Veröffentlicht in Aus dem Alltag

Vom Pech verfolgt? Eine Frage der Perspektive…

Bevor ich mich heute früh gemütlich mit Kaffee in meinen Sessel setzen und Tagebuch schreiben konnte, geschah mir ein Malheur. Ich wollte ein wenig kuscheliges, indirektes Licht und klipste statt der Deckenlampe meine Schreibtischlampe an. Auf meinem Schreibtisch stand das Geburtstagsgeschenk für meinen Papa bereit: unter anderem eine gute Flasche Rotwein. Es kam wie es kommen musste. Mein Arm stieß gegen die Flasche und ich konnte ihr, zeitlupenartig natürlich, beim Fall gen Boden zuschauen. Sie zerbarst – komplett. Mein Schreibtisch war umgeben von einem wohlriechenden, roten See und ich war zum ersten Mal dankbar über meine billigen Möbel aus Studentenzeiten, die ich eigentlich gern ersetzen wollte. Auch der billige Boden machte mich auf einmal glücklich. Ein teures Parkett hätte sich sicherlich nicht so gut mit der Flüssigkeit vertragen. Und am dankbarsten war ich für meinen Mann. Der hätte nämlich verdientermaßen noch ein paar Stunden im Bett liegen bleiben können. Doch als ich ihn weckte und um Hilfe bat, stand er sofort auf, machte mir keine Vorwürfe und packte an.

Für gewöhnlich fahre ich seit etwa einem halben Jahr mit dem Fahrrad zur Arbeit. Mit Fahrrädern an sich kenne mich jedoch nicht besonders gut aus. Zum Beispiel habe ich nicht wirklich ein Gefühl dafür, wie fest die Reifen sein müssen und wann es mal wieder Zeit ist, sie aufzupumpen. Doch einer inneren Eingebung folgend, testete ich, bevor ich heute von der Arbeit nach Hause fahren wollte, den hinteren Reifen. Er war platt. Völlig platt. Ja, das konnte auch ich fühlen! Flickzeug hatte ich natürlich nicht dabei und selbst wenn ich es gehabt hätte, hätte es mich nicht weitergebracht. Mir blieb nichts weiter übrig als mit dem Fahrrad in die Straßenbahn zu steigen, ein Ticket je für mich und das Fahrrad zu kaufen und so nach Hause zu fahren. Mal wieder war ich dankbar für meinen Mann, der zu Hause Flickzeug hat und dies auch benutzen kann.

Heute war so ein Tag, den manche wohl als „vom Pech verfolgt“ beschreiben würden. Ich kenne solche Tage aus der Vergangenheit: Handy verloren. Ausgesperrt. Laptop kaputt. Eine unerwartete Nachzahlung. Irgendetwas geht zu Bruch, vorzugsweise aus Glas (das geschieht bei mir wirklich häufig und es ärgert mich wirklich sehr). Manche Menschen glauben tatsächlich, dass sie vom Pech verfolgt sind – dass es wie ein Fluch ist, der auf ihnen liegt und ihnen den Tag, die Woche, das Jahr, das Leben verderben will.

Auch mich können solche Tage zur Verzweiflung bringen. Ja, mir kamen sogar die Tränen, als ich heute früh die Weinflasche in Scherben am Boden liegen sah. Aber ehrlich gesagt musste ich beim nächsten Malheur des Tages innerlich bereits schmunzeln. ‚Was für ein Tag‘, dachte ich, ‚Wie im Film!‘ Es amüsierte mich ein klein wenig. Als ich vor ein paar Jahren mal einen schlechten Tag an der Uni hatte und dann zu allem Überfluss auch noch meinen Schlüssel verlor, regte ich mich richtig auf. Doch irgendwo in meinem Kopf war auch eine kleine Drama Queen, die es insgeheim ganz aufregend fand, hektisch und aufgeregt nach einem Schlüssel zu suchen. ‚Endlich mal Spannung im Leben!‘ Ja, ein bisschen schräg ist das schon.

Doch heute wurde mir bewusst, warum mich diese „Pech-Tage“ nicht wirklich emotional belasten: Ich weiß, wie es ist, ganz andere Probleme zu haben. Probleme, die tief gehen, die mein Inneres betreffen oder enge Freunde, die mit Trauer und Wut zusammenhängen, mit fehlendem Selbstbewusstsein oder Zweifeln. Das sind die Probleme, die mich nachts nicht einschlafen lassen, die mich langfristiger quälen. Und irgendwie bin ich bei solchen pecherfüllten Momenten eher dankbar darüber, dass es eben doch nur die Weinflasche ist. Doch nur der Fahrradschlauch. Materielle Dinge. Ja, die können ordentlich nerven. Doch wenn ich es aus einer anderen Perspektive betrachte, sind sie eher wie kleine Challenges in einem Computerspiel, die nacheinander abgearbeitet werden müssen. Wie mehrere kleine Endgegner, die früher oder später eben doch zu Fall gebracht werden. Die muss ich nicht emotional an mich heran lassen, sondern einfach nur erledigen. Und die restliche Energie spare ich mir lieber für wirklich wichtige Dinge.

Das Positive ist: wir sind uns nun ziemlich sicher, dass es ein guter Rotwein war, denn mein Zimmer roch außerordentlich gut. Ich werde also den gleichen noch einmal kaufen. Wenn er dann doch nicht schmeckt, bin ich aber wirklich sauer. Was für eine Geldverschwendung! Oder ich schmunzel einfach und schüttel innerlich den Kopf über die Probleme, die wir Menschen uns so machen…

Constanze

(photo by chuttersnap)

Veröffentlicht in Glauben

Warum ich Ostern lieber mag als Weihnachten

Ich mag Ostern lieber als Weihnachten.

So, jetzt ist es raus. Ich hab’s gesagt. Beziehungsweise geschrieben. Und ich steh dazu! Denk ich. Geschrieben ist ja manchmal leichter als gesagt. Denn ich höre da schon die eine oder andere Stimme in meinem Kopf: „Wieeee? Ostern dem Weihnachtsfest vorziehen? Das tolle Weihnachtsfest mit allem drum und dran? Die Stimmung, die Kekse, das Krippenspiel, die Kerzen, der Weihnachtsbaum! Zu Ostern passiert doch gar nicht so viel.“

Doch das ist wohl genau einer der Gründe dafür, warum ich Ostern lieber mag. Es passiert (scheinbar) weniger! Denn als ich mich gestern mit meiner Schwester und einer Freundin zum Ostereierfärben getroffen habe, bemerkte ich, dass das so ziemlich das einzig „Österliche“ ist, was ich in dieser Saison zur Vorbereitung auf Ostern getan habe. Ich habe nicht einmal dekoriert. Nun, das hat verschiedene Gründe. Dekorieren ist allgemein nicht so mein Ding. Ich vergesse das immer wieder. Zu Weihnachten zwinge ich mich ein wenig dazu (und da gehört es eben einfach zum „Flair“) und an den letzten Osterfesten habe ich es auch probiert – aber ehrlich gesagt… das Ergebnis konnte sich nicht wirklich sehen lassen.

Ja, die Weihnachtsstimmung ist der Hammer. Ich liebe sie auch! Aber was genau liebe ich daran? Eben genau das: die Stimmung. Wir ziehen das Weihnachtsfest gefühlt ewig in die Länge. Manchmal frage ich mich, wieso eigentlich? Und muss ich mich schlecht fühlen, wenn mir am zweiten Weihnachtsfeiertag keine neuen erkenntnisreichen, christlichen Gedanken über Jesu Geburt einfallen und ich mich stattdessen am Rester-Essen erfreue und die freie Zeit genieße? Ich denke nicht. Und doch ist die Botschaft von Weihnachten ja so wunderbar! Sie wird nur überlagert von allem Möglichen drum herum, für das wir deutlich mehr Zeit brauchen und investieren als für das Gedenken an die Geburt von Jesus. Ich genieße dieses „Drum herum“, ja wirklich. Ich liebe den Plätzchenduft und wenn es keine Plätzchen gibt, ist es auch bei mir keine richtige Weihnachtszeit. All diese Traditionen haben definitiv ihre Daseins-Berechtigung. Aber der Sinn von Weihnachten ist etwas anderes – völlig losgelöst von dieser Stimmung.

Deswegen mag ich Ostern so sehr. Es gibt zwar auch hier mehrere Feiertage, einige Traditionen und Schokoosterhasen, aber üblicherweise konzentrieren sich die Feierlichkeiten auf den Ostersonntag. Es gibt keine all zu große „Stimmungsmache“ davor und kein wehleidiges „Jetzt ist Ostern schon wieder vorbei!“ danach. Ich habe das Gefühl, dass die Osterbotschaft dadurch jedes Jahr besonders rein aufs Neue vor mir steht und sie mir niemand im Vorhinein durch irgendwelche Kommerzialisierung verderben kann (im Supermarkt einfach in entsprechenden Abteilungen die Augen zukneifen). Jedes Jahr denke ich: „Mensch, Ostern ist echt cool – wir feiern die Auferstehung von Jesus! Wir feiern den Sieg des Lebens über Schuld und Tod! Das fetzt.“

Denn das kommt noch dazu. Nicht nur, dass Ostern weniger dem Kommerz ausgesetzt und mir somit sympathischer ist – es ist auch noch die Botschaft schlechthin. Es ist der Grund meines Glaubens. Natürlich musste Jesus dafür erst einmal geboren werden und es ist toll, dass wir dessen an Weihnachten gedenken. Aber das Auferstehungsfest, Ostern, ist für mich die pure Freude und die wichtigste christliche Botschaft. Ich bin also einfach eingeschnappt, weil Weihnachten dennoch mehr Aufmerksamkeit erhält? Ganz im Gegenteil. Ja, die Weihnachtsstimmung und die Geschenke erhalten mehr Aufmerksamkeit. Aber ansonsten? Der Sinn von Weihnachten? Wer dagegen Ostern feiert, deutet auf etwas Besonderes hin. An Weihnachten gehen viele in die Kirche. Aber zu Ostern? Da muss man schon einen guten Grund haben.

Den haben wir. Und wenn das nicht schon genug wäre, läutet Ostern auch noch den Frühling ein. Es ist das absolute Zeichen des Neuanfangs und des Aufatmens. Ich bin nicht sehr charismatisch veranlagt, aber im Inneren geht bei mir am Ostersonntag schon eine kleine Party ab. Ich fühle mich lebendig, innerlich und äußerlich. Und hey: die Party kann auch dann steigen, wenn der Frühling noch nicht so ganz da ist. Wir lassen uns doch vom Wetter nicht die Osterfreude verderben! (Genauso wie wir nicht vom weißen, flauschigen Schnee für die Weihnachtsfreude abhängig sind…)

Warum ich dann also trotzdem Ostereier färbe? Ich mag Eier, ich mag es bunt und ich mag Gemeinschaft. Die perfekte Kombination, oder? Ich wünsche dir ein tolles Osterfest, ganz egal wie du es feierst. Ich wünsche dir, dass du neu anfangen kannst und die ultimative Osterbotschaft neu entdeckst.

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken

Entscheide dich – oder lieber nicht?

Ich glaube, das Leben besteht zu einem großen Teil aus Entscheidungen.

Nein, ich meine nicht die Entscheidungen, denen wir uns täglich vorm Kleiderschrank oder hin und wieder an der Eisdiele aussetzen. Ich meine die, die unser Leben prägen und uns in bestimmte Richtungen lenken. Und ich glaube, dass wir viel zu oft vor diesen Entscheidungen zurückschrecken und dadurch Chancen verpassen.

Ja, das sagt sich leicht – oft weiß ich nicht einmal selbst, wo hinten und vorn ist. Im heutigen Zeitalter der Flexiblität und Ungebundenheit scheint es auch kein Trend mehr zu sein, sich bewusst für etwas zu entscheiden. Denn damit legt man sich schließlich auf etwas fest – und das könnte unweigerlich nachhaltige Auswirkungen auf unser Leben haben. Das erscheint beängstigend und widerspricht oft unserem Zeitgeist der Spontanität. Wie ich darauf komme? Für heutige Verhältnisse war ich noch sehr jung, als mein Mann und ich vor anderthalb Jahren geheiratet haben. Auch kannten wir uns „erst“ zwei Jahre lang und selbst heute werde ich dafür manchmal noch mit großen Augen angeschaut. Das macht mir im Prinzip nichts aus. Im Gegenteil, ich freue mich, wenn Leute ihr Erstaunen ausdrücken und im besten Fall auch verbalisieren, anstatt mit einem dezenten „oh – okay“ und einem vielsagenden Blick das Thema abtun.

Solch ein ehrliches Gespräch führte ich vor kurzem mal wieder und es brachte mich zum Nachdenken darüber, wie sehr Entscheidungen mein Leben beeinflussen – vor allem eben die, die wir bewusst treffen müssen und die dadurch etwas beängstigend sein können. Denn unser Leben ist auch voll von unbewussten Entscheidungen, die häufig darauf zurückzuführen sind, wie wir geprägt wurden. Ich glaube beispielsweise prinzipiell, dass mir ein Mensch nichts Böses antun möchte, wenn ich ihn kennenlerne. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir selten jemand etwas wirklich Schlimmes angetan hat. Ich entscheide also unbewusst, an das Gute im Menschen zu glauben. Aber auf diese Entscheidung hatte ich nicht wirklich einen Einfluss.

Es sind die bewussten, oft nachhaltig prägenden Entscheidungen, auf die wir Einfluss haben und mit denen wir unser Leben konkret gestalten können. Sie bieten somit wunderbare Möglichkeiten! Welche könnten das bei dir sein?

Für mich war das zum Beispiel der Entschluss, mein Leben mit Gott zu leben oder eben der, zu heiraten. Entschlüsse, die große Auswirkungen haben und mit denen man oft auch aneckt. Denn viele Menschen glauben zum Beispiel, dass eine Ehe im jungen Alter gefährlich ist, da man sich noch viel verändern und den Schritt später bereuen könnte. Eine so wichtige Entscheidung schon so früh und so schnell zu treffen, scheint unreif. Doch ich möchte behaupten, dass es in vielen Fällen genau das Gegenteil ist. Dadurch, dass es eine gut überlegte Entscheidung war, zu heiraten, hat diese auch eine Macht, welche oft unterschätzt wird. Ich habe mich aus freien Stücken und aus eigenen Überlegungen heraus auf etwas festgelegt. Dies hat positive Auswirkungen: Es schenkt mir Sicherheit und Klarheit und die Möglichkeit, mich auf diesem eingeschlagenen Weg frei zu entfalten. Denn eine getroffene Entscheidung gibt mir Selbstbewusstsein und macht mich weniger anfällig dafür, lediglich Trends und aktuellen Lifestyles zu folgen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht für frühe Ehen „werben“. Es ist viel mehr nur ein Beispiel aus meinem eigenen Leben, wie positiv sich Entscheidungen auswirken können. Oft haben wir Angst, dass eine große Entscheidung uns quasi kontrollieren und zu etwas drängen könnte, was wir nicht wollen. Vielmehr ist es jedoch so, dass, wenn wir Entscheidungen aus eigenen Überzeugen fällen, wir auch diejenigen sind, die den eingeschlagenen Weg bewusst beschreiten und gestalten.

Vor kurzem habe ich wieder einen solchen Entschluss getroffen, der bei einigen Menschen auf Unverständnis traf. Er war eben nicht so ganz konventionell und üblich. Ich hatte lange darüber nachgedacht, abgewogen, mit Leuten gesprochen, Alternativen in Betracht gezogen. Aber im Endeffekt wusste ich, dass es der richtige Weg für mich war, also setzte ich ihn in die Tat um. Dabei habe ich nicht unbedingt den leichtesten Weg gewählt, auch nicht den rational betrachtet Sinnvollsten. Aber es war die Entscheidung, die am besten zur mir passte. Hätte ich es nicht getan, hätte mich diese Unentschlossenheit und das ständige Für und Wider, der ständige Wechsel von positiven und negativen Gefühlen, noch lange geplagt. Doch die Entscheidung hat mich frei für neue Wege gemacht.

Ich glaube, dass wir keine Angst davor haben sollten, große Entscheidungen zu treffen. Nicht immer bedeutet das, dass wir sofort einen riesen Sprung wagen müssen, aber dass wir anfangen, viele kleine Schritte auf ein konkretes Ziel zuzugehen. Zeiten der Ungewissheit und Unklarheit gibt es immer, doch ich persönlich höre immer wieder diese innere Stimme, die mir sagt, wenn es so weit ist, einen Weg bewusst einzuschlagen.

Ich möchte auch dich dazu ermutigen, vor solchen Entscheidungen nicht zurückzuschrecken. Sie engen nicht ein – sie bringen uns voran! Oft bedarf das einer großen Portion Mut, aber meistens fühlt es sich danach ziemlich gut an.

Constanze

(photo by Clem Onojeghuo)