Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Gewaltenteilung in meiner Technik

Als ich 18 Jahre alt wurde, bekam ich einen iPod geschenkt, 5. Generation oder so. Jedenfalls waren die damals echt beliebt. Davor hatte ich bereits zwei andere, weniger namenhafte Mp3-Player besessen. Die alten länglichen Teile, die dir gerade so den Titel anzeigen. Ich werde nie den Tag vergessen, als mir jemand zum ersten Mal die Funktionsweise von Mp3-Playern erklärte. Wie jetzt, einfach nur Dateien – auf so ein kleines Gerät? Was bitteschön sind überhaupt Mp3’s? Es grenzte für mich an ein Wunder.

Und so fühlte es sich auch an, als ich mit etwa 14 Jahren vom Walkman auf diese Form des mobilen Musikhörens umstieg. (Den Diskman hatte ich irgendwie übersprungen. Ich kannte lediglich den meiner Schwester, welcher mir recht klobig erschien. Und sowieso. Man kann doch alles auf eine Kassette spielen. Radiolieder und so.) Aber zurück zu meinem 18. Geburtstag. Ich liebte meinen neuen iPod mit einer Menge Speicherplatz, großer Anzeige, Playlistfunktionen und schlanker Optik. Mein kleiner, leuchtend grüner Begleiter, geschützt transportiert in einer Kindersocke. Denn so haben wir das damals gemacht.

Eins für alles

Doch auf den 18. Geburtstag folgte der 19. und mit ihm musste ein neues Handy her. Smartphones waren in der Zeit eigentlich schon im Kommen, aber mir erschien das noch recht suspekt. Und so erhielt ich eine Art Mittelding, ein großes Handy ohne Touchscreen. Aber es war W-lan-fähig, wow! Und es hatte Speicherplatz, um Musik daraufzuladen. Was nun? iPod adé? Konnte er so schnell überflüssig werden? Nein, dafür liebte ich ihn zu sehr. Aber war das die Tendenz unserer Zeit? Dass wir irgendwann nur noch ein Gerät für alles benötigen würden? Noch ein paar Jahre später und ich hatte mein erstes richtiges Smartphone in den Händen. Nun wurde die Lage für den kleinen, grünen Musikspieler tatsächlich kritisch. Ich hing den Trends stets ein wenig hinterher, aber allmählich ersetzte das Smartphone auch in meinem Leben fast jedes andere technische Gerät.

Mit der Zeit gehen?

Okay. Also ich bin schon offen für Neues. Denke ich. Zumindest bekomme ich so große Augen wie Dori bei Findet Nemo wenn jemand sagt „Ich hab da eine verrückte Idee…“ und erwidere „Ideen? Eine Idee? Ich liebe Ideen!“. Wenn ein neuer Hit im Radio läuft, der so klingt wie alles andere zuvor gibt es von mir nur ein entnervtes „Schon wieder nichts Neues!“ und ein Umschalten zum nächsten Sender. Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn Schüler in der 12. Klasse noch nicht wissen, was sie nach der Schule machen möchten und ungewöhnliche Wege einschlagen. Und so bin ich auch prinzipiell offen für technischen Fortschritt. Ich hänge hinterher und bin auch gern erst einmal kritisch, aber ich sehe ein, dass Veränderungen wichtig sind und es keinen Sinn ergibt, sie krampfhaft aufzuhalten.

Nostalgie, hallo!

Aber vor einiger Zeit habe ich meinen iPod im Schubfach wiederentdeckt. Mir war bewusst, dass ich ihn noch besaß – schließlich hat er so einige Entrümpelungen im Eifer minimalistischen Aussortierens überlebt. Das liegt wohl einerseits daran, dass es wirklich schwer ist, technische Geräte wegzuwerfen. (Keine Sorge, den Walkman gibt es nicht mehr.) Andrerseits mag ich ihn einfach und er funktioniert, neben der etwas nachgelassenen Akkuleistung, wie zuvor. Beim ersten Wiederentdecken habe ich ihn nur kurz aufgeladen und zum eigenen Amusement in die alten Lieder hineingehört. Als ich ihn erneut im Schubfach liegen sah, dachte ich: Warum nicht richtig neu beleben? Irgendetwas daran, die Musik unterwegs wieder auf einem eigenen Gerät statt auf dem Smartphone abzuspielen reizte mich. Wollte ich mich einfach nur in alte Zeiten zurückversetzen und nostalgisch das Rädchen meines iPods hin- und herdrehen oder steckte mehr dahinter?

Zurück zu den Basics

Doch der Mp3-Player ist nicht das einzige Gerät, zudem ich mich zurücksehne. Schon seit Monaten rede ich davon, endlich ein Festnetztelefon anzuschaffen. Denn aufgrund meiner Einstellung, dass das Smartphone ja alles kann, mittlerweile auch kostengünstig, hat das Festnetztelefon in den letzten Jahren keine Rolle mehr in meinem Leben gespielt. Ich kann doch jeden mit dem Smartphone anrufen und jeder kann mich darüber erreichen. Warum ein unnötiges Zusatzgerät? Mittlerweile habe ich eine Antwort darauf: Damit ich das Smartphone auch einmal ausschalten kann.

Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem mich der ständige Blick aufs Handy an mir selbst nervt. Nach und nach ergreife ich die ein oder andere Selbstschutzmaßnahme, wie zum Beispiel das Ausschalten vor dem zu Bett gehen. Doch ich möchte noch einen Schritt weitergehen. Wie cool wäre es, regelmäßig einen ganzen Tag das Handy auszulassen? Vielleicht sogar länger? Dafür muss ein Festnetztelefon her, um bei wichtigen Anliegen weiterhin erreichbar zu bleiben.

Kontrolle zurückgewinnen

Allmählich erkannte ich den Grund für mein zunehmendes Bedürfnis nach „Gewaltenteilung“ in meiner Technik. E-Mails am Laptop schreiben, Musik über iPod hören, telefonieren am Handy… Ich wollte die Zuständigkeiten trennen, den Geräten in gewisser Weise ihren Platz zuweisen. Dieses Bedürfnis entsprang einem Gefühl von Überforderung, von „zu viel“.  Manchmal gehe ich einkaufen und möchte nebenher Musik hören. Aber ich möchte nicht auch noch gleichzeitig Nachrichten empfangen oder telefonieren. Was sagt das über mich aus, wenn ich für eine Stunde mit meinem Mp3-Player das Haus verlasse und mich frage, ob es okay ist, das Handy zu Hause liegen zu lassen? Ja, natürlich ist das okay! Und genau das ist mit dieser Zuständigkeits-Trennung möglich. Ich habe selbst Einfluss darauf, wie viel Input ich zulasse. Ich kann ihn kontrollieren, alle Kanäle schließen, einen öffnen oder jeden – so wie ich es brauche.

Reizüberflutung vorbeugen

Wer meinen Beitrag zum Thema Rabatte und Kundenkarten oder Minimalismus gelesen hat, weiß, dass ich mich hin und wieder reizüberflutet fühle. Reizüberflutung vorzubeugen ist eines meiner Lieblingsthemen. Und es gibt einen Grund für all die Achtsamkeits- und Meditationstrends heutzutage: Sie sind die Reaktion auf eine Fülle an Input in unserer Zeit und Gesellschaft. Gerade introvertierte, sensible Menschen haben es schwer, wenn ständige Erreichbarkeit von ihnen erwartet wird. Und ich bin zwar eine Bloggerin mit Accounts auf facebook und Instagram, aber die Welt von Social Media ist nach wie vor nicht wahrhaft meine Welt. So häufig setzt sie mich unter Druck, wenn ich sehe wie regelmäßig andere Blogger etwas posten und sich perfekt in Szene setzen. Ich wünsche mir so wenige Apps wie möglich auf meinem Smartphone, gleichermaßen so wenig wie möglich Kundenkarten in meinem Portemonnaie. Ich möchte von all dem nur so viel wie nötig. Denn es sind nicht Dinge, die wirklich zählen.

Und nun?

Hänge ich also doch den alten Zeit nach und halte meinen iPod so lange am Leben wie es nur geht? Nein, denn genauso bin ich davon überzeugt, dass alles seine Zeit hat. Ich bin gespannt, was die technische Zukunft noch bringen wird. Gespannt, ob ich irgendwann auch mit einer gesichtslosen Alexa oder sonst wem reden werden. Aber bei all dem muss ich darauf hören, was ich brauche und aufpassen, nicht vorschnell mit der Masse zu schwimmen.

Nicht jeder ist von der Fülle an Apps überfordert so wie ich. Nicht jeder ist erst einmal skeptisch, wenn das Telefon klingelt. Nicht jedem nützt eine Aufteilung technischer Geräte. Doch ich persönlich muss mich in gewisser Weise selbst schützen. Denn es macht zwar erst einmal Spaß, zig YouTube Videos vor dem Einschlafen zu schauen, aber einschlafen kann ich dann trotzdem nicht. Und es erscheint effizient, beim Straßenbahnfahren gleichzeitig Musik zu hören und Nachrichten zu beantworten, aber bei der Arbeit angekommen bin ich weniger entspannt, als wenn ich einfach aus dem Fenster geschaut hätte. Weniger auf einmal zu machen und mich daran zu erinnern wie es „früher“ in meiner Kindheit war, tut mir gut. Ich lebe nicht in dieser Vergangenheit, aber ich erkenne, dass es auch mit weniger funktioniert. Nicht nur meine Geräte, sondern auch ich selbst sparen dabei Energie.

Es kann schon sein, dass mein iPod bald wieder nur im Schubfach liegt und ich es doch praktischer finde, alles auf einem Gerät zu vereinen. Aber immerhin hat er mir eine kleine Lektion gelehrt. Die Lektion, dass ich weiterhin hinterfragen darf, was normal wird. Und dass es manchmal gut tut, Gewohnheiten auf den Kopf zu stellen.

Welche Gewohnheit würdest du gern einmal auf den Kopf stellen?

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Mein Problem mit Kundenkarten und anderen Rabattmöglichkeiten

Widerwillig fahre ich zur Tankstelle. Die Preise sind derzeit einfach unterirdisch, aber wer den Luxus des Autofahrens genießen möchte, muss eben die Zähne zusammen beißen. Also tanke ich wieder nur zehn Liter, nach wie vor in der Hoffnung, dass sich die Preise bald ändern. An der Kasse werde ich gefragt, ob ich die Kundenkarte der Tankstellen-Kette hätte. „Ne“, antworte ich wie immer knapp und hoffe, dass ich nun schnell bezahlen und weiterfahren kann. Meist klappt das ganz gut. Aber heute ist mal wieder einer der Tage, an denen ich gefragt werde, ob ich denn gern eine hätte. „Dann bekommen Sie Rabatte… Diese und jene Vorteile…“ „Nein danke, ich bin auch gar nicht so oft hier“, antworte ich und das ist nicht einmal gelogen. Ich bezahle meine Benzinkosten. Bevor sie mir den Kassenzettel überreicht, wirft sie einen Blick darauf und meint: „Schauen Sie, hier hätten Sie jetzt zum Beispiel diesen Rabatt bekommen…“ Ich lächle nur freundlich und gehe. Ist es nicht paradox? Einerseits jammer ich über die teuren Benzinpreise, andrerseits kann ich nicht einmal dankbar eine kostenlose Kundenkarte annehmen, die mir Punkte und Rabatte bescheren würde. Ich weiß, dass es ihr Job ist, aber bei mir stoßen die Verkäufer auf taube Ohren.

Als Jugendliche hatte ich noch die ein oder andere Kundenkarte – und gleichzeitig ein riesen Chaos im Portemonnaie. Entweder dachte ich gar nicht an die Karte oder ich fand sie nicht. Ich weiß nicht, ob ich jemals einen guten Deal abstaubte. Es schien mir zu reichen, die Möglichkeit auf Rabatte zu haben. Theoretisch wäre es sicher möglich gewesen, mehr daraus zu machen. Theoretisch würde mir wohl auch eine Kundenkarte bei der Tankstelle meines Vertrauens etwas nützen…

Ja, theoretisch. Wenn ich darin Zeit und Gedanken investieren würde. Doch vor einiger Zeit bemerkte ich, dass es genau die Zeit und Menge an Gedanken ist, die ich nicht übrig habe. Damals versuchte ich, die Kundenkarte einer großen Drogerie-Kette mal wieder bewusst zu nutzen. Ich sammelte Punkte und wollte sie schließlich einlösen. Dafür war es nötig, die Postleitzahl einzugeben. Puh! Ich war in den letzten Jahren mehrfach umgezogen und wusste nicht mehr, welche Postleitzahl dem aktuellen Stand dieser Karte entsprach. Ich probierte alle Möglichkeiten aus, nichts funktionierte. Ich fragte an der Kasse nach, doch es fand sich keine Lösung. Online könnte ich irgendetwas versuchen, erklärte man mir, doch ich hatte bereits keine Lust mehr, mich damit zu beschäftigen. Da hatte ich schon fleißig Punkte gesammelt und nun war die Einlösung so kompliziert! Halbherzig nahm ich mir vor, das Problem zu lösen, aber das geschah nie. Wenige Jahre später heiratete ich und mein Mann schaffte sich besagte Kundenkarte an. Dazu gab es eine Partnerkarte, sodass wir gemeinsam Punkte sammeln konnten. Okay – ein letzter Versuch! Er hatte ja recht, wir nutzten häufig die entsprechenden Läden. Wir könnten wirklich eine Menge Punkte sammeln, dachte ich. Doch auch diese Karte verschwand irgendwo, ich dachte nur jedes dritte Mal daran, und ach, so groß war der Vorteil auch wieder nicht…

Es waren genau diese vielen kleinen, sich ansammelnden Umständlichkeiten die mich irgendwann einen Cut machen ließen: Schluss mit Kundenkarten! Und nicht nur das. Auf einmal war ich immun gegen vieles, das „Rabatt!“ schrie und mit „10%-auf-den-nächsten-Einkauf“ versehen war. Immun gegen Werbezettel im Briefkasten und Gutscheinheftchen, die sie dir an der Kasse mitgeben. Dieser Cut geschah nicht bewusst. Doch das alles war mir zu viel und ich vermied es von nun an automatisch. Heute verstehe ich ein bisschen besser, warum ich auch kürzlich bei der Tankstelle wieder eine Kundenkarte ausgeschlagen habe:

Reizüberflutung!

Wir realisieren es nicht, aber wir treffen den Tag über tausend kleine Entscheidungen. Im Zeitalter von Social Media kommen zu Reizen der Kategorie Klamotten- und Frühstücksauswahl, dem Stress auf Arbeit und Streit in der Familie auch noch der fortwährende Input über Smartphone, Laptop und Co. hinzu. Wir nehmen auf, wir wählen aus. Ständig. Das ist okay, wenn wir uns entsprechende Auszeiten schaffen und für guten Ausgleich sorgen. Doch wenn ich dann auch noch Unmengen an Coupons in den Tiefen meiner Handtasche finde und deren Gültigkeit überprüfen muss, sich in meinem Portemonnaie die Kundenkarten stapeln und ich bloß nicht den Tag verpassen darf, an dem das Putenfleisch im Angebot ist… dann bringt das mein Reiz-Fass zum überlaufen. Für den ein oder anderen mag es übertrieben klingen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es gerade die kleinen Dinge sind, die in der Summe Einfluss auf mich haben. Deswegen bin ich guten Gewissens Möchtegern-Minimalist. Und ich befördere ohne zu Zögern den Flyer mit Angeboten vom Lieferservice direkt in den Müll, statt ihn, wie vor ein paar Jahren noch, mittels Magnet am Kühlschrank zu befestigen, wo er gemeinsam mit seinen Artgenossen langsam aber sicher zur zweiten Haut des Kühlschranks wird.

Die Angst, etwas zu verpassen

Hin und wieder beschleicht mich das Gefühl, dass Kundenkarten und Rabattangebote uns Angst machen wollen, etwas zu verpassen, wenn wir sie nicht in Anspruch nehmen. Ja, das ist wohl nicht nur mein Gefühl, sondern ganz bewusste Werbestrategie. Werbung will uns das Gefühl von Dummheit vermitteln, wenn wir uns ein unschlagbares Angebot durch die Lappen gehen lassen. ‚Das kriegst du niemals günstiger! Wenn du jetzt nicht zuschlägst, wann dann!‘ Aber möchte ich mich wirklich von Angst motivieren lassen? Von der Angst, etwas zu verpassen? Meist sind Entscheidungen, die ich aus Angst treffe nicht die klügsten und die Chancen stehen gut, dass ich sie später bereue.

Stattdessen versuche ich als völlig eigenmächtiger Mensch einkaufen zu gehen. Ich kaufe das, was ich brauche und/oder mir wirklich Freude bereitet und sonst nichts. Die Entscheidung ist also nicht von Angst abhängig, sondern von meiner Überzeugtheit von einem Produkt. Ich bin bereit, den tatsächlichen Wert eines Produktes zu bezahlen. Wenn das, was ich brauche im Angebot ist: super. Doch wenn stattdessen etwas reduziert ist, was ich normalerweise nicht kaufen würde, entscheide ich mich nicht um. Vielleicht würde ich ein paar Euro sparen – aber wiegen die das Gefühl auf – zu Hause erst einmal angekommen – mit dem Gekauften eigentlich nichts anfangen zu können? Durch diese Vorgehensweise vermeide ich schlicht unnötige Spontaneinkäufe. (und spare vielleicht sogar doch?)

Vor kurzem gab es einen Ausverkauf in der Drogerie. Ich schlenderte durch die Reihen und hatte bereits meine zwei Produkte in der Hand, die ich kaufen wollte. Dann traf ich auf dieses halbleere Schmink-Regal einer Marke, die aufgelöst werden sollte. Alles zum halben Preis! Das ist ja der Hammer, dachte ich und trat näher. Dann kam ich ins Grübeln: Was brauche ich eigentlich? Schminke auf Vorrat zu kaufen kann ja nicht schaden… Doch umso länger ich darüber nachdachte und die mir unbekannten Produkte ansah, umso mehr bemerkte ich: Eigentlich brauche ich nichts. Klar, meine aktuelle Mascara wird früher oder später leer werden, aber dann kaufe ich lieber wieder die, die ich kenne und mag. Und ich mag es sowieso nicht, wenn sich die Schminkprodukte im Badregal stapeln. Also ging ich und fühlte mich mit dieser Entscheidung viel besser.

Alles in allem: Stress

Ich empfinde es als Stress, bei jedem Einkauf nach einer Karte gefragt zu werden und ehrlich gesagt tun mir auch die Verkäufer Leid, die jeden nach dieser Karte fragen müssen. Und dann habe ich gleich noch einmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich nein sage. Natürlich interessiert die Verkäufer das nicht, aber sie haben sicherlich eine Auflage, gelegentlich ein „Nein“ mit „Möchten Sie gern eine haben?“ zu beantworten. Außerdem stresst es mich, daran zu denken, die Punkte einzulösen. Mich stresst der Umgang mit dem Automaten und die Broschüren, die ich mitnehmen muss, damit ich zehnfach Punkte auf meinen Einkauf bekomme. Die ich ja dann eh vergesse.

Natürlich verstehe ich es, wenn jemand, der knapp bei Kasse ist, sich über das Sammeln von Punkten ein paar Rabatte einstreichen möchte. Sicherlich gibt es Leute, die das gewissenhaft tun, sich mit der technischen Vorgehensweise auskennen, ihre Karte stets dabei haben und somit tatsächlich sparen. Doch solange es geht, lebe ich gern mit ein paar Euros weniger und dafür mit einem klareren Kopf. Natürlich freue ich mich, wenn Zucchinis im Angebot sind – weil ich gern mit Zucchinis koche. Aber ich werde weiterhin nicht die reduzierten Pfifferlinge kaufen, denn mit denen kann ich nichts anfangen.

P.S.: Gerade wollte ich diesen Blog-Artikel veröffentlichen, als mir plötzlich einfällt, dass ich doch eine Kundenkarte besitze – nämlich die eines schwedischen Möbelgeschäfts. Der Grund: kostenloser Kaffee. Ich glaube, dass kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren…

Constanze

(photo by itkannan4u)

Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Reizüberflutung vorbeugen

Heute früh bin ich um 6 Uhr aufgestanden – yey! Wer meinen Blog regelmäßig verfolgt weiß, dass ich mir das Frühaufstehen schon öfter konkret vorgenommen habe. Heute habe ich es mal wieder mit voller Absicht versucht, nicht nur so halbherzig. Und statt auf halb 7 habe ich den Wecker ganz optimistisch auf um 6 Uhr gestellt, denn mal ehrlich: Wenn es draußen schon hell und lebendig ist, wie kann ich da noch faul in den Federn liegen? Ja ja, ich weiß. Können ist hier der falsche Begriff. Aber ich gehöre prinzipiell zu der Sorte Mensch, die sowieso früher oder später vom Licht aufwachen würde. (Und nein, ich schaffe mir keine Verdunkelungsvorhänge an. Da bekomme ich Platzangst. Aber das ist ein andere Geschichte…)

Und ich bin nicht nur freiweillig um 6 Uhr aufgestanden. Ich habe auch freiwillig erst über zwei Stunden später mein Handy eingeschaltet. Ach, war das herrlich! Ich habe gelesen, gefrühstückt und Sport gemacht und war dabei voll hier. Nur hier. In meiner Wohnung. Mit Körper und Geist.

Wenn du das sowieso immer bist, dann hast du meinen vollsten Respekt. Doch mir ist in den letzten Wochen mal wieder verstärkt aufgefallen, wie sehr mich mein ständiger Begleiter, das Smartphone, auf die Palme bringt – natürlich nicht bewusst. Bewusst nehme ich die Praktikabilität der schnellen Erreichbarkeit wahr, nehme Sprachnachrichten für Freunde auf und freue mich, dass ich sofort ein Youtube-Video einschalten kann, sobald ich „langweiligen“ Tätigkeiten wie Küche aufräumen, allein essen oder Zähne putzen nachgehe (Darüber habe ich schon einmal hier geschrieben). Ja, mir ist bewusst, dass es eigentlich nur auf das richtige Maß ankommt. Die Frage ist nicht ‚alles oder nichts‘. Und doch merke ich das immer erst zu spät… nämlich erst dann, wenn ich mich in einer stressigen Zeit befinde und mein Kopf überall verstreut ist. Wenn ich Entscheidungen treffen muss und gefühlt eine wichtige Information nach der anderen auf mich einströmt. Und dann auch noch der ganze Input aus dem Handy? Bilder, Nachrichten, Videos und Co.? Ich nehme es meinem Kopf nicht übel, dass er das nicht alles verarbeiten kann und meine Produktivität sich nach und nach verabschiedet.

Vielleicht ist das komisch. Aber für mich war es wirklich ein wahnsinnig tolles Gefühl, diese ersten Stunden des Tages nur für mich zu haben. Das was ich tat, tat ich mit voller Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich ist das der Lebensstil, den andere als „achtsam“ bezeichnen würden. Ich stellte außerdem erneut fest, wie sehr Lesen meine Konzentration schult, auf positive, unangestrengte Weise (zumindest wenn mir die Lektüre zusagt). Und eigentlich war ich überzeugt davon, dass ich nie im Leben vor um 8 Uhr Sport machen könnte. Aber heute ging das, einfach weil ich schon vorher die Zeit hatte in Ruhe zu frühstücken und Energie zu tanken.

Gegen 8:15 schaltete ich mein Handy ein. Und ja, da waren tatsächlich eine Menge Nachrichten, die mich noch am Abend zuvor (nachdem ich mein Handy bewusst frühzeitig ausgeschaltet hatte) erreicht hatten. Die Annahme, dass diese mich nun komplett überwältigen würden, traf jedoch nicht zu. Denn auch das Einschalten des Handys und das Checken der Nachrichten geschah bewusst und es fiel mir erstaunlich leicht, schnell zu entscheiden, auf welche Nachrichten ich kurz antworten, mit welchen ich mir noch Zeit lassen konnte und welche keine Antwort benötigten. Mit solchen Entscheidungen ist mein Kopf manchmal den ganzen Tag über beschäftigt, weil ich mich ihnen dauerhaft aussetze. Ich lasse die Reize sozusagen ungehindert auf mich einströmen. Doch es gibt tatsächlich so etwas wie Entscheidungsmüdigkeit! Einen Punkt, an dem es sogar zu viel wird, zu entscheiden was man anziehen soll. Es sind die kleinen, sich anhäufenden Dinge, die manchmal das Fass zum überlaufen bringen können. Doch dem kann ich vorbeugen.

Auch nachdem ich mein Smartphone eingeschaltet hatte, stellte ich erfreut fest, dass ich konzentrierter meinen weiteren Tätigkeiten nachging. Dass ich mich besser dazu durchringen konnte, förmliche E-Mails zu schreiben und festzulegen, welche To do’s Vorrang haben. Dass ich beschwingter zum Supermarkt lief. Dass ich mehr Kraft für die Fahrradfahrt in die Stadt hatte. Ich fühlte mich einfach bereit für den Tag.

Für mich persönlich geht das alles Hand in Hand: eine gute Morgenroutine, Umgang mit dem Handy, genügend Schlaf… Da ich schnell reizüberflutet sein kann, nutze ich das bewusste Kontrollieren dieser Dinge, um ein Stoppschild vor die Überforderung zu setzen. Wer Reize nicht so ungefiltert aufnimmt, benötigt das vielleicht nicht. Doch wenn auch bei dir manchmal alles „einfach nur zu viel im Kopf ist“ und du nicht einmal mehr weißt, woran genau es überhaupt liegt, ermutige ich dich, kleine Alltagsgewohnheiten zu hinterfragen und neu auszurichten. Wie viel Input bist du tagtäglich ausgesetzt? Welcher Input ist nötig und welcher kann getrost verringert werden? Was kann dir helfen, bewusster im Hier und Jetzt zu leben? Mal funktionieren meine daraus resultierenden Vorhaben, so wie heute, mal auch nicht. Aber ich freue mich schon auf den nächsten ausgedehnten Morgen und werde selbst immer wieder Antworten auf diese Fragen suchen.

Was hilft dir, Reizüberflutung vorzubeugen? Kann auch dich manchmal allein schon dein Handy überfordern? Ich freue mich, von deinen Erfahrungen zu hören. Schreib mir dazu gern an: untangledforyou@gmail.com oder einen Kommentar bei Instagram oder facebook. (Warum es hier vorerst leider keine Kommentarfunktion mehr gibt, kannst du hier nachlesen.)

Constanze

(Photo by Chris Adamus on Unsplash)