergegenwärtigen, was mir wirklich wichtig ist und diesen Dingen die Zeit einräumen, die sie brauchen.

Wir könnten ewig darüber streiten, wie wichtig es ist, drei mal in der Woche Sport zu machen und ich wette, du hast genügend Argumente, um meine außer Gefecht zu setzen. Wir könnten auch das Prinzip der Eulen und Lerchen diskutieren und ich könnte dir all die Vorteile aufzählen, die das Frühaufstehen bereit hält. Oder wir machen einfach das, was zu unserem Leben passt und einen Mehrwert bereit hält.

Mein 2019

Wenn ich ein Vorhaben für 2019 (und allgemein im Leben) haben müsste, dann folgendes: mutiger sein. Mutiger handeln, mutiger reden, mutiger schreiben. Nicht darauf warten, dass die Angst weicht, sondern anderes drüber setzen. Und auch hier geht es um Prioritäten! Wenn ich Liebe zur Priorität mache und mich von ihr motivieren lasse, macht das mutig – und ich sage dabei „nein“ zur Angst. Sie ist vielleicht immer irgendwie da, aber ich möchte ihr weniger Wichtigkeit einräumen.

Also: Was ist dir heute wichtig? Was im Jahr 2019? Welche Angewohnheiten zieht das nach sich? Manchmal sind es die kleinen Tätigkeiten und Routinen, die uns dazu verhelfen, Größeres zu erreichen. Was wird dein nächster, kleiner Schritt sein?

Constanze

(Photo by Mikito Tateisi)


Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Gewaltenteilung in meiner Technik

Als ich 18 Jahre alt wurde, bekam ich einen iPod geschenkt, 5. Generation oder so. Jedenfalls waren die damals echt beliebt. Davor hatte ich bereits zwei andere, weniger namenhafte Mp3-Player besessen. Die alten länglichen Teile, die dir gerade so den Titel anzeigen. Ich werde nie den Tag vergessen, als mir jemand zum ersten Mal die Funktionsweise von Mp3-Playern erklärte. Wie jetzt, einfach nur Dateien – auf so ein kleines Gerät? Was bitteschön sind überhaupt Mp3’s? Es grenzte für mich an ein Wunder.

Und so fühlte es sich auch an, als ich mit etwa 14 Jahren vom Walkman auf diese Form des mobilen Musikhörens umstieg. (Den Diskman hatte ich irgendwie übersprungen. Ich kannte lediglich den meiner Schwester, welcher mir recht klobig erschien. Und sowieso. Man kann doch alles auf eine Kassette spielen. Radiolieder und so.) Aber zurück zu meinem 18. Geburtstag. Ich liebte meinen neuen iPod mit einer Menge Speicherplatz, großer Anzeige, Playlistfunktionen und schlanker Optik. Mein kleiner, leuchtend grüner Begleiter, geschützt transportiert in einer Kindersocke. Denn so haben wir das damals gemacht.

Eins für alles

Doch auf den 18. Geburtstag folgte der 19. und mit ihm musste ein neues Handy her. Smartphones waren in der Zeit eigentlich schon im Kommen, aber mir erschien das noch recht suspekt. Und so erhielt ich eine Art Mittelding, ein großes Handy ohne Touchscreen. Aber es war W-lan-fähig, wow! Und es hatte Speicherplatz, um Musik daraufzuladen. Was nun? iPod adé? Konnte er so schnell überflüssig werden? Nein, dafür liebte ich ihn zu sehr. Aber war das die Tendenz unserer Zeit? Dass wir irgendwann nur noch ein Gerät für alles benötigen würden? Noch ein paar Jahre später und ich hatte mein erstes richtiges Smartphone in den Händen. Nun wurde die Lage für den kleinen, grünen Musikspieler tatsächlich kritisch. Ich hing den Trends stets ein wenig hinterher, aber allmählich ersetzte das Smartphone auch in meinem Leben fast jedes andere technische Gerät.

Mit der Zeit gehen?

Okay. Also ich bin schon offen für Neues. Denke ich. Zumindest bekomme ich so große Augen wie Dori bei Findet Nemo wenn jemand sagt „Ich hab da eine verrückte Idee…“ und erwidere „Ideen? Eine Idee? Ich liebe Ideen!“. Wenn ein neuer Hit im Radio läuft, der so klingt wie alles andere zuvor gibt es von mir nur ein entnervtes „Schon wieder nichts Neues!“ und ein Umschalten zum nächsten Sender. Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn Schüler in der 12. Klasse noch nicht wissen, was sie nach der Schule machen möchten und ungewöhnliche Wege einschlagen. Und so bin ich auch prinzipiell offen für technischen Fortschritt. Ich hänge hinterher und bin auch gern erst einmal kritisch, aber ich sehe ein, dass Veränderungen wichtig sind und es keinen Sinn ergibt, sie krampfhaft aufzuhalten.

Nostalgie, hallo!

Aber vor einiger Zeit habe ich meinen iPod im Schubfach wiederentdeckt. Mir war bewusst, dass ich ihn noch besaß – schließlich hat er so einige Entrümpelungen im Eifer minimalistischen Aussortierens überlebt. Das liegt wohl einerseits daran, dass es wirklich schwer ist, technische Geräte wegzuwerfen. (Keine Sorge, den Walkman gibt es nicht mehr.) Andrerseits mag ich ihn einfach und er funktioniert, neben der etwas nachgelassenen Akkuleistung, wie zuvor. Beim ersten Wiederentdecken habe ich ihn nur kurz aufgeladen und zum eigenen Amusement in die alten Lieder hineingehört. Als ich ihn erneut im Schubfach liegen sah, dachte ich: Warum nicht richtig neu beleben? Irgendetwas daran, die Musik unterwegs wieder auf einem eigenen Gerät statt auf dem Smartphone abzuspielen reizte mich. Wollte ich mich einfach nur in alte Zeiten zurückversetzen und nostalgisch das Rädchen meines iPods hin- und herdrehen oder steckte mehr dahinter?

Zurück zu den Basics

Doch der Mp3-Player ist nicht das einzige Gerät, zudem ich mich zurücksehne. Schon seit Monaten rede ich davon, endlich ein Festnetztelefon anzuschaffen. Denn aufgrund meiner Einstellung, dass das Smartphone ja alles kann, mittlerweile auch kostengünstig, hat das Festnetztelefon in den letzten Jahren keine Rolle mehr in meinem Leben gespielt. Ich kann doch jeden mit dem Smartphone anrufen und jeder kann mich darüber erreichen. Warum ein unnötiges Zusatzgerät? Mittlerweile habe ich eine Antwort darauf: Damit ich das Smartphone auch einmal ausschalten kann.

Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem mich der ständige Blick aufs Handy an mir selbst nervt. Nach und nach ergreife ich die ein oder andere Selbstschutzmaßnahme, wie zum Beispiel das Ausschalten vor dem zu Bett gehen. Doch ich möchte noch einen Schritt weitergehen. Wie cool wäre es, regelmäßig einen ganzen Tag das Handy auszulassen? Vielleicht sogar länger? Dafür muss ein Festnetztelefon her, um bei wichtigen Anliegen weiterhin erreichbar zu bleiben.

Kontrolle zurückgewinnen

Allmählich erkannte ich den Grund für mein zunehmendes Bedürfnis nach „Gewaltenteilung“ in meiner Technik. E-Mails am Laptop schreiben, Musik über iPod hören, telefonieren am Handy… Ich wollte die Zuständigkeiten trennen, den Geräten in gewisser Weise ihren Platz zuweisen. Dieses Bedürfnis entsprang einem Gefühl von Überforderung, von „zu viel“.  Manchmal gehe ich einkaufen und möchte nebenher Musik hören. Aber ich möchte nicht auch noch gleichzeitig Nachrichten empfangen oder telefonieren. Was sagt das über mich aus, wenn ich für eine Stunde mit meinem Mp3-Player das Haus verlasse und mich frage, ob es okay ist, das Handy zu Hause liegen zu lassen? Ja, natürlich ist das okay! Und genau das ist mit dieser Zuständigkeits-Trennung möglich. Ich habe selbst Einfluss darauf, wie viel Input ich zulasse. Ich kann ihn kontrollieren, alle Kanäle schließen, einen öffnen oder jeden – so wie ich es brauche.

Reizüberflutung vorbeugen

Wer meinen Beitrag zum Thema Rabatte und Kundenkarten oder Minimalismus gelesen hat, weiß, dass ich mich hin und wieder reizüberflutet fühle. Reizüberflutung vorzubeugen ist eines meiner Lieblingsthemen. Und es gibt einen Grund für all die Achtsamkeits- und Meditationstrends heutzutage: Sie sind die Reaktion auf eine Fülle an Input in unserer Zeit und Gesellschaft. Gerade introvertierte, sensible Menschen haben es schwer, wenn ständige Erreichbarkeit von ihnen erwartet wird. Und ich bin zwar eine Bloggerin mit Accounts auf facebook und Instagram, aber die Welt von Social Media ist nach wie vor nicht wahrhaft meine Welt. So häufig setzt sie mich unter Druck, wenn ich sehe wie regelmäßig andere Blogger etwas posten und sich perfekt in Szene setzen. Ich wünsche mir so wenige Apps wie möglich auf meinem Smartphone, gleichermaßen so wenig wie möglich Kundenkarten in meinem Portemonnaie. Ich möchte von all dem nur so viel wie nötig. Denn es sind nicht Dinge, die wirklich zählen.

Und nun?

Hänge ich also doch den alten Zeit nach und halte meinen iPod so lange am Leben wie es nur geht? Nein, denn genauso bin ich davon überzeugt, dass alles seine Zeit hat. Ich bin gespannt, was die technische Zukunft noch bringen wird. Gespannt, ob ich irgendwann auch mit einer gesichtslosen Alexa oder sonst wem reden werden. Aber bei all dem muss ich darauf hören, was ich brauche und aufpassen, nicht vorschnell mit der Masse zu schwimmen.

Nicht jeder ist von der Fülle an Apps überfordert so wie ich. Nicht jeder ist erst einmal skeptisch, wenn das Telefon klingelt. Nicht jedem nützt eine Aufteilung technischer Geräte. Doch ich persönlich muss mich in gewisser Weise selbst schützen. Denn es macht zwar erst einmal Spaß, zig YouTube Videos vor dem Einschlafen zu schauen, aber einschlafen kann ich dann trotzdem nicht. Und es erscheint effizient, beim Straßenbahnfahren gleichzeitig Musik zu hören und Nachrichten zu beantworten, aber bei der Arbeit angekommen bin ich weniger entspannt, als wenn ich einfach aus dem Fenster geschaut hätte. Weniger auf einmal zu machen und mich daran zu erinnern wie es „früher“ in meiner Kindheit war, tut mir gut. Ich lebe nicht in dieser Vergangenheit, aber ich erkenne, dass es auch mit weniger funktioniert. Nicht nur meine Geräte, sondern auch ich selbst sparen dabei Energie.

Es kann schon sein, dass mein iPod bald wieder nur im Schubfach liegt und ich es doch praktischer finde, alles auf einem Gerät zu vereinen. Aber immerhin hat er mir eine kleine Lektion gelehrt. Die Lektion, dass ich weiterhin hinterfragen darf, was normal wird. Und dass es manchmal gut tut, Gewohnheiten auf den Kopf zu stellen.

Welche Gewohnheit würdest du gern einmal auf den Kopf stellen?

Constanze

Veröffentlicht in Lifestyle

Klein, hübsch, mit Liebe gemacht – der 365+1-Kalender

 (Werbung, unbezahlt)

Es bereitet mir sehr viel Freude, Leute zu unterstützen, die etwas voller Liebe, Kreativität und Aufmerksamkeit kreieren. Ich liebe Persönliches, Handgemachtes, bei dem ich weiß, wer dahinter steckt. Seltener Geld ausgeben und wenn, dann für etwas Wertvolles – gern würde ich das noch öfter machen.

Besonders cool ist es, Leute zu unterstützen, die ich kenne. Und so darf ich heute völlig freiwillig Werbung für den handgemachten 365+1-Kalender von Anne Ahnert und Rebekka Schwaneberg machen. Gestern lag der sorgsam und liebevoll eingewickelte Kalender bei mir im Briefkasten. Ist es nicht so viel schöner, etwas von jemandem persönlich zugeschickt zu bekommen als von einer großen Firma?

Meine erste Reaktion: „Ohhhh, ist der süß!“ Ganz nach dem Motto „klein, aber oho“ erreichen dich bei Bestellung 192 Kärtchen, je 4,5 x 9 cm groß. Und da ich komisch bin, musste ich gleich daran riechen… Ergebnis: riecht gut! Der Kalender kann alljährlich genutzt werden. Nach der Hälfte des Jahres wird der ganze Stapel einmal gewendet und es geht auf der anderen Seite weiter. Das einzige, was du selbst noch erledigen musst, ist, ihn mit einem Bändchen zu befestigen (zum Beispiel Geschenkband).

Für mich persönlich besticht der Kalender durch seine schöne, malerische Gestaltung. Jeder Monat hat ein eigenes Farbschema, jede Jahreszeit ein eigenes Motto. Ich bin ein Fan davon, jeden Monat bewusst mit dem zu genießen, was er bietet und so gibt es auch hier passend zu den Jahreszeiten und Monaten für jeden Tag entweder eine kleine Inspiration, Frage, einen Bibelvers, Kochtipp, Vorschlag für deine Freizeit oder Ähnliches. Mein Tipp: Nicht zu genau im Vorhinein durchblättern, sondern lieber überraschen lassen!

Ich war gespannt, ob die Größe mir zusagen würde und finde nun, dass gerade sie etwas Charmantes hat. In meiner Vorstellung liegt der Kalender zum Beispiel auf dem Nachttisch und ist das Erste was ich mir nach Ausschalten des Weckers anschaue. Oder in der Küche neben der Kaffeemaschine. Oder am Spiegel neben dem Schminkzeug. So er kann er zu einem perfekten, rituellen Alltagsbegleiter werden, der meine Gedanken kurz auf Schönes lenkt, mich über etwas nachdenken lässt oder mir eine gute Idee gibt. Manchmal reicht dafür schon ein Spruch oder eine Frage.

Aber da der Kalender so wunderbar als Geschenk geeignet ist, weiß ich noch nicht, ob ich ihn behalte… mal sehen! Wenn auch ihr die beiden in ihrer kreativen Arbeit unterstützen möchtet, kommt ihr hier zu Annes Etsy-Shop und hier zu Rebekkas Etsy-Shop. Dort gibt es neben dem Kalender noch viel weiteres Schönes zum Durchstöbern. Vielleicht lässt sich ja das ein oder andere Weihnachtsgeschenk finden.

Ich wünsche euch viel Spaß dabei!

Constanze

Veröffentlicht in Lifestyle, Persönlichkeit

Live like a Girl: Das Beste rausholen durch Wissen?

(Autorin: Anne von AhnertDesign)

Frau sein bedeutet, dass unser Körper anders funktioniert als der der Männer. Das zu negieren bringt uns an unsere Grenzen, was meint ihr? Und dass unser Körper anders tickt, wirkt sich auf unsere Psyche, Gefühle und unsere Art zu Denken etc. aus. Manchmal denke ich darüber nach, wie ein Mann wohl ohne die zyklische Lebensweise seine Stimmungen und Energie wahrnimmt und einsetzt. Aber dafür bin ich zu wenig Expertin auf diesem Gebiet. Was das Leben als Frau betrifft kenne ich mich dafür ein wenig aus.

Seit einer Weile folge ich auf Instagram der Bloggerin Phylicia Masonheimer. Sie erklärt dort nicht nur die Bibel auf fundierte und praktische Weise, sondern gibt auch Tipps für ein starkes Frausein, eine erfüllte Ehebeziehung ohne das perfekte Gegenüber und für hormonelle Ausgeglichenheit als Frau. Sie bezieht sich auf das Buch „Woman Code“ von Alisa Vitti (www.floliving.com). Diese wiederum gibt jede Menge Tipps für Frauen weiter, die ihren Zyklus, die sich wiederholenden vier bis fünf Wochen, besser verstehen und das Beste aus sich herausholen möchten. Dafür hat sie auch die App my flo entwickelt, die ganz günstig im AppStore erhältlich ist und die vier Zyklusphasen auf die spezifische Frau abstimmt. Ich mache dafür Werbung, unbezahlt, weil ich selbst sehr dankbar für die Erkenntnisse bin, die ich daraus gewinne. Bei Interesse schaut sie euch doch mal an!

Mich fasziniert im Prinzip vor allem, dass der Körper so wunderbar von Gott geschaffen und darauf ausgerichtet wurde, potentiell Kinder zu bekommen. Und dass das ganze Frausein durchwirkt ist von den jeweiligen Hormoncocktails, die bestimmte Symptome im Körper auslösen. Übt man zur richtigen Zeit eine bestimmte Sportart aus, ernährt sich entsprechend des spezifischen Nährstoffbedarfs und gibt sich Raum für soziale Kontakte oder Ruheinseln, dann kann frau bewusster in diesem Rhythmus leben und sich dabei womöglich auch recht wohl fühlen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Körper nicht durch künstlich zugeführte Hormone wie durch die Pille durcheinander gebracht wird. Unter der Voraussetzung können wir nicht die natürlichen Vorgänge beobachten und beeinflussen.

Grundsätzlich gilt, dass jede Frau anders ist. Es gibt einen gewissen Prozentsatz an Frauen (20 – 40 %), der die prämenstruellen Symptome (PMS) wahrnimmt oder überhaupt darunter leidet. Wieder andere bemerken nur Rücken- oder Bauchschmerzen, wenn sie dann ihre Tage haben. Eine gewisse Leistungskurve ist vielleicht für alle Frauen über den Monat hinweg zu beobachten? Das muss jede für sich selbst beurteilen. Fakt ist, dass es so mancher Frau weiterhelfen kann, sich besser zu verstehen und ihr diffuses Unwohlsein einer Ursache zuzuschreiben. Und wenn sie das letzte Einhorn in ihrem Umfeld ist, das sich diesbezüglich schlecht fühlt.

Ich selbst habe schon Zeiten erlebt, da war ich ziemlich gebeutelt von Stimmungsschwankungen und habe mich darum gedrückt, zu manchen Zeiten des Monats auf Menschen zu treffen, von denen ich viel halte – weil Freundlichkeit dann nicht gerade zu meinen Stärken zählte. Ja, manche solcher Tage erlebe ich immer noch, aber jetzt weiß ich, dass es okay ist, mich zurückzuziehen, unsozial zu sein, meine Grenzen aufzuzeigen, diese Zeit zum Reflektieren des Status Quo zu verwenden und mich nicht ständig darüber fertig zu machen, dass mich unfreundliche Gedanken dominieren. Der Druck, bestenfalls ausgeglichen und fröhlich, aufgeschlossen, wohlwollend und geduldig sein zu müssen, auch wenn meine Hormone mir das gerade sehr erschweren, stimmt mich eindeutig missmutiger als wenn ich diese Phase als normal annehme. Ich brauche eine extra Portion Gnade und mein Mann oft ein besonders dickes Fell. Oft hilft es auch da, wenn ich ihm kurz mit den drei Buchstaben „PMS“ eine Erklärung anbiete. Was ich echt spannend und witzig finde: Die oben genannte App lässt sich sogar mit dem Partner synchronisieren, sodass er benachrichtigt wird, in welcher Phase sich seine Frau gerade befindet und wie er damit umgehen sollte.

Neben den negativen Effekten der Hormone, die man wohl nach und nach durch eine Umstellung des Lebensstils (Sport, wenig oder keinen Kaffee, genügend Schlaf, viel Gemüse, Supplementierung bestimmter Nährstoffe, …) auch lindern kann, sind sie vor allem in der ersten Zyklushälfte ein natürlicher Booster für vorwiegend den sozialen Umgang und die Beziehung zum Partner. Während frau zur PMS-Zeit vielleicht etwas grumpy unterwegs ist, ist sie hier anhänglich und flirty. Die beste Zeit auch, um Freunde zu treffen, neue Herausforderungen anzugehen, Bewerbungsgespräche zu führen etc. Was die Produktivität betrifft, kann man gar nicht so klar in dieses Schwarzweiß der Zyklushälften unterscheiden, denn laut der App gibt es viele verschiedene Stärken der jeweiligen Konzentration – von der Planung neuer Projekte, über die Abstimmung mit anderen, bis zum fokussierten Vervollständigen von Aufgaben und der Reflexion von Stärken und Schwächen. Sogar das Verhandeln von Gehaltserhöhungen u.ä. kann man einplanen. Da ist also bei einer gesunden Frau fast immer einiges an Produktivität vorhanden, wenn sie aus den jeweiligen Vollen schöpft und sich traut, vor sich und anderen zu ihren Grenzen zu stehen. Das ist nicht immer so leicht, wenn man angestellt ist (- ich bin selbstständig -), aber vielleicht könnt ihr das ja mal im privaten Rahmen testen – in der Hausarbeit, im Ehrenamt, der Gemeinde, Hobbys oder Aktivitäten mit den Kindern, eurem Partner oder Freunden …

Zum Schluss möchte ich noch kurz auf ein paar zweifelnde Gedanken eingehen. Zum Einen: Dieses Denken soll keine Einschränkung sein, sondern Potential freilegen. Und als Christ denke ich auch, dass wenn wir uns unserer momentanen Schwächen bewusst sind, Gott in unserer Schwachheit stark sein wird, wenn wir ihn darum bitten.

Zum Anderen: Ich muss zugeben, mich hat das Prinzip von der App, die mir jeden Morgen sagt, worauf ich mich einstellen kann, immer mal an ein Horoskop – für Frauen – erinnert. Da ich von Horoskopen nichts halte und ich mich von ihrem Urteil nicht abhängig machen möchte, versuche ich die Aussagen der App meistens mit dem Halbsatz im Hinterkopf zu lesen „wenn Gott will“ oder auch „aber mit Gott“. Außerdem sehe ich es als eine Dokumentation der Vorgänge im weiblichen Körper und darf dabei den Schöpfer bewundern! Ähnlich wie bei einer App, die einer werdenden Mutter zeigt, wie sich das Kind in ihrem Bauch entwickelt, kann ich erahnen, was sich gerade in mir selbst verändert.

Vielleicht denkst du auch, dass es sinnlos ist, zu wissen, wie man gerade am besten funktioniert, ohne dass die anderen Leute es wissen, mit denen man zu tun hat. Ich denke aber, besonders mit dem Partner ist Kommunikation dann wichtig. Und was andere Menschen betrifft, mit denen der Umgang dann vielleicht schwieriger ist oder deren Erwartungen man nicht so gut wie sonst erfüllen kann – die müssen nicht immer eine Erklärung bekommen. Es reicht, wenn ich selbst weiß, dass ich gerade nicht gegen mein Frausein ankämpfen muss und wenn ich mehr Rückzug brauche, mehr zuhöre als rede, versuche mir das zu ermöglichen. Die eigenen Grenzen kann frau auch in Liebe aufzeigen, in respektvoller Freundlichkeit. Zumindest ist das ein Lernprozess. Und bei all der Selbstfindung bleibt es wichtig, dass wir uns nicht in uns selbst verlieren und nur noch egoistisch auf unsere eigenen Bedürfnisse schauen. Davon können mindestens die Mütter unter euch ein Lied singen, nicht wahr? Aber schaut mal, was es für einen Unterschied macht, wenn ihr mehr über eure natürlichen Gefühle und Reaktionen Bescheid wisst!

Danke, dass ihr bis zum Schluss dran geblieben seid und viel Spaß beim Entdecken –

Anne

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Mein Problem mit Kundenkarten und anderen Rabattmöglichkeiten

Widerwillig fahre ich zur Tankstelle. Die Preise sind derzeit einfach unterirdisch, aber wer den Luxus des Autofahrens genießen möchte, muss eben die Zähne zusammen beißen. Also tanke ich wieder nur zehn Liter, nach wie vor in der Hoffnung, dass sich die Preise bald ändern. An der Kasse werde ich gefragt, ob ich die Kundenkarte der Tankstellen-Kette hätte. „Ne“, antworte ich wie immer knapp und hoffe, dass ich nun schnell bezahlen und weiterfahren kann. Meist klappt das ganz gut. Aber heute ist mal wieder einer der Tage, an denen ich gefragt werde, ob ich denn gern eine hätte. „Dann bekommen Sie Rabatte… Diese und jene Vorteile…“ „Nein danke, ich bin auch gar nicht so oft hier“, antworte ich und das ist nicht einmal gelogen. Ich bezahle meine Benzinkosten. Bevor sie mir den Kassenzettel überreicht, wirft sie einen Blick darauf und meint: „Schauen Sie, hier hätten Sie jetzt zum Beispiel diesen Rabatt bekommen…“ Ich lächle nur freundlich und gehe. Ist es nicht paradox? Einerseits jammer ich über die teuren Benzinpreise, andrerseits kann ich nicht einmal dankbar eine kostenlose Kundenkarte annehmen, die mir Punkte und Rabatte bescheren würde. Ich weiß, dass es ihr Job ist, aber bei mir stoßen die Verkäufer auf taube Ohren.

Als Jugendliche hatte ich noch die ein oder andere Kundenkarte – und gleichzeitig ein riesen Chaos im Portemonnaie. Entweder dachte ich gar nicht an die Karte oder ich fand sie nicht. Ich weiß nicht, ob ich jemals einen guten Deal abstaubte. Es schien mir zu reichen, die Möglichkeit auf Rabatte zu haben. Theoretisch wäre es sicher möglich gewesen, mehr daraus zu machen. Theoretisch würde mir wohl auch eine Kundenkarte bei der Tankstelle meines Vertrauens etwas nützen…

Ja, theoretisch. Wenn ich darin Zeit und Gedanken investieren würde. Doch vor einiger Zeit bemerkte ich, dass es genau die Zeit und Menge an Gedanken ist, die ich nicht übrig habe. Damals versuchte ich, die Kundenkarte einer großen Drogerie-Kette mal wieder bewusst zu nutzen. Ich sammelte Punkte und wollte sie schließlich einlösen. Dafür war es nötig, die Postleitzahl einzugeben. Puh! Ich war in den letzten Jahren mehrfach umgezogen und wusste nicht mehr, welche Postleitzahl dem aktuellen Stand dieser Karte entsprach. Ich probierte alle Möglichkeiten aus, nichts funktionierte. Ich fragte an der Kasse nach, doch es fand sich keine Lösung. Online könnte ich irgendetwas versuchen, erklärte man mir, doch ich hatte bereits keine Lust mehr, mich damit zu beschäftigen. Da hatte ich schon fleißig Punkte gesammelt und nun war die Einlösung so kompliziert! Halbherzig nahm ich mir vor, das Problem zu lösen, aber das geschah nie. Wenige Jahre später heiratete ich und mein Mann schaffte sich besagte Kundenkarte an. Dazu gab es eine Partnerkarte, sodass wir gemeinsam Punkte sammeln konnten. Okay – ein letzter Versuch! Er hatte ja recht, wir nutzten häufig die entsprechenden Läden. Wir könnten wirklich eine Menge Punkte sammeln, dachte ich. Doch auch diese Karte verschwand irgendwo, ich dachte nur jedes dritte Mal daran, und ach, so groß war der Vorteil auch wieder nicht…

Es waren genau diese vielen kleinen, sich ansammelnden Umständlichkeiten die mich irgendwann einen Cut machen ließen: Schluss mit Kundenkarten! Und nicht nur das. Auf einmal war ich immun gegen vieles, das „Rabatt!“ schrie und mit „10%-auf-den-nächsten-Einkauf“ versehen war. Immun gegen Werbezettel im Briefkasten und Gutscheinheftchen, die sie dir an der Kasse mitgeben. Dieser Cut geschah nicht bewusst. Doch das alles war mir zu viel und ich vermied es von nun an automatisch. Heute verstehe ich ein bisschen besser, warum ich auch kürzlich bei der Tankstelle wieder eine Kundenkarte ausgeschlagen habe:

Reizüberflutung!

Wir realisieren es nicht, aber wir treffen den Tag über tausend kleine Entscheidungen. Im Zeitalter von Social Media kommen zu Reizen der Kategorie Klamotten- und Frühstücksauswahl, dem Stress auf Arbeit und Streit in der Familie auch noch der fortwährende Input über Smartphone, Laptop und Co. hinzu. Wir nehmen auf, wir wählen aus. Ständig. Das ist okay, wenn wir uns entsprechende Auszeiten schaffen und für guten Ausgleich sorgen. Doch wenn ich dann auch noch Unmengen an Coupons in den Tiefen meiner Handtasche finde und deren Gültigkeit überprüfen muss, sich in meinem Portemonnaie die Kundenkarten stapeln und ich bloß nicht den Tag verpassen darf, an dem das Putenfleisch im Angebot ist… dann bringt das mein Reiz-Fass zum überlaufen. Für den ein oder anderen mag es übertrieben klingen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade die kleinen Dinge sind, die in der Summe Einfluss auf mich haben. Deswegen bin ich guten Gewissens Möchtegern-Minimalist. Und ich befördere ohne zu Zögern den Flyer mit Angeboten vom Lieferservice direkt in den Müll, statt ihn, wie vor ein paar Jahren noch, mittels Magnet am Kühlschrank zu befestigen, wo er gemeinsam mit seinen Artgenossen langsam aber sicher zur zweiten Haut des Kühlschranks wird.

Die Angst, etwas zu verpassen

Hin und wieder beschleicht mich das Gefühl, dass Kundenkarten und Rabattangebote uns Angst machen wollen, etwas zu verpassen, wenn wir sie nicht in Anspruch nehmen. Ja, das ist wohl nicht nur mein Gefühl, sondern ganz bewusste Werbestrategie. Werbung will uns das Gefühl von Dummheit vermitteln, wenn wir uns ein unschlagbares Angebot durch die Lappen gehen lassen. ‚Das kriegst du niemals günstiger! Wenn du jetzt nicht zuschlägst, wann dann!‘ Aber möchte ich mich wirklich von Angst motivieren lassen? Von der Angst, etwas zu verpassen? Meist sind Entscheidungen, die ich aus Angst treffe nicht die klügsten und die Chancen stehen gut, dass ich sie später bereue.

Stattdessen versuche ich als völlig eigenmächtiger Mensch einkaufen zu gehen. Ich kaufe das, was ich brauche und/oder mir wirklich Freude bereitet und sonst nichts. Die Entscheidung ist also nicht von Angst abhängig, sondern von meiner Überzeugtheit von einem Produkt. Ich bin bereit, den tatsächlichen Wert eines Produktes zu bezahlen. Wenn das, was ich brauche im Angebot ist: super. Doch wenn stattdessen etwas reduziert ist, was ich normalerweise nicht kaufen würde, entscheide ich mich nicht um. Vielleicht würde ich ein paar Euro sparen – aber wiegen die das Gefühl auf – zu Hause erst einmal angekommen – mit dem Gekauften eigentlich nichts anfangen zu können? Durch diese Vorgehensweise vermeide ich schlicht unnötige Spontaneinkäufe. (und spare vielleicht sogar doch?)

Vor kurzem gab es einen Ausverkauf in der Drogerie. Ich schlenderte durch die Reihen und hatte bereits meine zwei Produkte in der Hand, die ich kaufen wollte. Dann traf ich auf dieses halbleere Schmink-Regal einer Marke, die aufgelöst werden sollte. Alles zum halben Preis! Das ist ja der Hammer, dachte ich und trat näher. Dann kam ich ins Grübeln: Was brauche ich eigentlich? Schminke auf Vorrat zu kaufen kann ja nicht schaden… Doch umso länger ich darüber nachdachte und die mir unbekannten Produkte ansah, umso mehr bemerkte ich: Eigentlich brauche ich nichts. Klar, meine aktuelle Mascara wird früher oder später leer werden, aber dann kaufe ich lieber wieder die, die ich kenne und mag. Und ich mag es sowieso nicht, wenn sich die Schminkprodukte im Badregal stapeln. Also ging ich und fühlte mich mit dieser Entscheidung viel besser.

Alles in allem: Stress

Ich empfinde es als Stress, bei jedem Einkauf nach einer Karte gefragt zu werden und ehrlich gesagt tun mir auch die Verkäufer Leid, die jeden nach dieser Karte fragen müssen. Und dann habe ich gleich noch einmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich nein sage. Natürlich interessiert die Verkäufer das nicht, aber sie haben sicherlich eine Auflage, gelegentlich ein „Nein“ mit „Möchten Sie gern eine haben?“ zu beantworten. Außerdem stresst es mich, daran zu denken, die Punkte einzulösen. Mich stresst der Umgang mit dem Automaten und die Broschüren, die ich mitnehmen muss, damit ich zehnfach Punkte auf meinen Einkauf bekomme. Die ich ja dann eh vergesse.

Natürlich verstehe ich es, wenn jemand, der knapp bei Kasse ist, sich über das Sammeln von Punkten ein paar Rabatte einstreichen möchte. Sicherlich gibt es Leute, die das gewissenhaft tun, sich mit der technischen Vorgehensweise auskennen, ihre Karte stets dabei haben und somit tatsächlich sparen. Doch solange es geht, lebe ich gern mit ein paar Euros weniger und dafür mit einem klareren Kopf. Natürlich freue ich mich, wenn Zucchinis im Angebot sind – weil ich gern mit Zucchinis koche. Aber ich werde weiterhin nicht die reduzierten Pfifferlinge kaufen, denn mit denen kann ich nichts anfangen.

P.S.: Gerade wollte ich diesen Blog-Artikel veröffentlichen, als mir plötzlich einfällt, dass ich doch eine Kundenkarte besitze – nämlich die eines schwedischen Möbelgeschäfts. Der Grund: kostenloser Kaffee. Ich glaube, dass kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren…

Constanze

(photo by itkannan4u)

Veröffentlicht in Gedanken, Lifestyle

Müßiggang – vom Wiederentdecken eines altmodischen Wortes

Urlaubszeit ist Zeitschriftenzeit – zumindest bei mir. Natürlich haben wir noch eine Menge Zeit am Flughafen, bevor wir uns durch den Sicherheitscheck wagen und suchen somit den einzig vorhandenen Zeitschriften- und Buchladen auf. Und ja, trotz Handy bin ich da noch ganz altmodisch und lese Artikel gern auf Papier, wenigstens ein paar Mal im Jahr.

Ich suche allerdings nicht irgendeine Zeitschrift. Ich brauche natürlich eine schrecklich inspirative! Doch sie darf auch nicht ausschließlich Trend-Themen wie Minimalismus oder Achtsamkeit enthalten. Es muss der perfekte Mix aus Zeitgeist und neuem, unerwartetem Input sein. (Ganz recht. Ich liebe es, aus Kleinigkeiten eine Wissenschaft zu machen.) Die „flow“ ist immer mal wieder im Rennen, manchmal auch „Psychologie heute“, doch in letzter Zeit häufiger die „einfach.sein“. Ich blättere sie durch und die meisten Artikel sprechen mich auf Anhieb an. Im Flugzeug versinke ich in den Seiten und kann darüber gerade so vergessen, dass ich ziemlich Durst habe und es für ein Unding halte, sogar für Wasser bezahlen zu müssen. (Selbst Schuld, wenn ich mich nicht im Vorhinein über die Airline informiere.)

Ich stoße auf einen Artikel, in dem ich mich auf besondere Weise wiederfinde. Es geht darum weniger zu machen, um mehr zu erreichen. Es geht um Pausen, altmodisch ausgedrückt „Müßiggang“. Ich mag solche altmodischen Begriffe. Manchmal drücken sie viel besser aus, was wir eigentlich meinen. Das Wort „Pause“ ist meiner Meinung nach ein wenig verkommen. Damit drücken wir aus, dass wir uns mit einem überfüllten Teller Nudeln auf die Couch fläzen und Serien schauen oder stundenlang auf Instagram herumscrollen. Oder wir meinen eine kurze Essenspause auf Arbeit – schnell etwas hineinschieben, weiter geht’s.

Müßiggang ist etwas ganz anderes. Wikipedia sagt: Müßiggang (…) bezeichnet das Aufsuchen der Muße, das entspannte und von Pflichten freie Ausleben, nicht die Erholung von besonderen Stresssituationen oder körperlichen Belastungen.“ Oha! Beim Müßiggang geht es um das bewusste Entspannen und zwar nicht erst an einem Punkt, an dem Erholung nötig ist, sondern bereits davor. Nichts Produktives tun und Gedanken schweifen lassen, wenn der Energietank noch nicht leer sondern noch genügend Energie vorhanden ist, um diese Pause aktiv durchzuführen.

In dem Artikel geht es darum, dass wir diesem Müßiggang zu wenig Raum geben und wie sehr er gerade für kreative Menschen notwendig ist, um Inspiration für die Arbeit zu sammeln. Große Wissenschaftler und Künstler, wie zum Beispiel Leonardo da Vinci, sollen wohl lang nicht 40 Stunden pro Woche gearbeitet und stattdessen lieber ausgedehnte Spaziergänge oder Ähnliches gemacht haben. „Die größten Genies erreichen manches Mal mehr, wenn sie weniger arbeiten“, sagte da Vinci selbst. Die Schreiberin des Artikels geht darin über zu analysieren, ob das nicht sehr faul ist und kommt schnell zu dem Schluss, dass wir in unserer heutigen Beschleunigungs-Gesellschaft nur leider etwas völlig anderes eingetrichtert bekommen haben. Mich braucht sie überhaupt nicht überzeugen. Preach it, sister!, denke ich: „Muße ist die Voraussetzung für Einfallsreichtum. Denn während wir an nichts Bestimmtes denken, unsere Gedanken schweifen lassen, ist unser Gehirn hochaktiv. Im sogenannten Default Mode Network tüftelt es an Problemen weiter, beseitigt, was uns beim Denken behindert, und entwickelt neue Lösungen.“ (Isabel Adolf, einfach.sein, 2/2018, S. 90 f.) Gute Ideen bleiben im Unterbewusstsein, wenn wir keine (echten) Pausen einlegen. Und mal ehrlich: wer kommt auf eine zündende Idee, wenn bereits stundenlange Arbeit hinter einem liegt und nur noch zwanghaft bis zum Feierabend durchgehalten werden muss?

Das beste Beispiel: die Dusche! Ich bin sicherlich nicht die einzige, die unter der Dusche vor sich hin träumt und das ein oder andere Licht aufgehen sieht. Wie schade ist es, dass genau dieser Müßiggang, diese Aktivität des Unterbewusstseins lediglich auf Momente wie die Dusche oder die Fahrt im Auto beschränkt ist? Zeiten, die wir nicht bewusst wählen. Was würde passieren, wenn ich mir bewusste Pausen nehme? An einem Zeitpunkt, an dem es noch nicht „zu spät“ ist? An dem ich nicht schon halb einschlafe oder fast verhungre? (Zum bewussten und regelmäßigen Pause machen kann ich übrigens auch folgenden Blogpost von Sarah vom Blog „honigdusche“ empfehlen: „Wie wäre es mit einer Pause? // Routinen einer Rebellin“ Dort geht es darum, einmal in der Woche 24 Stunden lang nur Dinge zu tun, die Freude machen.)

Wenn ich genauer darüber nachdenke, so fallen mir ein paar Situationen ein, in denen ich mir ganz automatisch eine Pause für Müßiggang genommen habe. Wenn ich zum Beispiel einen „kreativen Flow“ habe und sich ein Blog-Beitrag wie von selbst schreibt gelange ich manchmal ganz plötzlich an den Punkt, an dem ich merke: Ich sollte genau jetzt eine Pause machen, auch wenn ich voll drin bin. Aufhören wenn es am schönsten ist, sozusagen. Dann stehe ich auf, laufe ein wenig durch die Wohnung, mache irgendetwas anderes. Mein Kopf hört auf, sich bewusst zu konzentrieren, lässt die Gedanken einfach schweifen und kann dennoch im Unterbewusstsein an der Sache weiterarbeiten, da vorher noch keine völlige Erschöpfung eingesetzt hat. Der Wiedereinstieg fällt dadurch leicht!

Ich glaube, dass genau darin dass Missverständnis unserer heutigen Zeit liegt: „Wenn ich eine Pause einlege, ist es vorbei und ich kann meine Konzentration nicht wie vorher wieder zurückerlangen. Deshalb lieber keine oder nur wenig kurze Pausen.“ Das trifft allerdings nur für die Pausen zu, die der konkreten Erholung dienen, wenn ich mich bereits überarbeitet habe. Denn ja, wenn ich völlig erschöpft eine Pause einlege, dann ist die Wahrscheinlichkeit, daraufhin wieder voll konzentriert zu arbeiten, recht gering. Dann brauche ich schon eher ein ganzes Wochenende oder sogar einen Urlaub zur Erholung. Der Gedanke, diese Überarbeitung gar nicht erst zuzulassen und Müßiggang mehr in den Alltag zu integrieren, fasziniert mich. Eine Pause einzulegen, wenn ich gerade in Schwung bin – das erfordert Mut und ist nicht faul. Ganz im Gegenteil: Es steigert die Produktivität. Lesen, spazieren gehen, Musik machen, beim Essen ein Hörbuch hören… Das sind Dinge, die ich persönlich als Müßiggang bezeichnen würde und für mich mehr sind als Erholung. Es sind die Dinge, die mich inspirieren. Aktivitäten, nach denen ich gern wieder meine (bezahlte oder unbezahlte) Arbeit aufnehme.

„Je regelmäßiger, desto besser“, steht im Artikel und verweist auf gesunde Routinen. Und dann folgt ein Satz, den ich dringend hören musste: „Auch neurologische Studien belegen, dass Routinen Kreativität fördert – wenn wir selbst entscheiden können, wie wir unseren Tag einteilen.“ Ich habe mich immer zu Routinen hingezogen gefühlt und war doch frustriert, wenn sie mir von Außen vorgegeben wurden – Schule, Arbeit, … Wenn ich selbst keinen Sinn in einer Routine sah, war sie zum Scheitern verurteilt. Daraus schloss ich zeitweise, dass Routinen völlig unnötig sind. Heut weiß ich, dass die selbstbestimmten Routinen mir den perfekten Rahmen geben, um meine Kreativität auszuleben. „Na toll“, wirst du jetzt vielleicht denken. „Leider kann ich auf Arbeit nicht einfach dann Pausen machen, wann ich will.“ Aber auch mit unserer Freizeit können wir selbstbestimmt umgehen. Wer vielen Hobbys nachgeht, sich um Haus und Hof kümmern muss oder ehrenamtlich tätigt ist kennt sicherlich das Gefühl, dass Freizeit eher unbezahlter Arbeit gleicht. (Hier kannst du mehr über meine persönliche Definition von Arbeit lesen.) In diesen Bereichen können wir anfangen, uns häufiger für Müßiggang statt Überforderung zu entscheiden.

So sitze ich also im Flugzeug und freue mich bereits jetzt wieder darauf, meine selbstausgesuchten Routinen umzusetzen und gnädiger mit mir zu sein, wenn ich keinen 8-Stunden-Tag habe und stattdessen ein bisschen mehr Muße. Der Artikel bestätigt mich in meinem Vorhaben, früh aufzustehen, um die ersten Stunden des Tages selbstbestimmt zu gestalten und am Abend frühzeitig den Kopf wieder abzuschalten. (Viele Schriftsteller halten wohl gerade die Morgenstunden für die kreativste Phase des Tages.) Ich freue mich darauf, den Sonntag wieder mehr zu einem Tag des Müßiggangs zu machen und statt Netflix einzuschalten öfter zum Buch zu greifen.

Ich glaube, ich bin wirklich der einzige Mensch, der bereits auf dem Hinweg in den Urlaub gern wieder an den Alltag zu Hause denkt.

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Privileg Putzen

Ich bin froh, dass ich mich momentan in einer Lebenssituation befinde, in der ich es schaffe, regelmäßig zu putzen.

Nein, ich bin nicht gerade ein Sauberkeitsfanatiker und in meinen Schränken sieht es meist eher kunterbunt aus. Wenn ich bei jemandem zu Besuch bin, ist es mir egal wie ordentlich es ist oder ob das Geschirr schon ein wenig länger neben der Spüle steht. Dennoch mag ich bei mir selbst eine gewisse, zumindest oberflächliche, Ordnung – weil es mir hilft, mich innerlich geordnet zu fühlen. Dies war auch einer der Gründe, warum ich mich mit der Thematik Minimalismus auseinandergesetzt oder mich mit Dingen wie „Reizüberflutung“ beschäftigt habe. Äußere und innere Ordnung hängen für mich zusammen.

In Zeiten, in denen ich weniger zu Hause war, habe ich den Haushalt schleifen gelassen. Entspannen und Auftanken war dann wichtiger, da habe ich klare Prioritäten. Und doch ließ mich die Unordnung zunehmend unzufrieden werden. Ich fühlte mich unsortiert und durcheinander. Dass ich es nun meist schaffe, einmal in der Woche zu saugen, das Bad zu putzen und die Küche halbwegs in Ordnung zu bringen ist für mich persönlich deshalb ein Gewinn. Doch ich muss zugeben: oft genug läuft diese wöchentliche Putzaktion sehr hektisch ab. Ich weiß, dass ich sie für ein gutes Gefühl brauche und doch quetsche ich sie in ein straffes Zeitfenster und erwarte von mir selbst Höchstleistungen, die mich ganz schön ins Schwitzen bringen können. Ich möchte Sauberkeit eben doch nicht zu wichtig nehmen. Es bleibt eine Notwendigkeit, die schnell erledigt sein soll. Es soll ordentlich aussehen, ja, aber die ein oder anderen Staubkörner dürfen ruhig auch einmal länger verweilen…

Am vergangenen Samstag lag allerdings mal wieder ein terminloser Tag mit lediglich zwei Vorhaben vor mir: Putzen und Fernstudium. Ich hätte sicherlich wieder einen Putzsprint einlegen können, um dafür mehr Freizeit zu haben. Stattdessen entschied ich mich, die Sache einmal anders anzugehen und mir bewusst Zeit für unsere Wohnung zu nehmen. Kennt ihr diese Dinge, die merkwürdigerweise immer liegen bleiben? Der Tischläufer, der zwar schon längst gewaschen ist, aber immer noch nicht gebügelt. Die Besteckfächer, in denen sich die Krümel bereits häuslich fühlen. Der Wasserkocher, der mal wieder entkalkt werden müsste. Diese kleinen Dinge, die einfach nicht wichtig genug erscheinen, um sie im alltäglichen Stress unterzubringen. Doch manchmal mache ich mir sogar dann Stress, wenn ich eigentlich gar keinen haben müsste. Lege einen Putzsprint ein, obwohl mich niemand antreibt. Gehe an diesen liegengebliebenen Aufgaben vorbei, nur weil irgendeine Stimme in meinem Kopf sagt, dass etwas anderes immer wichtiger ist. Klar, wenn ich mir mehr Zeit fürs Aufräumen nehme habe ich weniger Zeit für andere Aktivitäten. Aber ob ich diese Zeit sinnvoll nutzen würde? Ob ich mich nicht vielleicht sogar entspannter fühle, wenn ich ungeliebte Aufgaben etwas weniger hektisch angehe?

Dieses mal ging ich also entspannt durch die Wohnung und erledigte nacheinander die Baustellen, die mir ins Auge fielen und die ich sonst gern beiseite schob. Ich wischte zum Beispiel nicht nur über das Badregal, sondern warf auch einen Blick in die Behälter, die sich in diesem Regal befinden. Leere Zahnpastatuben, angefangene Schminke, die ich eh nicht benutze – Warum nicht einfach weg damit? Da bemerkte ich wieder, was mich so sehr am Minimalismus-Gedanken begeisterte. Was für ein befreiendes Gefühl war es, nach kurzer Entmüllungs-Aktion, diese halbleeren Behälter zu sehen, in denen nun nur Sachen enthalten sind, die ich auch verwenden kann! Wie schön ist es, zu einer Zahnpastatube zu greifen und zu wissen, dass aus ihr auch etwas herauskommt. Es sind diese wenigen Handgriffe weniger, diese kleinen positiven Veränderungen, die in der Masse einen Unterschied machen. Ein Wasserkocher, der entkalkt ist? Da fühlt sich das Tee zubereiten doch viel schöner an. Ein sauberer Küchenschrank? Da schau ich viel lieber hinein.

Ich habe bei Weitem nicht alles sauber gemacht, was sauber gemacht werden müsste. Doch ich habe ein paar dieser Dinge erledigt, die mich unbewusst die ganze Zeit gestört haben. Meist erscheinen sie mir so klein und unbedeutend. Und doch belastet es, wenn ich jedes Mal beim Öffnen der Besteckschublade denke: „Mensch, diese Krümel! Die müssten eigentlich auch mal weg!“ (Apropos… Wo kommen die eigentlich her?)

Ich habe erkannt, dass es ein Privileg ist, sich Zeit zu nehmen. Eben auch fürs Putzen. Dieses Privileg werde ich vielleicht nicht immer haben und es wird wieder Phasen geben, in denen die Besteckkrümel das Unwichtigste auf der Welt sein werden. Aber wenn ich heute die Zeit geschenkt bekomme, meinen Kopf durch Aufräumen zu entlasten, damit er freier für anderes sein kann – warum dann nicht aufräumen?

Denn im Endeffekt geht es gar nicht darum, wie wichtig Putzen ist oder welche Priorität wir der Ordnung in unserer Wohnung einräumen. Es geht darum, angemessen auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Manchmal bedeutet es, dass Ordnung eine hohe Priorität hat, manchmal weniger (In Zeiten von Umzügen beispielsweise muss ich meine Ansprüche diesbezüglich deutlich herunterschrauben und meine Auftank-Oasen lieber außerhalb der Wohnung suchen). Doch wenn du etwas tun kannst, um dir mehr Freiheit im Kopf zu verschaffen, dann mach es! Sich Zeit für scheinbar Banales zu nehmen zahlt sich in Lebensbereichen aus, die wiederum höchste Konzentration verlangen. Sich Zeit zu nehmen für Dinge, die unwichtig erscheinen – das ist Luxus. Es entspannt, entschleunigt und gibt als Bonus auch noch Raum zum Nachdenken.

Nachdem ich meine Ordnungs-Aktion beendet hatte, setzte ich mich entspannt vor meine Studiums-Materialien. Hätte ich mir weniger Zeit für meine Wohnung genommen hätte ich womöglich nur mehr Youtube-Videos geschaut oder auf Instagram herumgescrollt statt produktiv etwas anderes zu machen. Nun war ich entspannt und produktiv zugleich gewesen. Und das nur, weil ich erkannt habe, dass auch „Unwichtiges“ mal wichtig sein darf und dass ich mich, so oft es geht, nicht selbst zur Hektik antreiben sollte.

Constanze

(Photo by Caroline Attwood on Unsplash)

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Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Reizüberflutung vorbeugen

Heute früh bin ich um 6 Uhr aufgestanden – yey! Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt weiß, dass ich mir das Frühaufstehen schon öfter konkret vorgenommen habe. Heute habe ich es mal wieder mit voller Absicht versucht, nicht nur so halbherzig. Und statt auf halb 7 habe ich den Wecker ganz optimistisch auf um 6 Uhr gestellt, denn mal ehrlich: Wenn es draußen schon hell und lebendig ist, wie kann ich da noch faul in den Federn liegen? Ja ja, ich weiß. Können ist hier der falsche Begriff. Aber ich gehöre prinzipiell zu der Sorte Mensch, die sowieso früher oder später vom Licht aufwachen würde. (Und nein, ich schaffe mir keine Verdunkelungsvorhänge an. Da bekomme ich Platzangst. Aber das ist ein andere Geschichte…)

Und ich bin nicht nur freiweillig um 6 Uhr aufgestanden. Ich habe auch freiwillig erst über zwei Stunden später mein Handy eingeschaltet. Ach, war das herrlich! Ich habe gelesen, gefrühstückt und Sport gemacht und war dabei voll hier. Nur hier. In meiner Wohnung. Mit Körper und Geist.

Wenn du das sowieso immer bist, dann hast du meinen vollsten Respekt. Doch mir ist in den letzten Wochen mal wieder verstärkt aufgefallen, wie sehr mich mein ständiger Begleiter, das Smartphone, auf die Palme bringt – natürlich nicht bewusst. Bewusst nehme ich die Praktikabilität der schnellen Erreichbarkeit wahr, nehme Sprachnachrichten für Freunde auf und freue mich, dass ich sofort ein Youtube-Video einschalten kann, sobald ich „langweiligen“ Tätigkeiten wie Küche aufräumen, allein essen oder Zähne putzen nachgehe (Darüber habe ich schon einmal hier geschrieben). Ja, mir ist bewusst, dass es eigentlich nur auf das richtige Maß ankommt. Die Frage ist nicht ‚alles oder nichts‘. Und doch merke ich das immer erst zu spät… nämlich erst dann, wenn ich mich in einer stressigen Zeit befinde und mein Kopf überall verstreut ist. Wenn ich Entscheidungen treffen muss und gefühlt eine wichtige Information nach der anderen auf mich einströmt. Und dann auch noch der ganze Input aus dem Handy? Bilder, Nachrichten, Videos und Co.? Ich nehme es meinem Kopf nicht übel, dass er das nicht alles verarbeiten kann und meine Produktivität sich nach und nach verabschiedet.

Vielleicht ist das komisch. Aber für mich war es wirklich ein wahnsinnig tolles Gefühl, diese ersten Stunden des Tages nur für mich zu haben. Das was ich tat, tat ich mit voller Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich ist das der Lebensstil, den andere als „achtsam“ bezeichnen würden. Ich stellte außerdem erneut fest, wie sehr Lesen meine Konzentration schult, auf positive, unangestrengte Weise (zumindest wenn mir die Lektüre zusagt). Und eigentlich war ich überzeugt davon, dass ich nie im Leben vor um 8 Uhr Sport machen könnte. Aber heute ging das, einfach weil ich schon vorher die Zeit hatte in Ruhe zu frühstücken und Energie zu tanken.

Gegen 8:15 schaltete ich mein Handy ein. Und ja, da waren tatsächlich eine Menge Nachrichten, die mich noch am Abend zuvor (nachdem ich mein Handy bewusst frühzeitig ausgeschaltet hatte) erreicht hatten. Die Annahme, dass diese mich nun komplett überwältigen würden, traf jedoch nicht zu. Denn auch das Einschalten des Handys und das Checken der Nachrichten geschah bewusst und es fiel mir erstaunlich leicht, schnell zu entscheiden, auf welche Nachrichten ich kurz antworten, mit welchen ich mir noch Zeit lassen konnte und welche keine Antwort benötigten. Mit solchen Entscheidungen ist mein Kopf manchmal den ganzen Tag über beschäftigt, weil ich mich ihnen dauerhaft aussetze. Ich lasse die Reize sozusagen ungehindert auf mich einströmen. Doch es gibt tatsächlich so etwas wie Entscheidungsmüdigkeit! Einen Punkt, an dem es sogar zu viel wird, zu entscheiden was man anziehen soll. Es sind die kleinen, sich anhäufenden Dinge, die manchmal das Fass zum überlaufen bringen können. Doch dem kann ich vorbeugen.

Auch nachdem ich mein Smartphone eingeschaltet hatte, stellte ich erfreut fest, dass ich konzentrierter meinen weiteren Tätigkeiten nachging. Dass ich mich besser dazu durchringen konnte, förmliche E-Mails zu schreiben und festzulegen, welche To do’s Vorrang haben. Dass ich beschwingter zum Supermarkt lief. Dass ich mehr Kraft für die Fahrradfahrt in die Stadt hatte. Ich fühlte mich einfach bereit für den Tag.

Für mich persönlich geht das alles Hand in Hand: eine gute Morgenroutine, Umgang mit dem Handy, genügend Schlaf… Da ich schnell reizüberflutet sein kann, nutze ich das bewusste Kontrollieren dieser Dinge, um ein Stoppschild vor die Überforderung zu setzen. Wer Reize nicht so ungefiltert aufnimmt, benötigt das vielleicht nicht. Doch wenn auch bei dir manchmal alles „einfach nur zu viel im Kopf ist“ und du nicht einmal mehr weißt, woran genau es überhaupt liegt, ermutige ich dich, kleine Alltagsgewohnheiten zu hinterfragen und neu auszurichten. Wie viel Input bist du tagtäglich ausgesetzt? Welcher Input ist nötig und welcher kann getrost verringert werden? Was kann dir helfen, bewusster im Hier und Jetzt zu leben? Mal funktionieren meine daraus resultierenden Vorhaben, so wie heute, mal auch nicht. Aber ich freue mich schon auf den nächsten ausgedehnten Morgen und werde selbst immer wieder Antworten auf diese Fragen suchen.

Was hilft dir, Reizüberflutung vorzubeugen? Kann auch dich manchmal allein schon dein Handy überfordern? Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören. Schreib mir dazu gern an: untangledforyou@gmail.com oder einen Kommentar bei Instagram oder facebook. (Warum es hier vorerst leider keine Kommentarfunktion mehr gibt, kannst du hier nachlesen.)

Constanze

(Photo by Chris Adamus on Unsplash)

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Achtung, ich kommeee…

Vor kurzem bin ich unter die Fahrrad-Fahrer gegangen. Das war eigentlich nie mein Ding, trotz wiederholter Versuche. Zuletzt hat es mir glaub ich Spaß gemacht, als ich mit meinen Mädels am Freitag Nachmittag zum Teenager-Treff unserer Gemeinde gefahren bin. Aber das war wohl was anderes. (Und auf dem Weg gab es Brombeer-Sträucher, hmm.)

In meinem Freiwilligen Sozialen Jahr legte ich mir ein gebrauchtes Fahrrad zu – überzeugt davon, dass ich mehr Sport machen müsste. (Joggen hatte ich zu diesem Zeitpunkt mal wieder abgewählt. Von meinem geliebten Pop Pilates hatte ich damals noch kein Ahnung.) Klappernd und ohne Licht suchte ich mir die verworrenen Wege durch die Großstadt Dresden. Ich hatte kein Händchen dafür, die besten Fahrrad-Pfade ausfindig zu machen. Eher fuhr ich konsequent über unbequemen Schotter. Orientierung ist leider nicht mein Ding. Genau das hat mich immer abgeschreckt: Ich musste mir vorher einen genauen Plan über meine Route machen, sonst ging ich verloren. Das waren noch Zeiten, als mir dabei eine echte Karte behilflich war statt Google Maps… Und erst als ich gemeinsam mit anderen auf dem Fahrrad unterwegs war, stellte ich fest, dass ich nur dann wirklich schnell vorankam, wenn ich durchgängig in die Pedale trat. Wie, was? Durchgängig treten? Das war ja wirklich Sport!

Doch der größte „Abturner“ war wohl immer das Hervorholen aus dem Keller. Puh. Man erkläre mir bitte das Geheimnis des „Gleichzeitig Tür aufhalten und Fahrrad durchschieben“’s… Ach und dann noch dreimal um die Ecke und die Treppe hoch natürlich. Das gleicht einer Tanz-Routine, die man vielleicht nach langer Übung meistert und dann nicht einmal mehr weiß, wie genau man das eigentlich anstellt.

Und zum Schluss: das verschwitzte Ankommen und die Helm-Frisur. Herzlichen Glückwunsch.

Und doch habe ich es nun getan. Ich habe mir ein Fahrrad angeschafft. (Das alte 50-Euro-Gestell wurde mir geklaut, als ich vergaß, es in der Innenstadt anzuschließen und aus dem Geschenkten danach sprang regelmäßig die Kette heraus.) Jetzt habe ich ein wirklich Funktionierendes. Um ehrlich zu sein: Die Motivation für den erneuten Versuch, Fahrrad zu fahren, war rein finanziell. Doch wir haben mehr als 50 Euro investiert, damit es auch Spaß machen würde. Denn ja, ich habe Lust darauf, Spaß daran zu haben! Dieses mal will ich es richtig machen. Ich will zur richtigen Fahrrad-Fahrerin werden. So eine, die ohne Schwitzen lässig den Berg hochkommt und schneller ist als die Straßenbahn. (Mal wieder übermotiviert? Ein wenig vielleicht.) Ich fahre nun seit etwa drei Wochen regelmäßig und wisst ihr was? Es hat funktioniert. Ich habe Spaß!

Das durchgängige Treten…

… funktioniert jetzt wahrscheinlich deswegen besser, weil ich seit Anfang des Jahres bereits mehr Sport mache. Meine Beine sind sozusagen ready. Ach und die Berge gehen auch irgendwie. Bloß nicht ohne Schwitzen und auch nicht unbedingt lässig…

Die Orientierung…

… ist in der Heimatstadt zum Glück leichter als im großen Dresden. Und mein Mann als erfahrener Fahrrad-Fahrer hat außerdem den einen oder anderen Tipp für die optimale Route.

Der Weg aus dem Keller…

… ist glaub ich tatsächlich erlernbar. Ich bin noch dabei. Die Tanz-Routine sitzt noch nicht so ganz. Und ich gebe zu: Oftmals parkt das Fahrrad auch im Wohnungsflur, der eine ideale Größe dafür hat. So oder so denke ich einfach nicht mehr so viel darüber nach. Denn folgendes stimmt jetzt:

Die Motivation…

Ja, ich fühle es – dieses Freiheits-Gefühl beim Fahrrad fahren. Die Motivation ist nicht rein finanziell geblieben. (Aber es hilft: „Wie oft muss ich fahren, bis ich durch die eingesparten Straßenbahnfahrten die Kosten für das Fahrrad wieder drin hab?“) Doch da ist auch der Fahrtwind, wenn ich den Hügel herunterrausche, der aus unserem Neubaugebiet in das Stadtinnere überleitet. Die Herausforderung, wenn ich diesen Berg auf dem Rückweg wieder hoch muss. Die Überzeugung, dass ich nicht schieben werde. Die Freiheit, losfahren zu können, wann ich möchte und nicht auf Straßenbahnzeiten angewiesen zu sein. Das Gefühl, dass ich mich selbst von A nach B transportiere und nicht einfach nur aufs Gaspedal trete. Ganz ohne Umweltverschmutzung und gleichzeitig gesund. Genial, oder?

Dieser Gesundheitsaspekt ist mir noch einmal besonders bewusst geworden, nachdem ich mir vor ein paar Tagen den Dokumentar-Film „Embrace“ angeschaut habe. Fotographin Tayrin Brummfitt macht sich darin auf den Weg herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper hassen und nicht so akzeptieren können, wie er ist – egal ob dünn, dick oder dazwischen. Sie ermutigt, zu Falten, Fettpölsterchen und Schwangerschaftsstreifen zu stehen. Sie möchte dem verdrehten Schönheitsideal unserer westlichen Welt etwas entgegensetzen. Was das mit Fahrrad fahren zu tun hat?

Mich fasziniert es, wie Tayrin darauf aufmerksam macht, gesund zu leben – und dass das nichts mit der Körperform zu tun. Sie selbst hat keine „typische Model-Figur“ und doch kann sie einen Marathon laufen. Darum geht es! Wenn ich Fahrrad fahre, wird mir das bewusst. Bewegung tut gut. Frische Luft tut gut. Das wird mich positiv verändern, auf meine ganz eigene Art und Weise. Ich hab das Gefühl, dass manche Leute mich manchmal schräg anschauen, wenn ich davon erzähle, Sport zu machen: Ich sei doch total schlank, ich könne doch machen, was ich will. Doch das ist überhaupt nicht der Punkt! (Und nebenbei: Genauso wie viele Frauen unbedingt abnehmen wollen gibt es einige, die unbedingt zunehmen wollen… Menschen sind einfach nie zufrieden). Viel mehr geht es um dieses gesunde Gefühl, wie zum Beispiel beim Fahrrad fahren. Darum, wie das Blut zirkuliert, der Kreislauf in Schwung kommt und ich von mal zu mal stärker und ausdauernder werde.

Was vermittelt dir dieses Gefühl? Was hält dich in Schwung? Nein, nicht jeder muss Fahrrad fahren. Bewegung kann so vielfältig sein und ich freue mich, das zu entdecken. Ich lerne Spaziergänge mehr zu schätzen. Eine kurze Pilates-Übung zwischendurch, wenn ich mich eingerostet fühle. Dehnungen. Und gerade freue ich mich darauf, nachher mit dem Fahhrrad durch die strahlende Sonne zur Arbeit zu düsen. Was ich gegen Schweiß und Helmfrisur beim Ankommen mache? Deo und Bürste. Fertig.

Und im Hochsommer? Mal sehen…

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

8 Gedanken zur Klamottentauschparty

Sechs Mädels, ein Kleinkind, ein Baby und ein Berg voller Klamotten in allen möglichen Größen, Formen und Farben. Vergangenen Sonntag war es mal wieder soweit:  Ich durfte Gastgeber einer Klamottentauschparty sein. (Was das sein soll und wieso? Einmal hier klicken.) Endlich einmal wieder! Das „tauschen“ im Wort ist übrigens nicht wirklich relevant. Wir beschenken uns einfach gegenseitig und dies ist wohl im Endeffekt wieder ein Tausch… Hier folgen nun acht Dinge, die ich mir von diesem lebhaften, fröhlichen, sehr ergiebigen Nachmittag mitnehme:

1.) Ich bin normalerweise eine Gastgeberin, die sich konstant darum sorgt, dass es allen Gästen gut geht. Wenn Klamotten im Spiel sind, ist das leichter: alles dreht sich um die Klamotten! Und alle anderen Sorgen scheinen vergessen. Es ist zum Beispiel erst reichlich spät jemandem aufgefallen, dass man mal lüften könnte… Und außerdem: Lieber davor ausgiebig essen und trinken. Währenddessen ist definitiv keine Zeit.

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2.) Dieses Mal haben wir es so gemacht, dass jeder seine mitgebrachten Klamotten selbst nacheinander präsentiert hat. Die anderen konnten sofort sagen, ob sie das angepriesene Teil anprobieren wollten oder nicht. Angesichts der Menge der mitgebrachten Klamotten hat das wirklich lange gedauert – aber sehr viel Freude bereitet! Es war ein bisschen wie Geschenke auspacken zu Weihnachten. Das macht auch mehr Spaß, wenn man sich gegenseitig zuschaut und jede Sache einzeln würdigt. (Zumindest, wenn man erwachsen ist…)

3.) Ich habe tolle Freundinnen. „Nein, das steht dir viel besser als mir. Bitte behalt es.“ „Das sieht richtig gut aus!!“ Und gleichzeitig liebevolle Ehrlichkeit: „Hm, ne, irgendwie nicht so richtig.“ „Ja, ne, ich fühle es auch nicht wirklich.“

4.) Wir sind noch absolut kein kinderfreundlicher Haushalt. Natürlich kann es einem Kind langweilig werden und es verlangt Aufmerksamkeit, wenn sechs Frauen wie verrückt damit beschäftigt sind, sich gegenseitig einzureden, wie gut jemandem etwas steht. Ob wir Kakao da haben? Kein Instant-Pulver, nur zum selbst kochen. Joghurt? Nur griechischen Naturjoghurt. (Ich merke erst jetzt, wie „alternativ“ das klingt.) Ich bin froh, dass meine Mütter-Freundinnen trotzdem gern kommen! Und im Endeffekt kann auch aus griechischem Natur-Joghurt, Marmelade und Zucker etwas Leckeres gezaubert werden. Ach so, und dann sind da noch die weißen Möbel und die vielen Kakteen… Aber wie schön ist es zu sehen, wie das Baby herumgereicht wird, damit auch die Mutter mal in Ruhe Klamotten anprobieren kann. Und die weißen Möbel durchlaufen eben ihren ersten Härte-Test. Nur Frauen mit Kindern können etwas gemeinsam unternehmen oder nur Frauen ohne Kinder? Keinesfalls.

5.) Es ist unglaublich, wie wenig Kleidergrößen eine Rolle spielen. Ich fand es total schön mit anzusehen, wie immer wieder verschiedene von uns das gleiche Teil anprobieren konnten und es bei jedem ganz anders aussah. Nur weil etwas auf den ersten Blick zu eng oder zu weit wirkte, war das nicht unbedingt ein Grund, es nicht auszuprobieren. Häufig wurden wir überrascht! Ich liebe es, auf diese Weise mit Klamotten zu experimentieren und meine Freundinnen zu neuen Stilen zu überreden. („Und wann soll ich das dann tragen?“ „Na ganz normal, an einem Sonntag zum Beispiel!“ „Die Farbe habe ich eigentlich noch nie getragen.“ „Ja, warum eigentlich nicht?“)

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6.) Die ganz besonderen Kleidungsstücke sind die, die man auf den ersten Blick wiedererkennt. „Aber das hast du doch so oft und auch noch in letzter Zeit getragen!“ Wenn man so ein Kleidungsstück ergattern kann, hat es besonders viel Wert, finde ich. Es ist, als ob eine Freundin dir einen alten Begleiter anvertraut. Jap, da bin ich wohl ein wenig sentimental, aber für mich sagen diese Klamotten: „Trag mich und belebe mich neu, denn ich bin etwas Besonderes!“

7.) Besonders lustig waren die Momente, in denen jemand ein Kleidungsstück von der letzten Klamottentauschparty hervorgezogen hat, das den gewünschten Job einfach nicht erfüllt hat. Und wir waren uns alle einig: Das ist erlaubt. Es ist eben ein ewiger Kreis. Außerdem: Lieber wieder zum Verschenken anbieten als wegschmeißen. Oder die Klamotten, bei denen ein Blick genügt und alle sofort wissen: „Jap, wir wissen noch, als das mal modern war…“

8.) Wir brauchen einen Spiegel. Einen richtigen Ganzkörperspiegel. Ja, wir haben einen. Er hängt am Schrank im Arbeitszimmer meines Mannes. Ungünstiger Ort für eine Klamottentauschparty…

Am Ende ist natürlich vieles übrig geblieben. Was man damit dann anstellen soll? Entweder in anderen Freundeskreisen anbieten, spenden, doch noch einmal eine Chance geben… Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich für meinen Teil habe mir definitiv die nächste Shopping-Tour gespart. Und gleichzeitig eine Menge Spaß und Gemeinschaft genossen. Das war nicht das letzte Mal!

Constanze