Veröffentlicht in Gedanken

Reden ohne zu reden

Wer kennt es nicht – diese Situationen, in denen der Mund auf und zu geht, ohne das wirklich etwas herauskommt. Es findet zwar eine Unterhaltung statt, aber danach fragt man sich, worüber man eigentlich gesprochen hat. Man redet, ohne über etwas Relevantes zu sprechen.

Ich glaube, das ist meistens dann so, wenn die Beziehung zu der Person, mit der man kommuniziert, in irgendeiner Weise gestört ist. Entweder man kennt sich nicht gut genug, man hat Angst vor etwas, man ist wütend… All das kann einem das Gefühl geben, nicht voran zu kommen und in der Beziehung irgendwie stehen zu bleiben. Vor allem dann, wenn die Probleme eben nicht angesprochen werden.

Um diese Thematik geht es in dem Lied „Over the Ocean“, welches ich vor einigen Monaten geschrieben habe. Meine Cousine hat im Rahmen ihres Studiums dazu ein Musikvideo produziert, welches ihr euch hier ansehen könnt. Heute also mal ein wenig Werbung in eigener Sache. 🙂

Ich finde, dass die Geschichte des Liedes wunderbar in dem Video umgesetzt wurde. Es geht um zwei Menschen, die es nicht schaffen, ehrlich und offen miteinander zu sprechen – darüber, was ihre Beziehung ausmacht und welche Richtung sie einschlagen wollen. Die Beziehung gleicht einem Schiff, welches kurz vor dem Untergehen ist. Der Wind, der das Schiff umweht, ist ziemlich laut und entwickelt sich bereits zu einem Sturm. Die Umstände, von denen die zwei Menschen umgeben sind, sind schwierig. Die einzige Chance, um das Schiff vor dem Untergehen zu bewahren, bestünde darin, wenn die beiden lauter und deutlicher miteinander sprechen würden. Sonst bricht die Beziehung auseinander.

Es ist eine traurige Geschichte, doch sie soll deutlich machen, dass manchmal kein Weg an ehrlicher, direkter Kommunikation vorbeiführt, um etwas zu retten, was einem wichtig ist.

Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Fällt es dir schwer, komplizierte, schwierige Themen anzusprechen? Kennst du solche Beziehungen, die scheinbar stürmisch umweht werden? Ich freue mich über eure Kommentare.

Constanze

(photo by edinaldojunior)

Veröffentlicht in Gedanken

Soziale Medien boykottieren?

Ich bin viel auf YouTube unterwegs, aber es gibt dort nur wenig, was mein Leben wirklich bereichert. Ein Haufen Make Up-Tutorials, die mir sagen, dass ich zehn verschiedene Pinsel besitzen muss, um meine Haut in fünf verschiedenen Hautfarben zu bemalen, sind es sicherlich nicht. Auch keine „Challenges“ oder „Pranks“ oder „Let’s Plays“ oder „Roomtours“. Geben wir es doch zu: Wer so YouTube-versessen ist wie ich, der kennt das alles und guckt es sich auch hin und wieder mal an. Meistens wundere ich mich aber lediglich darüber, dass solche Videos millionen von Klicks haben und ärgere mich gleichzeitig, dass ich jetzt auch noch einen Klick hinzugefügt habe.

Vor allem die deutsche YouTube-Szene enttäuscht mich. Leute mit unglaublich viel Charisma und dem Talent, stundenlang selbstbewusst vor einer Kamera reden zu können, tun dies zwar – aber zu welchem Zweck? Meistens doch nur, um die Abonnenten-Zahl steigen zu lassen. Sätze wie „Wenn dieses Video 10.000 Likes bekommt, werde ich euch im nächsten Video mein neues Schlafzimmer zeigen“ lassen mich an dieser ganzen Idee, sich selbst im Internet zu präsentieren, zweifeln.

Es gibt gute Videos. Videos mit Witz und Charme, kreativ geschnitten, gute Musik, Menschen, die mit ihrer Geschichte andere bewegen. Aber das ist nicht das, was die meisten Leute anklicken. Solange keine halbnackte Frau im Thumbnail abgebildet ist oder der Titel nicht in Großbuchstaben provoziert („ER HAT MICH BETROGEN“, „SCHWANGER MIT 16“, …), solange wird man es schwer haben, gesehen zu werden.

Diese Regel gilt nicht nur für YouTube, sondern für die ganze Welt der Sozialen Medien. Noch nie zuvor hatten Menschen so viele Möglichkeiten, sich im Internet zu präsentieren und zu sagen, was sie wollen. Kostenlos, schnell, von jedem Ort aus. Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, … Und es hört noch nicht auf. Dass dies nicht immer mit Qualität einhergeht, weiß jeder.

Und nun? Könnte man sich eben aufregen über den Missbrauch des Internets, Facebook boykottieren und vom Smart Phone wieder auf ein graues dickes Nokia-Handy umsteigen. Sicher, so etwas könnte man tun. Und es ist definitiv eine Variante, um sich eine Menge Kopfschütteln zu ersparen.

Ich bin oft kurz davor gewesen, irgendeinen solcher Schritte einzuleiten. Es hat mich geärgert, dass YouTuber mit Millionen Abonnenten ihre Stimme nicht nutzten, um etwas Sinnvolles mit dieser Welt zu teilen. Und doch war ich immer noch begeistert von den Möglichkeiten, die Soziale Medien zu bieten haben. Und immer wieder, wenn ich einen YouTube-Kanal entdeckte, der aus dem typischen Schema heraus fiel und nicht nur durch Qualität in der Videoproduktion sondern auch (und manchmal auch nur) durch Qualität im Inhalt fesselte, wusste ich, dass ich nicht wirklich darauf verzichten wollte. Denn ich kann die Kreativität und die Inspiration dahinter entdecken, die auch mich motivieren, etwas qualitativ Wertvolles zu erstellen. Boykottieren und aufgeben und all die Menschen einfach machen lassen, die ihre Klicks durch sinnfreien Inhalt sammeln? Das erschien mir nicht mehr wirklich zielführend.

Dies ist einer der Gründe, warum ich auf diesem Blog schreibe. Warum ich Soziale Medien noch nicht aufgeben und auf meine Art kreativ werden möchte. Außerdem will ich andere unterstützen, die ihre Stimme nutzen, um zum Nachdenken anzuregen. In zukünftigen Blog-Einträgen möchte ich euch deshalb teilhaben lassen an solchen Beiträgen aus Sozialen Medien, die mich bereichert haben. Manchmal ist es lustig, manchmal nachdenklich und meistens einfach aus dem normalen Leben.

Und mich interessiert: wer oder was begeistert euch in YouTube, Facebook und Co.?

Constanze