Veröffentlicht in Aus dem Alltag

Eine Ode an die frische Luft

Es gibt so einige merkwürdige Regeln für mein Leben (die ich mir selbst aufstelle, natürlich.) Eine von ihnen lautet: Ein Tag ohne frische Luft ist ein verlorener Tag. Das ich das hier so schreibe, ist bereits ein kleines Wunder, denn ich erinnere mich noch bestens an Tage in meiner Kindheit, in denen ich Spaziergänge langweilig fand. Doch umso älter ich wurde, umso mehr wurde mir bewusst, dass sie absolut meiner Natur entsprechen. Und meine selbsterstellte Regel ist eigentlich einfach, denn im Prinzip hält man sie im Alltag automatisch ein (außer man arbeitet ausschließlich von zu Hause aus – oder man geht durchs Haus in die Garage, steigt ins Auto, steigt in der Tiefgarage eines Bürokomplexes wieder aus, geht ins Büro und das Gleiche zurück).

Eine Runde um den Block

Nur an freien oder Home-Office-Tagen muss ich der Regel ein wenig Aufmerksamkeit widmen. Mein Mann macht sich gern einmal lustig über mich, wenn ich an einem Samstagnachmittag verzweifelt verkünde, dass wir heute noch gar nicht draußen waren. Dann erfinde ich etwas, das wir dringend noch einkaufen müssen. Oder einen Brief, der zur Post gebracht werden muss. Irgendetwas ist doch immer. Und so gut ich im Urlaub stundenlang lesend auf einer Couch verbringen kann, so müssen sich meine Beine doch mindestens einmal bewegen. Zu Hause reicht mir auch eine kleine „Runde um den Block“, wie wir Neubau-Bewohner das nennen. (Wahlweise auch zur Autobahnbrücke. Ich bin überzeugt, es ist ähnlich beruhigend auf eine Autobahn hinabzuschauen wie auf eine weite Wiese – na, fast jedenfalls.)

Danke, liebe Eltern, an dieser Stelle, denn im Prinzip wurde mir das Bedürfnis nach frischer Luft in die Wiege gelegt. Heute finde ich Wanderungen auch gar nicht mehr so schrecklich. Und während ich früher bei Familienfeiern nach dem überaus üppigen Mittaggessen zur Fraktion „Drin bleiben und faulenzen“ gehört habe, findet man mich heute immer häufiger in der Fraktion „Hier ist es eng und stickig, Leute, lasst uns mal rausgehen!“ wieder.

Kein falsches Wetter

Eine zweite, recht neue und dies ergänzende Regel lautet: Es gibt kein zu kaltes Wetter fürs Fahrrad fahren. Und ja, ich fühle mich dabei etwas mütterlich à la: Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Klamotten! Aber stimmt doch irgendwie, oder? Zumindest hier in unseren deutschen, meist moderaten Wetterverhältnissen. Und so habe ich es in den vergangen Wochen und Monaten als etwas unglaublich Befreiendes erlebt, mich Tag für Tag aufs Fahrrad zu schwingen und durch die Eiseskälte zu brausen. Eine gute Winterjacke ist natürlich Voraussetzung, passende Handschuhe, Thermo-Strumpfhose und so weiter. Besonders ich als Frostbeule übertreibe dabei lieber ein bisschen. Matschiger Schnee und Glätte hielt mich an ein paar Tagen dann doch auf, aber Kälte allein nicht. Ihr sagte ich den Kampf an.

Früher hätte ich das als sehr anstrengend empfunden, aber ich stelle fest, dass es nur eine Frage der Gewöhnung und Routine ist. (Genauso übrigens wie mit der „Fahrrad-aus-dem-Keller-holen“-Sache, siehe hier.) Ich darf mich außerdem glücklich schätzen, dass ich nur selten in Kälte und Dunkelheit früh das Haus verlassen muss. Dennoch gab es ein paar Tage, an denen meine Finger- und Fußspitzen fast erfroren sind und ich die Klamottensituation noch einmal überdenken musste. Dann bin ich mit nur einer Hand am Lenker gefahren, während die andere sich in der Jackentasche aufwärmte, aller paar Minuten wechselnd. Und ja, natürlich war ich nicht immer hochmotiviert, mich spät am Abend noch aufs Fahrrad zu schwingen, um nach Hause zu kommen. Aber – und es ist mir egal, wenn ihr hierbei wie ein Fitness- und Gesundheitsguru klinge – ich blieb in Schwung! Ich fühlte mich fit und wach und gesund.

Sport für Introvertierte

Seit April vergangenes Jahres habe ich das Fahrrad fahren schätzen und lieben gelernt. Es ist nicht der Sportaspekt, der mich dabei primär motiviert. Es ist zum einen der Fakt, dass ich mich dabei selbst transportiere, wann ich will und wie schnell ich will, und zum anderen meine neue Liebe, die frische Luft. Nicht nur der Körper bleibt durch diese Form des Transports in Schwung, auch die Psyche wird jedes Mal ordentlich durchgepustet und erfrischt.

Mein introvertiertes Gehirn hat während einer durchschnittlichen Fahrt von 20-25 Minuten genügend Zeit, Probleme zu durchdenken, in Traumwelten zu versinken oder das Abendessen zu planen. Und all die Beobachtungen! Natur und Mensch, sie bleiben Phänomene für mich. Die Sportler, die ich mehrmals in der Woche bei Wind und Wetter ihre Bälle ins Tor schießen sehe und deren Durchhaltevermögen ich bewundere. Zwei Schwäne, die einsam und still auf der Saale entlangschwimmen bevor sie majestätisch abheben und hinter den Bäumen verschwinden. Senioren, die auf ihren E-Bikes verblüffend schnell an mir vorbeidüsen. (Neid? Bloß nicht!) Rennradfahrer, die mich eher als Hindernis statt als menschliches Wesen betrachten. Schüler, die erleichtert das Schulgebäude verlassen. Laut klingelnde Straßenbahnfahrer – ja, doch, ich bleibe an der roten Ampel stehen! Und mein ultimativer Tipp für steile Berge: Einfach ein paar Meter vorher ganz tief in Gedanken versinken, zum Beispiel hochkonzentriert über ein anstehendes Projekt nachdenken oder dir dein ideales Leben in fünf Jahren in allen Details ausmalen. Kaum hast du mit der Wimper gezuckt, schon bist du oben angekommen!

Frische Luft macht gesund?

Ich möchte glauben, dass es an der Bewegung und der frischen Luft liegt, dass ich im ganzen Winter bisher nicht krank geworden bin. Natürlich hängt die Gesundheit auch mit vielen anderen Faktoren zusammen, aber lasst es mich mir einfach einreden. Andere schwören auf Vitaminpräparate oder Yoga. Brauchen wir nicht alle unser persönliches Mittelchen, durch das wir uns fit und gut fühlen? Ich sage ja zur frischen Luft und Bewegung, auch im Winter. Und so sehr ich den Frühling liebe und die ersten Sonnenstrahlen in mir aufsauge, so sehr möchte ich auch aus den ungeliebten Jahreszeiten das Beste machen.

Es bleibt weiterhin ein Zwispalt – mein Bedürfnis nach frischer Luft und mein Hang zum Frieren im Winter. Gehörte ich doch früher auf jeden Fall zu dem Teil der Klasse, der lieber ersticken als erfrieren wollten, wenn ein Lehrer das Klassenzimmer betrat und sich über den Luftzustand im Raum entrüstete. Heute halte ich es aus, beiße die Zähne zusammen und lasse das Stoßlüften über mich ergehen.

Geh raus! Bleib in Bewegung! Zieh dich warm an! Denn vielleicht komme ich unerwartet um die Ecke gedüst, versunken in irgendeiner Traumwelt…

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

Achtung, ich kommeee…

Vor kurzem bin ich unter die Fahrrad-Fahrer gegangen. Das war eigentlich nie mein Ding, trotz wiederholter Versuche. Zuletzt hat es mir glaub ich Spaß gemacht, als ich mit meinen Mädels am Freitag Nachmittag zum Teenager-Treff unserer Gemeinde gefahren bin. Aber das war wohl was anderes. (Und auf dem Weg gab es Brombeer-Sträucher, hmm.)

In meinem Freiwilligen Sozialen Jahr legte ich mir ein gebrauchtes Fahrrad zu – überzeugt davon, dass ich mehr Sport machen müsste. (Joggen hatte ich zu diesem Zeitpunkt mal wieder abgewählt. Von meinem geliebten Pop Pilates hatte ich damals noch kein Ahnung.) Klappernd und ohne Licht suchte ich mir die verworrenen Wege durch die Großstadt Dresden. Ich hatte kein Händchen dafür, die besten Fahrrad-Pfade ausfindig zu machen. Eher fuhr ich konsequent über unbequemen Schotter. Orientierung ist leider nicht mein Ding. Genau das hat mich immer abgeschreckt: Ich musste mir vorher einen genauen Plan über meine Route machen, sonst ging ich verloren. Das waren noch Zeiten, als mir dabei eine echte Karte behilflich war statt Google Maps… Und erst als ich gemeinsam mit anderen auf dem Fahrrad unterwegs war, stellte ich fest, dass ich nur dann wirklich schnell vorankam, wenn ich durchgängig in die Pedale trat. Wie, was? Durchgängig treten? Das war ja wirklich Sport!

Doch der größte „Abturner“ war wohl immer das Hervorholen aus dem Keller. Puh. Man erkläre mir bitte das Geheimnis des „Gleichzeitig Tür aufhalten und Fahrrad durchschieben“’s… Ach und dann noch dreimal um die Ecke und die Treppe hoch natürlich. Das gleicht einer Tanz-Routine, die man vielleicht nach langer Übung meistert und dann nicht einmal mehr weiß, wie genau man das eigentlich anstellt.

Und zum Schluss: das verschwitzte Ankommen und die Helm-Frisur. Herzlichen Glückwunsch.

Und doch habe ich es nun getan. Ich habe mir ein Fahrrad angeschafft. (Das alte 50-Euro-Gestell wurde mir geklaut, als ich vergaß, es in der Innenstadt anzuschließen und aus dem Geschenkten danach sprang regelmäßig die Kette heraus.) Jetzt habe ich ein wirklich Funktionierendes. Um ehrlich zu sein: Die Motivation für den erneuten Versuch, Fahrrad zu fahren, war rein finanziell. Doch wir haben mehr als 50 Euro investiert, damit es auch Spaß machen würde. Denn ja, ich habe Lust darauf, Spaß daran zu haben! Dieses mal will ich es richtig machen. Ich will zur richtigen Fahrrad-Fahrerin werden. So eine, die ohne Schwitzen lässig den Berg hochkommt und schneller ist als die Straßenbahn. (Mal wieder übermotiviert? Ein wenig vielleicht.) Ich fahre nun seit etwa drei Wochen regelmäßig und wisst ihr was? Es hat funktioniert. Ich habe Spaß!

Das durchgängige Treten…

… funktioniert jetzt wahrscheinlich deswegen besser, weil ich seit Anfang des Jahres bereits mehr Sport mache. Meine Beine sind sozusagen ready. Ach und die Berge gehen auch irgendwie. Bloß nicht ohne Schwitzen und auch nicht unbedingt lässig…

Die Orientierung…

… ist in der Heimatstadt zum Glück leichter als im großen Dresden. Und mein Mann als erfahrener Fahrrad-Fahrer hat außerdem den einen oder anderen Tipp für die optimale Route.

Der Weg aus dem Keller…

… ist glaub ich tatsächlich erlernbar. Ich bin noch dabei. Die Tanz-Routine sitzt noch nicht so ganz. Und ich gebe zu: Oftmals parkt das Fahrrad auch im Wohnungsflur, der eine ideale Größe dafür hat. So oder so denke ich einfach nicht mehr so viel darüber nach. Denn folgendes stimmt jetzt:

Die Motivation…

Ja, ich fühle es – dieses Freiheits-Gefühl beim Fahrrad fahren. Die Motivation ist nicht rein finanziell geblieben. (Aber es hilft: „Wie oft muss ich fahren, bis ich durch die eingesparten Straßenbahnfahrten die Kosten für das Fahrrad wieder drin hab?“) Doch da ist auch der Fahrtwind, wenn ich den Hügel herunterrausche, der aus unserem Neubaugebiet in das Stadtinnere überleitet. Die Herausforderung, wenn ich diesen Berg auf dem Rückweg wieder hoch muss. Die Überzeugung, dass ich nicht schieben werde. Die Freiheit, losfahren zu können, wann ich möchte und nicht auf Straßenbahnzeiten angewiesen zu sein. Das Gefühl, dass ich mich selbst von A nach B transportiere und nicht einfach nur aufs Gaspedal trete. Ganz ohne Umweltverschmutzung und gleichzeitig gesund. Genial, oder?

Dieser Gesundheitsaspekt ist mir noch einmal besonders bewusst geworden, nachdem ich mir vor ein paar Tagen den Dokumentar-Film „Embrace“ angeschaut habe. Fotographin Tayrin Brummfitt macht sich darin auf den Weg herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper hassen und nicht so akzeptieren können, wie er ist – egal ob dünn, dick oder dazwischen. Sie ermutigt, zu Falten, Fettpölsterchen und Schwangerschaftsstreifen zu stehen. Sie möchte dem verdrehten Schönheitsideal unserer westlichen Welt etwas entgegensetzen. Was das mit Fahrrad fahren zu tun hat?

Mich fasziniert es, wie Tayrin darauf aufmerksam macht, gesund zu leben – und dass das nichts mit der Körperform zu tun. Sie selbst hat keine „typische Model-Figur“ und doch kann sie einen Marathon laufen. Darum geht es! Wenn ich Fahrrad fahre, wird mir das bewusst. Bewegung tut gut. Frische Luft tut gut. Das wird mich positiv verändern, auf meine ganz eigene Art und Weise. Ich hab das Gefühl, dass manche Leute mich manchmal schräg anschauen, wenn ich davon erzähle, Sport zu machen: Ich sei doch total schlank, ich könne doch machen, was ich will. Doch das ist überhaupt nicht der Punkt! (Und nebenbei: Genauso wie viele Frauen unbedingt abnehmen wollen gibt es einige, die unbedingt zunehmen wollen… Menschen sind einfach nie zufrieden). Viel mehr geht es um dieses gesunde Gefühl, wie zum Beispiel beim Fahrrad fahren. Darum, wie das Blut zirkuliert, der Kreislauf in Schwung kommt und ich von mal zu mal stärker und ausdauernder werde.

Was vermittelt dir dieses Gefühl? Was hält dich in Schwung? Nein, nicht jeder muss Fahrrad fahren. Bewegung kann so vielfältig sein und ich freue mich, das zu entdecken. Ich lerne Spaziergänge mehr zu schätzen. Eine kurze Pilates-Übung zwischendurch, wenn ich mich eingerostet fühle. Dehnungen. Und gerade freue ich mich darauf, nachher mit dem Fahhrrad durch die strahlende Sonne zur Arbeit zu düsen. Was ich gegen Schweiß und Helmfrisur beim Ankommen mache? Deo und Bürste. Fertig.

Und im Hochsommer? Mal sehen…

Constanze

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Verzicht auf Weißmehl und Zucker – Mach ich jetzt Diät, oder wie?

Gerade ist mir bewusst geworden, dass ich Jane Austen und Taylor Swift in ein und demselben Instagram-Post erwähnt habe und ich frage mich, ob ich das verantworten kann. Und was das über mich aussagt. Vorerst bin ich zu dem Schluss gekommen, dass mich diese ungewollte „Gegenüberstellung“ zu einer vielseitigen Frau macht und ich akzeptiere keine Widerrede! Ob Taylor Swift jedoch genauso zeitlos ist wie Jane Austen – da bin ich mir nicht so sicher… Doch ihr neues Album hat mir ein wenig geholfen, die letzte Woche aufzuheitern, die zu einem großen Teil davon geprägt war, dass ich krank im Bett lag. So krank, dass ich es nicht mal genießen konnte, eine Menge Serien zu schauen. Aber seien wir mal ehrlich: Diese Traumvorstellung vom „Genuss“ des Krankseins (gemütlich schniefend mit einem Tee vorm Fernseher) geht doch eh nie in Erfüllung. Diese Vorstellung, dass eine Woche Kranksein einer Woche Urlaub nahe kommen würde… nee. Ich bin jedenfalls sehr dankbar, wieder gesund zu sein!

In der vergangen Woche habe ich also (neben den vielen unglaublichen Gesangs-Talenten der letzten sieben Blind Auditions von The Voice of Germany – ja, das ging irgendwie besser als Serien) nicht viele monumentalen Dinge erlebt. Doch am Sonntag habe ich etwas Verrücktes gemacht: Ich habe Zucker in meinen Kakao getan!

Okay, die Besonderheit dieses Ereignisses muss ich erklären. Einige Menschen in meiner Umgebung haben es wohl oder übel mitbekommen: Ja, Constanze scheint  wohl auch zu einer dieser extremen Diät-Tanten geworden zu sein und hat seit Anfang Oktober auf Zucker und Weißmehl verzichtet. Vielleicht ist es eher „hipster“ oder „alternativ“. Eine Diät ist es nämlich auf keinen Fall und nein, abnehmen will ich auch nicht. Und ja, es ist möglich! Aber ich fange mal vorn an.

Seit Anfang des Jahres beschäftige ich mich etwas intensiver mit gesunder und bewusster Ernährung. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so recht, warum ich dafür immer mal wieder belächelt werde. Meine Devise lautet: Wenn ich Energie und Zeit habe, mich damit zu beschäftigen – warum nicht? Ich bin absolut dagegen, etwas wie Ernährung oder Fitness zu einer Religion zu machen. Aber warum nicht auch in diesem Lebensbereich nach Besserem streben (nicht nur für mich selbst, sondern auch für meine Umwelt), wenn ich Lust darauf habe? So war es dann auch mit dem Zucker- und Weißmehlverzicht. Ich betrachtete es hauptsächlich als eine Art Challenge. Gesundheitlich gab es für mich keine speziellen Gründe, außer den, meinem Körper etwas Gutes zu tun. Denn ob du es wahrhaben willst oder nicht: Die meisten Menschen essen, oft ohne es zu wissen, viel zu viel Zucker und Weißmehl. (Ich bin jedoch kein Ernährungsberater, Biologe oder ähnliches… Ich kann mich also nicht für die Richtigkeit all meiner folgenden Aussagen verbürgen!)

Nun, um das noch kurz aufzuklären: Auf Obst, also Fruchtzucker, habe ich nicht verzichtet. Und Weißmehl ist auch nicht „Weizenmehl“. Weißes Mehl ist lediglich das Gegenteil von Vollkornmehl, welches eine Menge wichtige Inhaltsstoffe enthält, auf die wir regelmäßig verzichten. Ich habe also nicht auf eine bestimmte Getreideart verzichtet, sondern bin lediglich auf die Vollkornvariante umgestiegen. Über die Nachteile von Weißmehlprodukten kannst du zum Beispiel hier lesen. Dass (industrieller) Zucker nicht so gesund ist, muss wohl keiner nachlesen.

Für mich ist solch ein Experiment vor allem deshalb von Bedeutung, um mir selbst bewusst zu machen, was ich regelmäßig in meinen Magen befördere. Ich schärfe dadurch das Bewusstsein für meinen eigenen Körper und wie ich ihn behandeln möchte. Hier sind deshalb ein paar meiner Erkenntnisse und Erlebnisse während dieser knapp anderthalb Monate Verzicht:

1.) Brot ist so eine Sache. Wenn man für gewöhnlich Brot aus einem „normalen“ Supermarkt kauft, wird es schwierig, dabei auf Weißmehl und Zucker zu verzichten. Ich habe mit Schrecken festgestellt, dass in fast jedem Brot aus dem Supermarkt Zucker enthalten ist. Außerdem: Wo Vollkorn drauf steht ist nicht immer Vollkorn drin, zumindest nicht in großen Mengen. Ein genauer Blick lohnt sich also! Wer frisches, richtiges Vollkornbrot haben möchte, muss deshalb schon eher Bio-Supermärkte oder den Bäcker des Vertrauens aufsuchen. Es gibt allerdings abgepacktes, länger haltbares Roggenvollkornbrot auch im Supermarkt.

Meine Lieblingsvariante ist jedoch eine andere: Selber backen! Und nein, das ist wirklich gar nicht schwer: 500 g Vollkornmehl nach Wahl (außer Roggenvollkornmehl), ein Päckchen Trockenhefe, 14 g Salz, Körner nach Belieben, 450 ml lauwarmes Wasser, ab in die Kastenform, ca. eine halbe Stunde gehen lassen und dann eine Stunde in den Ofen. Fertig!

Auch mit Toastbrot und Brötchen wird es schwierig. Ich habe es in der Zeit hauptsächlich durch Knäckebrot ersetzt, welches es in Vollkornvarianten günstig im Supermarkt zu kaufen gibt. Es ist Geschmackssache, aber ich persönlich habe es sehr lieben gelernt und esse es nun weiterhin.

2.) Aus meiner Erfahrung sind Aufstriche zu großen Teilen zuckerfrei, aber auch hier lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Bei einigen Frischkäsesorten und Wurstprodukten ist Zucker zu finden. Und Frischkäse ohne Zucker schmeckt nun wirklich nicht schlechter…

3.) Es fiel mir erstaunlich leicht, generell auf Süßigkeiten zu verzichten. Ich vermute, das liegt auch daran, dass ich in einer „herzhaften“ Familie aufgewachsen bin: wir haben Herzhaftes meist präferiert, wenn wir die Wahl hatten, so zum Beispiel beim Frühstück. Nichtsdestotrotz habe ich dennoch immer mal wieder Lust auf den „süßen Kick“.

Beim Frühstück ist für mich der „Porridge“ schon seit längerem meine erste Wahl: Vollkornhaferflocken mit Wasser (wahlweise auch mit Milch oder Milchersatzprodukten) aufkochen und dann je nach Belieben Obst hinzufügen (bei mir ist es ein halber Apfel, eine halbe Banane, ein paar gefrorene Beeren und etwas Zimt). In meiner zuckerfreien Zeit habe ich konsequenterweise den Löffel Honig weggelassen, aber ich glaube prinzipiell nicht, dass gegen einen Löffel Honig am Tag etwas einzuwenden ist. Am Nachmittag hab ich dann zum Knäckebrot gegriffen: Bestrichen mit Nussmus (nicht zu verwechseln mit Peanut Butter, die enthält nämlich Zucker – Nussmus ist einfach nur gemahlene Nuss), für die Süße belegt mit Bananenscheiben. Es sieht vielleicht erbärmlich aus, wenn man ein saftiges Stück Kuchen danebenlegt, aber es ist absolut ausreichend, wenn man sich diesen Vergleich nicht ständig vor Augen führt. Es schmeckt, es ist süß – für mich kein Problem und sicherlich eine Variante, auf die ich weiterhin zurückgreifen werde.

Als Snacks für zwischendurch habe ich getrocknete Aprikosen und Mandeln für mich entdeckt. Andere getrocknete Früchte und Nüsse sind natürlich auch eine Variante, Aprikosen und Mandeln sind lediglich recht günstig.

4.) Auch das Kochen ohne Weißmehl und Zucker ist nicht schwer. Die größte Herausforderung ist wohl, auf Fertigprodukte zu verzichten, die häufig von Zucker infiltriert sind. Man muss schon eine gewisse Lust zum selbst Kochen aufbringen. Ich persönlich halte das ganz unkompliziert. Eins meiner Basics ist angebratenes Gemüse mit einer Sahne- oder Tomatensoße (passierte Tomaten aus dem Supermarkt enthalten kein Zucker) mit Kartoffeln, Vollkornreis oder Vollkornnudeln. Reis und Nudeln durch die Vollkornvariante zu ersetzen ist nicht schwer – nur ein wenig kostspieliger. Vollkornreis schmeckt mir persönlich sogar sehr viel besser. Den Unterschied zwischen „normalen“ Nudeln und Vollkornnudeln bemerke ich kaum.

5.) Die größte Herausforderung für mich war Essen außer Haus. In Mensa und Restaurant habe ich häufig Salat gewählt, weil ich da wusste, woran ich bin. Manchem mag das zu langweilig zu sein – dann ist es wohl notwendig, genauer nach den Inhaltsstoffen zu fragen. Generell habe ich mehr Essen zum Mitnehmen vorbereitet und weniger unterwegs gekauft. Das ist nicht nur gesund, sondern erfreut meist auch den Geldbeutel.

Alles in allem habe ich in dieser Zeit gesundheitlich keinen Unterschied gespürt und war auch nicht weniger oder mehr müde (ich bin mir ziemlich sicher, dass ich auch unter normalen Umständen krank geworden wäre – das passiert bei mir ganz klassisch zwei Mal im Jahr… Um in der Hinsicht einen Unterschied zu spüren, müsste ich vielleicht noch deutlich länger verzichten). Ich muss jedoch dazu sagen, dass mein Körper generell nicht außergewöhnlich auf Ernährungsumstellungen reagiert und prinzipiell recht stabil und gesund ist. Auch habe ich davor nicht besonders viel Zucker gegessen. Deswegen sind die Auswirkungen sicherlich bei jedem individuell verschieden. Ich finde es trotzdem super, dass ich es gemacht habe, da ich jetzt viele gesunde Alternativen kenne, die ich auch weiterhin umsetzen werde und die langfristig gesehen gut für meinen Körper sind. Mir ging es also gar nicht so sehr um ein sofortiges Ergebnis – eher um einen nachhaltigen Lerneffekt.

Ihr könnt euch sicherlich denken, dass ich dieses Experiment nicht in die Weihnachtszeit fortsetzen wollte… Und vor kurzem habe ich tatsächlich bereits ein erstes Plätzchen verkostet. Ich hab es sehr genossen und dabei sogar eine Veränderung bemerkt: Ein Plätzchen hat mir absolut gereicht. Das war so eine süße Geschmacksexplosion, dass ich gar nicht noch mehr Süße gebraucht habe. Ich habe außerdem probiert, ein halbes Glas Limonade zu trinken. Es ging nicht! Nach drei Schlucken war es mir zu süß. Nun ja, ich bin pessimistisch genug, um mir denken zu können, dass sich mein Empfinden sicher bald wieder ändern wird. Aber für den Moment schadet es sicherlich nicht.

Um ehrlich zu sein genieße ich es nun wieder, weniger über Essen nachdenken zu müssen, weswegen ich es mir auch nicht vorstellen kann, solch ein Experiment wesentlich länger durchzuführen. Es ist schön, in der Mensa nicht stundenlang darüber nachdenken zu müssen, ob ich etwas essen kann oder nicht. Und dennoch tendiere ich nun automatisch zu den gesünderen Optionen.

Vielleicht hast du ja auch mal Lust, dich selbst herauszufordern oder hast bereits eine Zeit lang auf etwas verzichtet – wenn ja, dann schreib mir gern von deinen Erfahrungen!

Genießt noch die letzten Herbsttage, zündet euch ein paar Kerzen an und trinkt Kakao. Glaubt mir, es hilft! – Gegen alles. 😉

Constanze

(Photo by Thomas Kelley)