Veröffentlicht in Gedanken, Persönlichkeit

Kinder, Kinder – Verheiratet, und jetzt?

Ein bisschen aufgeregt bin ich, aber ich bin mir sicher, das Gefühl der Gewohnheit schleicht sich nach und nach wieder ein – an der Tastatur sitzt heute nämlich nicht Constanze, sondern Anne. Ich habe selbst ca. 7 Jahre gebloggt (Nov. 2010 – Jan. 2018) und meinen Blog nach meiner Studentenzeit dann immer mehr zurückgestellt. Jetzt ist www.anny-thing.de nicht mehr aktiv, aber meine Freude am Schreiben ist nach wie vor da und ich habe mich nach dieser Ausdrucksform echt ein bisschen gesehnt. Die Idee, in Constanzes Blog einzusteigen, kam mir vor Kurzem, denn ich mag ihre Art zu schreiben, ihre Themen beschäftigen mich auch, wir sind beide aus dem Osten Deutschlands, im selben Alter und haben uns bei der Leipziger Buchmesse dieses Jahr kennengelernt. Da habe ich auch erfahren, dass sie diesen Blog bereits mit einer Freundin gegründet hatte und so war die Hemmschwelle für mich nicht so hoch.

Was uns ebenfalls verbindet, sind drei Jahre Eheerfahrung – bisher ohne Nachwuchs. Mein Mann und ich waren vor unserer Hochzeit schon einige Jahre ein Paar, aber noch so junge Studenten, dass wir uns erst mal selbst finden mussten. Inzwischen haben wir viel erlebt und ein Zusammenleben etabliert, das sich für mich nach Zuhause anfühlt. Wir streiten immer noch über Kleinigkeiten, wie die Unordnung des anderen oder die Frage, ob es wirklich schon wieder Schokolade geben muss; wir diskutieren über gesellschaftliche Themen und ergänzen uns nicht nur charakterlich immer besser, sondern auch, was Planung, Haushalt und Arbeit betrifft. Wenn Sätze von meinem Mann fallen wie heute nach dem Kauf neuer Möbel: „Wir haben uns heute echt gut ergänzt!“, dann geht mir still und heimlich das Herz auf. Da hat sich etwas in den Ehejahren entwickelt, das ich nicht missen möchte. Und bis es zum Vorschein kam, haben wir anhand von vielen Lektionen einiges lernen dürfen.

Im Nachhinein klingt es in meinen Ohren immer recht amüsant, welche Pannen wir bereits zusammen erlebt oder welchen Frust wir geteilt haben, den uns der jeweils andere eingebrockt hat. Angefangen bei harmlosen Dingen wie dem Blitzer zur Standesamtlichen Hochzeit (ach ja, ein Rotblitzer …), dem Geschirrbruch beim Einzug meines Liebsten, dass wir beide unsere Masterarbeiten zeitlich ziemlich überzogen und uns in dieser Zeit mit Nebenjobs über Wasser hielten, unglücklich falsch gewaschenen Wäschestücken bis zum selbstverschuldeten Wasserschaden, Beerdigungen und einem Autounfall …

Die Beerdigungen der Großeltern waren natürlich nicht selbstverschuldet, aber sie haben uns noch einmal neu gezeigt, dass in und durch all das Alltagschaos, das sich langsam sortiert und zu einem geregelten Leben wird, es nun langsam an uns liegt diese unsere Welt zu gestalten. Jede dieser Herausforderungen – vielleicht ein paar in jedem Quartal – haben uns fast unbemerkt reicher an Erfahrungen, reifer im Umgang miteinander und dankbarer Gott gegenüber gemacht. Dankbar für die Erfindung der Ehebeziehung, die bildlich gesprochen so tiefe Wurzeln schlagen kann, stabiler wird und Frucht trägt, um auch anderen ein Segen zu sein. Wie wertvoll ist es, den Glauben nicht aufzugeben und geduldig zu sein, auch wenn man merkt, dass man eigentlich unterschiedlich tickt und sich Harmonie oft erkämpfen muss. Es lohnt sich, denn wir merken, was zu unserem Charakter gehört und wobei wir uns inzwischen auch aufeinander einspielen.

Oh, ihr heiratet! Kriegt ihr dann jetzt Kinder?

Gemeinschaft

Es gibt Paare, die heiraten, weil sie Kinder bekommen wollen. Oder weil sie Kinder haben. Oder obwohl sie noch keine bekommen möchten. Möglicherweise ist unsere Generation da inzwischen anders als die Christen vor uns, denn ich merke, dass es auch in Gemeinden immer wieder Paare gibt, die sich mit diesem Thema Zeit lassen. Und ehrlich gesagt merke ich bei mir, dass ich Kinder wunderbar finde, vor allem wenn ich sie persönlich kennenlerne. (Wunderbar und anstrengend, beides.) Dass die Vorstellung von einem eigenen Baby faszinierend ist und dass ich mich immer wieder vor YouTube-Geburtsberichten wiederfinde, die von Grusel- bis Traumgeschichten alles bieten. Ich schaue mir Familien-Vlogs an, sauge die Erfahrungen meiner Mama-Freundinnen auf, beschäftige mich mit Hormonen und arbeite daran, unnötigen Ballast (körperlich und seelisch) abzuarbeiten (frei nach dem Motto: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen.“ Johannes 3,30).

Das Umfeld hat einen immensen Einfluss – das habe ich gemerkt, als gleich mehrere Freundinnen ihre Schwangerschaft verkündeten und ich ihre Babys tragen durfte. Ein großes kleines Glück war das. Jetzt sehe ich die Kinder aufwachsen und staune über die unterschiedlichen Phasen, die jedes Kind durchläuft – und dass jede einzelne Phase für sich gesehen spannend ist. Und trotzdem sind wir noch damit beschäftigt, beruflich Fuß zu fassen, unsere Wohnung in dieser und jener Ecke auszusortieren, eine Meal Planning-Routine zu entwickeln und Sport in den Alltag zu integrieren. Wir versuchen die Bibel in 2 Jahren zu lesen, all den Büchern, die seit Jahren verstauben ebenfalls endlich Aufmerksamkeit zu schenken, Aufgaben in der Gemeinde zu übernehmen, Freundschaften mit Singles und Ehepaaren ohne Kinder zu pflegen. Letzteres ergibt sich ganz von selbst, denn Zeit wird zu einem so kostbaren Gut, wenn man entweder Vollzeit arbeiten geht oder Eltern wird.

Die regelmäßigen Treffen mit Mama-Freundinnen waren diesen Sommer vor allem durch eine feste Routine (alle zwei Wochen und mit Kind) möglich oder durch große Spontanität von beiden Seiten für zum Beispiel Spaziergänge in der Stadt. Aber Fakt ist, wer Kinder hat ist gefühlt mehr Familie als ein Paar ohne Kind – oder erlebt ihr das vielleicht anders? Je nach Familie bleibt man offen für Gemeinschaft mit anderen oder man zieht sich in die kostbare Drei-, Vier-, Fünfsamkeit zurück, weil man da etwas Neues geschaffen hat, das sich so schnelllebig verändert und Zeit und Aufmerksamkeit braucht. Singlefreunde und Paare ohne Kinder sind dann eine wertvolle Ergänzung der eigenen Paar-Familie. Denn wie ich heute in einem Podcast (Dear Daughters) gehört habe, ist ein Paar bereits eine vollwertige Familie. Ich mag diese Ansicht, denn so können wir schon eine Familienkultur schaffen, auch wenn wir uns noch nicht für Kinder bereit fühlen. Wir können den langsamen Prozess annehmen, den wir für Veränderung benötigen – nicht mit herumsitzen und abwarten, sondern mit echten Menschen, ihren Erfahrungen, mit Kindern, die wir mit Zeit und Liebe beschenken dürfen, mit Ideen, die wir anpacken, mit Wertesystemen und Routinen, die wir festigen.

Ich bin mir sicher, es gibt da draußen viele, viele Paare, die ungeplant wundervolle Kinder bekommen, die ihr Leben chaotisch machen und gleichzeitig unfassbar bereichern. Paare, die gerade daran wachsen und die herausfinden, wie viel in ihnen steckt, wie sehr Gott die schwere Arbeit übernimmt und ihnen die Kraft für jeden einzelnen Tag verleiht. Ich möchte euch ehren für die tolle Arbeit, die ihr macht! Und gleichzeitig möchte ich Paare wie uns und die ungewollt Kinderlosen stehenlassen, wie sie sind und nicht geringer schätzen, denn auch sie sind Familie und haben Aufgaben, sich entfaltendes Potential und Gemeinschaft. Und solltet ihr euch, als Familie mit oder ohne Kindern nach der Gemeindefamilie sehnen, weil ihr sie vermisst, dann schaut euch um nach den Menschen, die für euch ein Teil der Familie werden können und wollen. Nicht nur Kinder brauchen ein Dorf, wie ein afrikanisches Sprichwort sagt, auch Erwachsene wünschen sich eine Heimat. Ergänzung, Fürsorge, Humor, Herausforderung und Ermutigung. Das ist ein Boden, der uns vorbereitet auf Menschen, die Gott durch uns neu ins Leben ruft, auf die Kinder der Zukunft und auf Projekte und Ideen, die die Welt oder unseren Ort ein bisschen verändern und Gottes Gegenwart auf die Erde bringen.

Vielleicht bis zum nächsten Mal, wenn ihr wollt –

Anne

Veröffentlicht in Glauben

Warum ich Gemeinde liebe

Es ist Freitagabend, der erste Abend unserer Gemeindefreizeit. Meine Schwester hat ein großes Spiel für die ganze Gemeinde geplant und ich helfe ihr bei der Vorbereitung. Ich liebe große Spiele. „Darf ich mir die Gruppe selbst aussuchen? Kommen wir in Bewegung? Kann ich mich so richtig hineinsteigern?“ Ja, das könne man schon, wenn mal will. Die Tröten und Deutschlandfahnen in der Mitte jeder Stuhlgruppe geben einen Hinweis darauf. Die Gruppe darf ich mir natürlich nicht selbst aussuchen. Immer diese strategisch geplante Durchmischung, damit man sich besser kennenlernt! Doch ich gestehe, es funktioniert.

Und auf einmal verwandelt sich meine Gemeinde in acht bunt zusammengewürfelte wetteifernde Gruppen von A bis H, von Russland bis Kolumbien. Es geht damit los, dass wir alte Gemeindelieder in eine Hymne umtexten dürfen, um den Teamgeist zu stärken. Nachdem sich meine Gruppe nach kurzer Diskussion über einen tiefgründigen Text doch für einen sinnfreien entscheidet, kommen noch ein paar „Hu’s“ und „Ha’s“ im Island-Stil hinzu und das Ding steht. Im Weiteren dürfen wir sowohl Bibel- als auch Flaggen-Wissen auskramen und im Staffellauf ein Gruppenmitglied verarzten sowie mit Motivationssprüchlein versorgen. Ich habe meine Gemeinde noch nie so hektisch in Bewegung gesehen! Jung und Alt sind beieinander. Und auch wenn die Älteren mal nicht verstehen, was vor sich geht, so habe ich doch das Gefühl, dass sie den Spaß der anderen und die Gemeinschaft genießen. Das Ergebnis: Senegal gewinnt – das Spiel und natürlich auch die WM. Ist doch klar! Gemeinde ist für mich ein Ort, an dem Spaß kein Fremdwort ist und an dem die Bedeutung des Wortes „feiern“ eine ganz neue, übergenerationale Bedeutung erfährt.

Über unserer Gemeindefreizeit steht das große Thema „Heilung/Heiligung“. Es geht um Ankommen bei Gott, Frieden erfahren, Verletzungen heilen. Manche teilen ihre Geschichte, berichten von schweren Zeiten. Wir nehmen uns Zeit für Gebet und dürfen uns segnen lassen. Erneut merke ich: wie viel ermutigender ist es, wenn Christen ehrlich zu ihren Sorgen und ihrer Trauer stehen, statt perfekt sein zu wollen. Vielleicht machen wir es nicht bewusst, aber häufig sind wir doch sehr bemüht, ein gutes Image zu wahren. Doch wenn jemand seine Unsicherheiten mit mir teilt, weiß ich: Ich bin nicht allein und es ist okay, Gott nicht immer zu verstehen. Gemeinde ist für mich deshalb ein Ort, an dem wir Menschlichkeit teilen. An dem wir manchmal andere ermutigen und uns manchmal ermutigen lassen.

Am nächsten Abend sitzen wir am Lagerfeuer. Rotwein wird in kleinen Gläschen verteilt. Es beginnen die üblichen Diskussionen über die perfekte Zubereitung des Knüppelteigs. Ich gehöre da zugegebenermaßen zu den Besserwissern. Oberste Regel: den Stock nur dünn umwickeln! Dauerhaft drehen, am besten seitlich zur Glut, sodass nicht nur die Spitze schwarz wird. Meine Spitze wird trotzdem schwarz. Und nach langem Gejammer, dass das Stockbrot einfach nicht fertig wird, wird es eben doch halbroh gegessen. So wie immer. Zufrieden ist man trotzdem.

Ich unterhalte mich mit den verschiedensten Menschen. Manche sind enge Freunde, mit anderen habe ich nur ab und zu über die Gemeinde Kontakt. Es fasziniert mich, dass das egal zu sein scheint. Gemeinde ist für mich ein Ort, an dem ich eine Unterhaltung nicht zwanghaft mit typischen Small-Talk-Fragen beginnen muss. Ich kann mich über tiefgründige Themen unterhalten, auch wenn ich nicht weiß, in welchem Job sich mein Gesprächspartner befindet oder was sein Familienstand ist. Ich sitze viel länger als geplant und ich bin müde. Doch manchmal gehen gute Gespräche einfach über Schlaf (am nächsten Morgen bereue ich das nur ein wenig).

An diesem Wochenende gibt es viele, die ihre Talente und Fähigkeiten für die Gruppe einsetzen. Ob Dekoration, Musik, Organisation im Hintergrund oder Geländespiel. Ich liebe Gemeinde, weil es ein Ort ist, an dem Fähigkeiten zum Einsatz kommen, gesehen und weiterentwickelt werden. Und doch sind da auch die, die sich einfach mal zurücklehnen und genießen können. Oh, wie wichtig das ist! Gemeinde ist für mich ein Ort des Gebens und Nehmens und die Seite darf gern immer einmal gewechselt werden.

Am Montag nach diesem Wochenende liege ich krank im Bett. Habe ich mich bei jemandem angesteckt? Möglicherweise. Habe ich zu wenig geschlafen? Bestimmt. Zu wenig Wasser getrunken und Vitamin C aufgenommen? Vielleicht. Aber dieses Mal nehme ich ein paar Tage Grippe gern in Kauf.

Constanze

Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Lifestyle

8 Gedanken zur Klamottentauschparty

Sechs Mädels, ein Kleinkind, ein Baby und ein Berg voller Klamotten in allen möglichen Größen, Formen und Farben. Vergangenen Sonntag war es mal wieder soweit:  Ich durfte Gastgeber einer Klamottentauschparty sein. (Was das sein soll und wieso? Einmal hier klicken.) Endlich einmal wieder! Das „tauschen“ im Wort ist übrigens nicht wirklich relevant. Wir beschenken uns einfach gegenseitig und dies ist wohl im Endeffekt wieder ein Tausch… Hier folgen nun acht Dinge, die ich mir von diesem lebhaften, fröhlichen, sehr ergiebigen Nachmittag mitnehme:

1.) Ich bin normalerweise eine Gastgeberin, die sich konstant darum sorgt, dass es allen Gästen gut geht. Wenn Klamotten im Spiel sind, ist das leichter: alles dreht sich um die Klamotten! Und alle anderen Sorgen scheinen vergessen. Es ist zum Beispiel erst reichlich spät jemandem aufgefallen, dass man mal lüften könnte… Und außerdem: Lieber davor ausgiebig essen und trinken. Währenddessen ist definitiv keine Zeit.

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2.) Dieses Mal haben wir es so gemacht, dass jeder seine mitgebrachten Klamotten selbst nacheinander präsentiert hat. Die anderen konnten sofort sagen, ob sie das angepriesene Teil anprobieren wollten oder nicht. Angesichts der Menge der mitgebrachten Klamotten hat das wirklich lange gedauert – aber sehr viel Freude bereitet! Es war ein bisschen wie Geschenke auspacken zu Weihnachten. Das macht auch mehr Spaß, wenn man sich gegenseitig zuschaut und jede Sache einzeln würdigt. (Zumindest, wenn man erwachsen ist…)

3.) Ich habe tolle Freundinnen. „Nein, das steht dir viel besser als mir. Bitte behalt es.“ „Das sieht richtig gut aus!!“ Und gleichzeitig liebevolle Ehrlichkeit: „Hm, ne, irgendwie nicht so richtig.“ „Ja, ne, ich fühle es auch nicht wirklich.“

4.) Wir sind noch absolut kein kinderfreundlicher Haushalt. Natürlich kann es einem Kind langweilig werden und es verlangt Aufmerksamkeit, wenn sechs Frauen wie verrückt damit beschäftigt sind, sich gegenseitig einzureden, wie gut jemandem etwas steht. Ob wir Kakao da haben? Kein Instant-Pulver, nur zum selbst kochen. Joghurt? Nur griechischen Naturjoghurt. (Ich merke erst jetzt, wie „alternativ“ das klingt.) Ich bin froh, dass meine Mütter-Freundinnen trotzdem gern kommen! Und im Endeffekt kann auch aus griechischem Natur-Joghurt, Marmelade und Zucker etwas Leckeres gezaubert werden. Ach so, und dann sind da noch die weißen Möbel und die vielen Kakteen… Aber wie schön ist es zu sehen, wie das Baby herumgereicht wird, damit auch die Mutter mal in Ruhe Klamotten anprobieren kann. Und die weißen Möbel durchlaufen eben ihren ersten Härte-Test. Nur Frauen mit Kindern können etwas gemeinsam unternehmen oder nur Frauen ohne Kinder? Keinesfalls.

5.) Es ist unglaublich, wie wenig Kleidergrößen eine Rolle spielen. Ich fand es total schön mit anzusehen, wie immer wieder verschiedene von uns das gleiche Teil anprobieren konnten und es bei jedem ganz anders aussah. Nur weil etwas auf den ersten Blick zu eng oder zu weit wirkte, war das nicht unbedingt ein Grund, es nicht auszuprobieren. Häufig wurden wir überrascht! Ich liebe es, auf diese Weise mit Klamotten zu experimentieren und meine Freundinnen zu neuen Stilen zu überreden. („Und wann soll ich das dann tragen?“ „Na ganz normal, an einem Sonntag zum Beispiel!“ „Die Farbe habe ich eigentlich noch nie getragen.“ „Ja, warum eigentlich nicht?“)

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6.) Die ganz besonderen Kleidungsstücke sind die, die man auf den ersten Blick wiedererkennt. „Aber das hast du doch so oft und auch noch in letzter Zeit getragen!“ Wenn man so ein Kleidungsstück ergattern kann, hat es besonders viel Wert, finde ich. Es ist, als ob eine Freundin dir einen alten Begleiter anvertraut. Jap, da bin ich wohl ein wenig sentimental, aber für mich sagen diese Klamotten: „Trag mich und belebe mich neu, denn ich bin etwas Besonderes!“

7.) Besonders lustig waren die Momente, in denen jemand ein Kleidungsstück von der letzten Klamottentauschparty hervorgezogen hat, das den gewünschten Job einfach nicht erfüllt hat. Und wir waren uns alle einig: Das ist erlaubt. Es ist eben ein ewiger Kreis. Außerdem: Lieber wieder zum Verschenken anbieten als wegschmeißen. Oder die Klamotten, bei denen ein Blick genügt und alle sofort wissen: „Jap, wir wissen noch, als das mal modern war…“

8.) Wir brauchen einen Spiegel. Einen richtigen Ganzkörperspiegel. Ja, wir haben einen. Er hängt am Schrank im Arbeitszimmer meines Mannes. Ungünstiger Ort für eine Klamottentauschparty…

Am Ende ist natürlich vieles übrig geblieben. Was man damit dann anstellen soll? Entweder in anderen Freundeskreisen anbieten, spenden, doch noch einmal eine Chance geben… Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich für meinen Teil habe mir definitiv die nächste Shopping-Tour gespart. Und gleichzeitig eine Menge Spaß und Gemeinschaft genossen. Das war nicht das letzte Mal!

Constanze 

Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

Einfach, aber wertvoll! – was mich im Stress glücklich macht

Ich liege im Bett und bin kurz davor meine aktuelle Sucht-Serie in den DVD-Player zu schieben: „One Tree Hill“. Ja, genau die. Es ist eine dieser seichten High School/Junge Erwachsenen-Dramen, in der jeder mal mit jedem zusammen ist, verkorkste Familien und Freundschaften irgendwie versuchen, sich zusammenzuraufen und regelmäßig jemand vom Auto angefahren oder anderweitig in Lebensgefahr gebracht wird, damit die Sache auch spannend bleibt. Und ja, ich bin total „into it.“ (Die Freundin, die mich dazu gebracht hat, erwartet an dieser Stelle wahrscheinlich eine Danksagung – also: Danke! – und eine Entschuldigung für diese Kurzbeschreibung – Sorry! ;-))

Vor kurzem sind wir umgezogen und momentan fällt es mir schwer, einen „tiefsinnigen“ Blog-Beitrag über das Leben zu schreiben. Ich glaube, das liegt daran, dass ich sehr darauf fokussiert bin, „Wohnungsprobleme“ zu lösen, sodass mir lebensphilosophische Gedanken nicht so wichtig erscheinen. Praktische Probleme nehmen stattdessen viel Raum in meinem Kopf ein und ich musste zudem erst einmal lernen, dass das okay ist. Vielleicht bin ich ein wenig komisch, aber mein Leben dreht sich ansonsten sehr viel um soziale oder geistige Probleme (was wohl meinem Beruf, meinen Hobbys und meiner Persönlichkeit geschuldet ist). Manchmal macht es mich ganz verrückt, fast ausschließlich über praktische Dinge nachzudenken. Doch nun hatten und haben wir einiges zu tun, was unsere neue Wohnung angeht. Es ist viel zu klären, viel einzukaufen, viel auszupacken, viel zu bohren, zu bauen. Wer schon mal umgezogen ist, kennt es.

Heute ist mir aufgefallen, dass es in solchen Zeiten besonders die einfachen, „natürlichen“ Dinge sind, die mich zwischendurch immer wieder glücklich machen. Ich muss nicht etwa die Nacht durchtanzen, um die Sorgen des Alltags zu vergessen. Wertvolle, glücklich-machende Momente sind ganz einfach im Alltag zu entdecken. Von ein paar Beispielen aus meinen vergangen Wochen (neben dem Schauen von One Tree Hill)  möchte ich gern erzählen:

1.) Zurück in die Jugend

Seitdem wir umgezogen sind genieße ich (seit meiner WG-Zeit) wieder den Luxus eines „eigenen“ Zimmers. Es ist kein Schlafzimmer, kein Wohnzimmer, einfach erst einmal ein Zimmer zu meiner eigenen Verfügung. Sozusagen mein Arbeitszimmer und Hobbyraum zugleich. Manche Leute glauben nicht, dass ich das gebrauchen könnte – aber allerdings! Mit einem Zimmer kann ich immer etwas anfangen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, es war etwas Besonderes für  mich. Doch bis vor kurzem fehlte noch etwas. Ich hatte zwar ein paar Möbel in dieses Zimmer gestellt und auch an meinem Schreibtisch gearbeitet, aber das „Besondere“ war noch nicht da. Das habe ich nun nachgeholt. Es war an einem Sonntag und ich fühlte mich entspannt. Also legte ich mir eine meiner Girly-CD’s aus Teenager-Zeiten (nein, die sind im Zuge meines Aussortierens natürlich nicht hinausgeflogen und ja, wer mich kennt, weiß ganz genau, von welchem Interpreten wir hier reden) in meine Stereo-Anlage aus Teenager-Zeiten ein und begann, mein Zimmer zu dekorieren.

Es fühlte sich an, als wäre ich in eine WG eingezogen. Es war ein gutes Gefühl. Nun, ihr müsst das richtig verstehen – dekorieren heißt bei mir nichts Krasses. Es heißt: Man nehme ein paar Postkarten, ein bisschen Washi Tape und ein paar Stoffreste und hänge das irgendwie in einer sinnvollen Anordnung an die Wand. Man nehme ein paar Kerzen und finde den richtigen Ort für sie im Zimmer. Man drehe das Regal so oft ein paar Millimeter nach links und rechts, bis man das Gefühl hat, dass es im perfekten Winkel steht. Viel mehr kann ich nicht. Aber das ist vollkommen in Ordnung, denn genau das macht mir Spaß. Genau dieses simple Aussuchen von der richtigen Postkarte für die richtige Stelle ist das was ich brauche, um abzuschalten. Im Zusammenhang mit einer Mainstream-girly-pop-Musik im Hintergrund mag das paradox klingen. Doch genau diese versetzte mich automatisch in Zeiten, in denen beispielsweise Schule meine größte Sorge war. Oder ein sinnloser Liebeskummer. Also nichts wirklich Lebensentscheidendes (Hab ich das laut gesagt? Bitte – nehmt die Schule ernst!). Es gab mir ein unbeschwertes Gefühl und ich fühlte mich jung. Ich weiß, das bin ich immer noch. Aber ich fühlte mich richtig jung. 😉

Ich mag es, mich in etwas scheinbar Simplem zu vertiefen – aus einer einfachen Aufgabe ein kleines Projekt zu machen und sich diesem mit so viel Zeit, wie man eben möchte, zu widmen. Das ist ein Luxus, den ich mir nicht häufig gönne, der mich aber zur Ruhe bringt und „große“ Probleme auf einmal nicht mehr so groß erscheinen lässt. Ich glaube, dass wir uns diesen Luxus deshalb genau dann gönnen sollten, wenn es rational und zeitlich betrachtet keinen Sinn macht.

2.) Kochen und Wein

Punkt zwei ist weniger kryptisch als Punkt eins, denn es ist genau das: Kochen und Wein. Wenn ich vor einigen Jahren gewusst hätte, dass ich das mal schreibe, hätte ich wohl über mich selbst gelacht. Früher hatte ich weder viel für Wein noch fürs Kochen übrig. Wein habe ich schnell als ein gemütliches Genuss-Getränk lieben gelernt und auch mit dem Kochen habe ich mich angefreundet (schlicht dadurch, dass ich gezwungen war, es zu tun). Die Kombination beider Dinge ist das Beste. Und ja, ich rede hier von allein kochen und dabei allein Wein trinken.

Ich bin jemand, der Dinge dann am besten tut, wenn er nicht zu viel darüber nachdenkt – sprich, allein für mich im stillen Kämmerlein und ohne das Gefühl, etwas präsentieren zu müssen, funktioniert es am besten. Deswegen koche ich am liebsten allein und am liebsten nur für meinen Mann und mich. Und ich experimentiere gern. Ab und zu koche ich auch nach einem Rezept, aber meistens habe ich einfach nur viel Gemüse, ein bis zwei Beilagen und kombiniere das zu irgendetwas auf irgendeine Art und Weise. Und das, ganz ohne unter Beobachtung zu sein, ohne Rechenschaft vor irgendjemandem ablegen zu müssen. Das klingt vielleicht albern, aber irgendwie gibt mir das ein besonderes Gefühl der Freiheit. Und wenn ich dann noch einen Wein dazu trinke, der Geruch der angebratenen Zwiebel in der Luft hängt, und irgendeine (vielleicht dieses Mal nicht ganz so anspruchslose) Musik im Hintergrund läuft, gehört das zu diesen schlichten Dingen, die mich jederzeit glücklich machen können.

3.) Gottesdienst am Sonntag morgen

Wer diesen Blog schon eine Weile liest oder mich persönlich kennt, weiß wahrscheinlich, dass ich Christ bin. Und für gewöhnlich gehe ich sonntags in den Gottesdienst – nicht, weil mich irgendjemand dazu zwingt oder aus Tradition. Ich tue das, weil ich tatsächlich daran glaube, dass der Schöpfer dieser Erde eine Beziehung zu uns Menschen haben möchte. Und ich möchte diese Beziehung pflegen.

Manchmal fällt es mir jedoch schwer, Sonntag früh aufzustehen. Oder mir ist nicht danach, mich unter viele Leute zu begeben. Das glaubt man mir zwar selten, aber es gibt tatsächlich Phasen in meinem Leben, in denen es mir schwer fällt „Konversation“ zu führen. (Mit Small Talk-Konversation tue ich mich im Allgemeinen schwer – siehe hier). Doch im Endeffekt bereue ich es nie, wenn ich mich trotzdem aufgerappelt habe und, auch wenn es erst nicht meinem Gefühl entsprach, in den Gottesdienst gegangen bin. Denn ganz egal wie es mir geht: ein Gottesdienst richtet mich auf das aus, was wirklich im Leben zählt. Gott ist meine Konstante und sich dieser bewusst zu machen, tut immer gut. Meist spricht mich eben doch die Predigt an, manchmal ist es schlicht die Gemeinschaft mit anderen Christen, die mich glücklich macht. Irgendetwas ist es immer. Denn all das ist auf das ausgerichtet, was wirklich im Leben zählt.

4.) Freunde im Alltag treffen

Keine Frage: es ist eine tolle Sache, sich am Wochenende zu einem langen Mädelsabend zu treffen, am besten inklusive Übernachtung. Oder am Samstag so richtig ausführlich und lang mit Freunden zu brunchen. Aber ich habe noch einmal ganz neu zu schätzen gelernt, wie toll es ist, Freunde im normalen Wochenalltag zu treffen, selbst wenn es nur kurz ist. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Das Wochenende ist schnell voll (Stichwort „Freizeitstress“…). Gefühlt versuche ich manchmal, mein ganzes Leben in diese zwei Tage zu pressen (was übrigens nicht funktioniert, also probier es gar nicht erst aus). Aber es ist so: Alle 7 Tage der Woche sind tatsächlich lebenswert!

Manchmal gehe ich von der falschen Annahme aus, dass ein Treffen nur dann sinnvoll ist, wenn ich viel Zeit habe – und oft ist es das auch, vor allem, wenn ich jemanden länger nicht gesehen habe. Aber manchmal reicht es genauso, sich kurz mit jemandem in der Mittagspause zu treffen oder zwischen zwei Vorlesungen 10 Minuten auf dem Campus zu quatschen. Oder, wie ich es derzeit tue, gemeinsam einen Sportkurs zu besuchen. Dabei kann ich nicht unbedingt viel mit meiner Freundin reden, aber ich teile Alltag mit ihr. Gemeinsam zu lernen ist ebenso eine schöne Möglichkeit, aus „geteiltem Leid halbes Leid“ zu machen. Es zeigt mir, dass es gar nicht so kompliziert sein muss, Zeit mit Freunden zu verbringen. Und es verbindet noch einmal auf ganz neue Weise.

Alles in allem glaube ich, dass es kontraproduktiv ist, in stressigen, to-do-geladenen Zeiten nach einem „glamouröseren“, „besseren“ Leben Ausschau zu halten. Ich stelle hiermit die These auf, dass du nichts Glamouröses brauchst, um deinen Sorgen zu entfliehen. Häufig sind es die einfachen Dinge, die sich ganz natürlich in den Alltag integrieren lassen, die uns glücklich machen können – vorausgesetzt wir sprechen ihnen diesen Wert auch zu. 10 Minuten mit einem Freund zu reden hat Wert. Ein leckeres Essen zu kochen hat Wert. Fühl dich ermutigt, diese scheinbar einfachen Dinge zu zelebrieren und dankbar für sie zu sein!

Was sind deine Glücksmomente im Alltag? Wodurch kommst du zur Ruhe und kannst deine Sorgen vergessen? Lass es mich gern in den Kommentaren wissen.

(Bald folgt, aufgrund unseres Umzugs, auch noch ein „Minimalismus-Update“! Wenn dich meine ersten drei Beiträge zu diesem Thema interessieren, kannst du sie gern in der Kategorie „Lifestyle“ nachlesen.)

Constanze

(Photo by Ariel Lustre)