Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Gedanken

Wann es mir leicht fällt, im Moment zu leben

Aah, wem ist aufgefallen, dass vor drei Tagen Donnerstag war und ich nichts gepostet habe? Niemandem? Auch okay 😉 Das Leben ist dazwischen gekommen. Und wisst ihr was? Das war gut so.

Ich bin ziemlich zielorientiert. In den letzten Jahren hab ich gemerkt, wie sehr. Langeweile ist für mich so eine Sache… Ich kann sie nur ertragen, wenn ich sie mir selbst ausgesucht habe. Ich will produktiv sein. Ich will vorankommen. Und dabei ist es eigentlich egal, um was es geht: Ob putzen, kochen, Musik machen, schreiben, studieren, arbeiten. In all dem muss ich das Gefühl haben, auf etwas zuzugehen – das Gefühl, die Sache aus einem bestimmten Grund zu machen. Aus einem Grund, von dem ich selbst überzeugt bin. Es heißt nicht, dass ich viel machen möchte. Ich will nur etwas Sinnvolles tun und in diesem Sinnvollen vorankommen. Es bedeutet auch nicht, dass ich nicht entspannen kann – das kann ich sogar ziemlich gut. Ich liebe es, im Urlaub mein Handy auszuschalten und einfach nur zu „sein“ oder am Sonntag einen Serien-Marathon zu starten. Zu lesen, zu essen, zu quatschen. Doch selbst diese Entspannungszeit möchte ich einplanen.

Diese Eigenschaft ist mir Stärke und Schwäche zugleich. Sie lässt mich strukturiert an Dinge herangehen. Sie macht mich produktiv und begeisterungsfähig. Und ich bin in der Lage, andere damit anzustecken. Zugleich stehe ich jedoch immer mal wieder in der Gefahr, mich darin zu verlieren. Zu machen, zu streben – und wenn ich plötzlich nicht weiterkomme, schnell zu verzweifeln. Mein Mann muss mich regelmäßig beruhigen, wenn ich mal ein wenig ziellos bin. („Manno, ich kann grad an nichts weiterarbeiten…“ „Na, dann entspann dich doch einfach, das ist auch okay.“ „Ich hab morgen schon Zeit zum Entspannen eingeplant, das kann ich ja nicht heute auch schon machen.“ So oder so ähnlich.)

Ich arbeite daran und mache mir immer wieder von neuem klar, dass von meinen Plänen nichts abhängt. Ja, ich darf meine Zielstrebigkeit einsetzen. Es ist ein Instrument, dass ich mir zu Nutze machen kann. Aber von ihm hängt im Endeffekt nicht alles ab. Wie befreiend! Gott macht auch dann etwas aus meinem Leben, wenn ich mal keinen ausgeklügelten Plan habe oder meine Ziele unklar sind.

Und dann gibt es da immer wieder diese Momente, in denen es mir gar nicht so schwer fällt, das zu glauben. Momente, in denen ich das Gefühl habe, dass ich der spontanste Mensch auf der Welt bin und in denen ich vor allem eines kann: im Hier und Jetzt leben.

Meine letzten Tage verliefen mal wieder nicht ganz nach Plan. Und man könnte meinen, dass mich das verrückt gemacht hat oder dass ich mich ziellos gefühlt habe – aber so war es nicht. Und heute fiel mir auf, warum: Es waren „Beziehungsmomente“, die meine Pläne durcheinander gebracht haben. Es war das doch etwas länger andauernde Frühstück mit einer Freundin, weil es so viel Wichtiges zu besprechen gab. Es war die fehlende Anzahl an Stunden, die ich an meinem Fernkurs arbeiten konnte, da ich über das Besprochene nachdenken musste. Es war das spontane Treffen im Café mit einer anderen Freundin. Kurzfristig jemandem zur Seite stehen und helfen. Ja, diese spontanen Café-Treffen empfinde ich sogar als die besten überhaupt!

Es sind solche Momente, in denen ich absolut präsent im Hier und Jetzt bin. Wie oft wünsche ich mir, dass ich mehr im Moment leben könnte. Wie oft merke ich, dass ich mir zu viele Sorgen mache, zu viel über die Zukunft nachdenke. Und dann ist da auf einmal ein Freund, der Hilfe braucht und plötzlich sind meine Prioritäten wieder klar und ich merke, wie wertvoll es ist, Zeit zu verschenken. Wie wertvoll es ist, mein ganzes Tun und Streben zu vergessen und einfach nur für jemand anderen da zu sein.

Versteht mich nicht falsch – das bedeutet nicht, dass ich von nun an nur noch Zeit mit anderen verbringen und an andere verschenken sollte. Grenzen sind wichtig, darüber habe ich zum Beispiel hier geschrieben. Besonders als introvertierte Person benötige ich immer wieder meine Rückzugs- und Auftankzeiten. Doch es gibt Phasen, da helfen mir diese spontanen „Beziehungsmomente“, um aus mir selbst herauszutreten. Phasen, in denen ich ansonsten in der Gefahr stehe, mich in mir selbst und in meinen Zielen zu verlieren, wenn nicht hin und wieder etwas völlig Ungeplantes auf mich zukommen würde. Im Besonderen sind es Gespräche, für dich ich gern mal alles stehen und liegen lasse. Für die ich gern mal später ins Bett gehe oder das Putzen auf einen anderen Tag verschiebe (Nun gut, dass fällt auch nicht sooo schwer…). Sie lassen mich irgendwie lebendig fühlen. Und genau diese Lebendigkeit und Lockerheit würde ich gern auf viel mehr Bereiche in meinem Leben übertragen. Ja, ich möchte zielstrebig vorangehen. Aber ich möchte nicht verkrampfen oder verzweifeln, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht. Denn dann wartet vielleicht schon eine geniale, spontane Planänderung an der nächsten Ecke…

Wann kannst du so richtig „im Moment“ leben? Was hilft dir, spontan zu sein? Oder bist du sowieso kein planender Typ und lässt alles auf dich zukommen? Ich bin gespannt zu lesen, wie es dir damit geht.

Constanze

(Photo by Luke Chesser)

Veröffentlicht in Lifestyle, Motivierendes

Noch so ein Tipps-Artikel #Entschleunigen

In meiner Schulzeit hat sich Zeit immer gezogen wie Kaugummi. Kommt dir bekannt vor? Ja, sie verging schlicht zu langsam. Manchmal wollte ich einfach nur den Minutenzeiger packen und nach vorne schieben – es war als wäre er zu träge, diesen Job allein zu erledigen oder als wollte er mir eins auswischen, indem er länger an einer Stelle verharrte. Doch das war alles nur eine Illusion. Die Zeit verging in Wirklichkeit genauso wie sonst auch. Und ich schien diese Illusion nur zu verstärken, in dem ich immer wieder auf die Uhr starrte – in dem ich immer wieder über Zeit nachdachte.

Zeit. Was für eine verwirrende Dimension! In der Schule schien sie mir nur im Weg zu stehen. Ich hangelte mich von einer Unterrichtsstunde zur nächsten, immer auf den Nachmittag hinfiebernd. Wie wunderbar war es, wenn dann doch einmal eine interessante Stunde dabei war, die schnell verging. Eine Beschleunigung der Zeit, ja, das wünschte ich mir oft. Außer natürlich am Wochenende oder in den Ferien.

Es ist schon lustig. Im Gespräch mit einer Freundn fiel mir vor kurzem mal wieder auf, wie anders das jetzt ist. Genau genommen, wie anders es ist, seitdem ich die Schule verlassen habe. Ab da schien es sich schlagartig zu ändern. Die Zeit begann zu rasen und war kaum noch aufzuhalten! Und sie schien sich zunehmend zu beschleunigen.

Heute sitze ich oft da und frage mich, wo sie geblieben ist. Genau diese Beschleunigung, die ich mir damals gewünscht hatte, gefällt mir nun nicht mehr so gut. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wie schon wieder über ein halbes Jahr 2017 vergangen sein konnte. Ich habe dieses halbe Jahr doch gar nicht so richtig gespürt. Ist in diesem Zeitraum überhaupt etwas Wichtiges passiert? Wenn ich genauer darüber nachdenke fällt mir ein, dass sogar sehr viel Wichtiges passiert ist. Also warum nehme ich das so nicht wahr?

Warum die Zeit „schneller“ vergeht

Es ist wohl für kaum jemanden etwas Neues, dass wir uns heutzutage in einer schnelllebigen Welt befinden (oder besser: in einem schnelllebigen Deutschland – auf die ganze Welt trifft das zum Glück noch nicht zu). Wir leben in einer Gesellschaft, in der alles immer schneller, besser und effizienter geschehen soll. Es gibt zwar schon einige Gegenbewegungen, aber grundsätzlich sind Ausbildung und Arbeitsleben doch nach wie vor sehr davon geprägt. Und nicht nur das – der sogenannte „Freizeitstress“ nimmt auch zu. Wir haben so unglaublich viele Möglichkeiten, schöne Erlebnisse zu sammeln und hasten selbst da von einem Termin zum nächsten.

Meine Eltern haben einmal gesagt, dass man sich früher, im Vergleich zu all den Möglichkeiten, die wir heute haben, einfach mehr gelangweilt hat. Das hat schlicht dazu gehört. Doch heute haben wir das irgendwie nicht mehr nötig. Oder haben wir vielleicht Angst davor?

Ich glaube, einer der schwerwiegendsten Gründe, warum im Erwachsenen-Leben die Zeit immer so schnell vergehen zu scheint, ist das Phänomen, dass wir auf bestimmte Ereignisse oder Deadlines hinleben. Egal, ob es etwas Positives ist, wie zum Beispiel eine große Feier oder das Abschließen einer Ausbildung, oder etwas Negatives, wie etwa das Vorbereiten eines Referats oder das Ende eines befristeten Jobs. Unser Alltag ist stark davon geprägt, dass wir Ereignisse in der Zukunft im Blick haben und unser ganzes Leben, wenn auch nur unbewusst, darauf ausrichten.

Bei mir sind das oft simple Dinge wie Urlaub, Weihnachten oder große Feiern. Vor dem Sommer fiebere ich zum Beispiel immer sehr auf den Sommer hin, weil dieser meist mit Urlaub und anderen schönen Erlebnissen verbunden ist. Die erste Hälfte des Jahres vergeht dadurch umso schneller, da ich sie gar nicht so bewusst wahrnehme. Während meines Studiums waren die Prüfungszeiten und Semesterferien meine Eckpunkte. Im Prinzip ist es jedoch ganz egal, was es ist, denn die Wirkung ist immer gleich: Oft werte ich die Zukunft höher als die Gegenwart, egal ob dies gute oder schlechte Dinge beinhaltet.

Bestimmt kennst du folgenden Spruch: „Lebe jeden Tag so als wäre es dein letzter.“ Für mich gehörte er schon lange in die Kategorie „kitschiger Sprüche“, die ich eigentlich nicht mehr hören wollte. Aber im Zusammenhang der Unterhaltung mit meiner Freundin fiel er mir wieder ein und ich musste zugeben, dass etwas Wahres an dieser Aussage dran ist. Doch ich möchte es noch einmal anders auf den Punkt bringen: Jeder Tag ist gleich wertvoll. Das ist es, was wir vergessen. Viel zu oft glauben wir, dass nur diese Tage wertvoll sind, an denen ein großes Ereignis stattfindet, an denen wir viele To-do‘s erledigen, an denen wir uns mit Freunden treffen, an denen wir Party machen, an denen wir endlich den Sprung auf der Karriereleiter schaffen, an denen wir Urlaub haben, … Du darfst diese Liste gern für dich fortsetzen. Für jeden wird sie ein wenig anders sein. Aber sei dabei wirklich ehrlich zu dir: Welche Tage bewertest du als wertvoll? Und wie viele sind es dagegen nicht?

Dann kannst du dir auch selbst ausrechnen, wie viele Tage du damit verbringst, nur auf diese wenigen „wertvollen“ Tage hinzufiebern. Versteh mich nicht falsch – ich spreche mich nicht dagegen aus, sich Ziele zu setzen und zu verfolgen. Ich bin sogar ein sehr großer Verfechter von Zielen. Sie sollen uns nutzen, jedoch nicht davon abhalten, jeden Tag in der Gegenwart zu leben. Es ist ein nerviges Gefühl, am Ende des Tages auf den Tag zurückschauen und ihn als negativ zu bewerten, nur weil wir nicht effektiv genug gewesen sind. Nur weil nicht viel „passiert“ ist. Unbewusst denken wir dann oft, dass der Tag nicht viel wert war.

Ich behaupte, wir leben so, weil wir manchmal Angst haben, einfach nur unseren „langweiligen“, „normalen“ Alltag zu spüren. Den wollen wir lieber gar nicht so bewusst wahrnehmen – das würde uns am Ende noch deprimieren. Doch wer sagt, dass langweiliger Alltag schlecht ist? Wir verlieren dadurch den Blick für die kleinen Besonderheiten im Leben, wie etwa ein leckeres Essen oder ein schönes Gespräch mit dem Partner. Und wir vergessen auch, wie gewinnbringend Langweile sein kann (Vielen Dank, auxkvisit, für diesen Gedankenanstoß!). Denn gerade sie führt uns manchmal zu den besten Gedanken, Ideen und Spinnereien. Wir nehmen all diese kleinen Dinge (die jedoch schnell zu größeren werden können!) dann nicht bewusst wahr, wir schätzen sie nicht bewusst. Und dann passiert es: Die Zeit ist auf einmal weg, bevor wir es überhaupt gemerkt haben.

Wie wir die Zeit „verlangsamen“ können

Ich glaube, dass wir ein Stück weit in der Lage sind, diesem Phänomen Einhalt zu gebieten. Bleib nicht bei dem Gedanken stehen „Ach, die Zeit rennt so – Ich komme nicht hinterher!“ und gib auf. Entschleunige stattdessen. Versuche, bewusst zu leben. Hier sind ein paar Vorschläge, wie das besser funktionieren könnte:

1.) Mach dir bewusst, welcher Tag heute ist. Führe dir das Datum bildlich vor Augen. Und dann freu dich einfach über diesen Tag. Sei dankbar, dass du ihn erleben darfst. Ich zum Beispiel freue mich am Anfang jeden Monats über die „1“ im Kalender. Für mich ist das wie ein kleiner Neuanfang. Oder heute freue ich mich zum Beispiel über den 04.08., einfach weil ich finde, dass das eine schöne Zahlenkombination ist… 

2.) Mach weniger Dinge gleichzeitig. Es ist sowieso nachgewiesen, dass Multitasking nicht wirklich funktioniert, also versuch es gar nicht erst. Wenn du zwei Dinge gleichzeitig tust, kannst du beide nicht bewusst wahrnehmen. Und nachdem du irgendwann frustriert aufgibst, ist schon zu viel Zeit vergangen. Eins meiner schwierigsten Übungen ist dabei tatsächlich Essen. Wenn ich allein esse, bin ich sehr versucht, den Fernseher oder mein Handy nebenher laufen zu lassen – und oft mache ich das auch. Ich mache es, weil ich Angst vor Langeweile habe. Bloß nicht einfach nur dasitzen, essen und denken! Aber immer öfter nehme ich mir bewusst vor, es zu lassen. Und es hat immer einen positiven Effekt: Ich entspanne mich und meine Gedanken haben die Möglichkeit, in Ruhe zu kreisen und auf gute Ideen zu kommen (okay, manchmal sind auch ein paar blöde Ideen dabei…).

3.) Führe irgendeine Art von Tagebuch. Ich persönlich führe kein regelmäßiges, ausführliches Tagebuch über die Ereignisse meines Alltags, aber ich habe jeden Monat eine Seite in meinem Bullet Journal*, auf der ich in genau einer Zeile jeden Tag zusammenfasse. Das kann zum Beispiel eine vorherrschende Gefühlslage des Tages sein oder eine kurze Auflistung der Dinge, die ich erlebt habe. Der Effekt ist, dass ich am Abend den Tag noch einmal in gewisser Weise würdige und bewusst Revue passieren lasse. Wenn ich am Ende des Monats dann die ganze Seite anschaue, bin ich meist ziemlich erstaunt darüber, was ich alles erlebt habe. Manchmal werte ich auch ganze Monate aus und entwerfe einen kleinen Ausblick für den nächsten Monat. Dabei ist mir wichtig, dass nicht nur große Ereignisse zum Tragen kommen, sondern auch neue Erkenntnisse und Gedankengänge, die ich in einem Monat gesammelt habe.

4.) Und noch einmal: Hab keine Angst vor Langweile. Hab keine Angst davor, im Bus nur aus dem Fenster zu starren oder im Wartezimmer des Arztes nur zu sitzen und zu warten. Ja, für mich ist schon das Warten an der Ampel eine kleine Entschleunigungs-Übung. Sag dir ganz bewusst: Es ist okay, dass ich jetzt nichts tue! Nutze die Zeit zum Durchatmen und zum Sortieren deiner Gedanken oder einfach nur zum Nichts-Denken – falls du das kannst. 😉

5.) Zum Thema Handy muss ich eigentlich gar nichts schreiben, oder? Ich glaube, wir wissen alle ganz genau, dass es uns viel zu oft davon abhält, in der Realität zu leben und diese bewusst wahrzunehmen. Kombiniere es mit Punkt 4) und lass es auf der Busfahrt einfach mal in der Tasche stecken oder schau nicht immer darauf, wenn du auf einer Feier bist, die dich eigentlich langweilst. Beobachte doch stattdessen die anderen Leute – häufig bietet das schon genügend Unterhaltung…

Hast du auch solche Strategien, um Zeit bewusster wahrzunehmen? In welchen Momenten fällt es dir am schwersten, konkret im hier und jetzt zu leben? Schreibt mir gern in den Kommentaren eure Gedanken dazu.

Sicher: Dass jeder Tag wertvoll ist, dass muss man erst einmal glauben. Ja, auch der Tag, an dem du von 8 bis 16 Uhr bei der Arbeit vorm Computer sitzt und danach chillend, essend oder fernsehschauend auf der Coach verbringst, ist in der Theorie genauso viel wert wie jeder andere. Warum sollte er es nicht sein? Allein schon dieser Gedanke reicht vielleicht aus, um deinen Alltag ein wenig anders zu gestalten oder um die Dinge, die du tust, bewusster wahrzunehmen und zu genießen.

Constanze

*ein Blog-Artikel zum Thema „Bullet Journal“ folgt bald!

(photo by Monoar)