Veröffentlicht in Aus dem Alltag, Glauben

Wie ich mich mit der Dunkelheit versöhnte

Es ist Abend. Ich komme von der Arbeit, biege mit dem Fahrrad in unsere Straße ein, fahre bis zu unserem Hauseingang und da sehe ich ihn – einen leuchteten Weihnachtsstern an unserem Küchenfenster. Sofort muss ich lächeln. Und ich bin irgendwie glücklich – nur, weil da etwas in der Dunkelheit leuchtet. Als ich schließlich die Wohnung betrete, kommen mir fast ein paar Tränen: Am Ende des Flurs leuchtet eine Lichterkette vor einem weißen Vorhang. Auf einer kleinen Kommode sind drei Kerzen in Windlichtern entzündet, die gold glänzen und wunderschöne Muster an die Wand werfen. Es ist nicht viel. Kein pompöser Weihnachtsschmuck. Aber es reicht. Und als ich das Wohnzimmer betrete sind da ein leuchtender Tannenbaum, noch mehr Kerzen, eine sich drehende Pyramide und der verführerische Duft einer Räucherkerze. Ich realisiere, dass ich es geschafft habe. Ich habe mich mit der Dunkelheit versöhnt.

Ein Weihnachtsbaum – einfach so

In diesem Jahr hatten mein Mann und ich kurz vor dem ersten Advent zufällig einen gemeinsamen freien Tag in der Woche. Schon recht früh planten wir, diesen Tag konkret zur Einstimmung auf Weihnachten zu nutzen. Wir wollten einen Baum kaufen, die Wohnung schmücken und auf den Weihnachtsmarkt gehen. Zum ersten Mal investierten wir gemeinsam ein wenig mehr Zeit in diese Vorbereitungen. Wir besitzen nicht viel Weihnachtsdekoration und so haben wir uns in den vergangenen Jahren, außer ein paar Tannenzweigen, unserer erzgebirgischen Pyramide und der ein oder anderen kitschigen Figur, nicht viel Mühe gemacht. Dieses Jahr sollte es anders werden. Nicht unbedingt viel mehr Schmuck, aber mehr Gemütlichkeit. Wir wollten uns wohl fühlen und die Dunkelheit versüßen.

Und wir wünschten uns einen Tannenbaum. Früher dachte ich, dass man sich nur dann einen Baum kauft, wenn man Kinder hat und am Heiligen Abend zu Hause ist. Schließlich ist es für die Kleinen (und Großen) schön, wenn sie unter dem Baum ihre Geschenke hervorholen können. Nun, wir haben leider keine Kinder und am Heiligen Abend sind wir auch nicht zu Hause. Aber mein Mann kommt aus einer Familie, in der Weihnachtsbäume eine wichtige Rolle spielen und auch ich realisierte: Warum denn nur für Kinder, wenn ich es selbst so wunderbar gemütlich, gut riechend und weihnachtlich finde? So etwas können wir auch einfach für uns machen. Und zwar bereits jetzt, damit es sich lohnt.

Versteht mich nicht falsch – ich bin nicht der Typ, der jede Weihnachtstradition mitmachen muss. Ich bin gegen zwanghaftes Schmücken und Plätzchen backen, nur weil die Uhr Dezember geschlagen hat. In der Theorie finde ich es völlig ausreichend sich im Weihnachtsgottesdienst an die Geburt Jesu zu erinnern und sich daran zu erfreuen. All den Konsum und Stress, der drumherum entstanden ist, hinterfrage ich in regelmäßigen Abständen. Deshalb habe ich auch eine hohe Affinität zum Osterfest, auf welchem nicht solch ein Druck lastet (und welches sowieso das ultimative Fest der Freude ist). Ich sehe die Weihnachtsvorbereitungen in der Adventszeit etwas abgetrennt von dem eigentlichen Fest. Es sind Traditionen unserer Kultur, die jeder in der Art und Weise ausleben sollte, wie sie ihm gut tun. Jedes Jahr versuche ich nur das zu machen, auf was ich Lust habe.

Weihnachtsvorbereitung, die ich brauche

Und in diesem Jahr habe ich nichts so sehr gebraucht wie all die Lichter am Baum, Lichterketten und Kerzen. Im letzten Beitrag habe ich davon berichtet, wie mir die Dunkelheit an einem Sonntag zu schaffen gemacht hat. Leider blieb es nicht dabei. Die komplette darauffolgende Woche hatte ich mit der „Wie kann es sein, dass es 15 Uhr schon wieder anfängt dunkel zu werden!“-Panik zu kämpfen. Ich war grundlos träge, unmotiviert und manchmal auch traurig. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, warum Licht in der Weihnachtszeit so eine zentrale Rolle spielt: Es gibt Hoffnung. Es vertreibt das Grau des Novembers und lässt uns wieder aufatmen. Und so ist es ebenso eine passende Hinführung auf das eigentliche Fest – auf Jesus, der Hoffnung gibt. Auf einen Gott, der sich nicht zu schade ist, zu den Menschen hinab zu kommen und sie in der Dunkelheit an die Hand zu nehmen.

Dennoch finde ich es wichtig, auch die Düsterheit des Novembers ein wenig auszuhalten und damit umgehen zu lernen. Ich glaube, dass alles seine Zeit hat und auch die schweren Zeiten durchlebt werden müssen. So begreifen wir viel besser, warum wir die Weihnachtsbotschaft brauchen, statt das Dunkel sofort mit Glitzer und Weihnachtsliedern zu überdecken. Denn dass immer alles bunt, schön und hell glänzt, ist nun einmal nicht die Realität.

Mittlerweile freue ich mich fast darauf, wenn es dunkel wird, weil ich dann all die Lichter anzünden kann. Nun ist die Zeit der Hoffnung angebrochen und ich werde sie in vollen Zügen genießen. Und je nachdem wer von uns beiden früher zu Hause ist, klippst den Stern im Küchenfenster an – damit der andere nach einem anstrengenden Tag mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause kommen kann.

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken, Motivierendes

Andere Prioritäten in der Weihnachtszeit?

Mein Mann hat mich vor kurzem gefragt, ob ich einen weihnachtlichen Blog-Beitrag schreibe. Und ich meinte nur: „Nee, das machen doch schon alle anderen – so über Besinnlichkeit in der stressigen Zeit, dass man sich Ruhe gönnen muss und so weiter. Da braucht es nicht auch noch meinen Input.“ Ironischerweise sagte ich das, nachdem ich die vollgekritzelte Monatsübersicht vom Dezember in meinem Bullet Journal betrachtet und mich gefragt hatte, wie diese Weihnachtszeit schon wieder so stressig werden konnte. Genau genommen hatten mein Mann und ich uns kurz zuvor mit unseren Kalendern hingesetzt und es mit Ach und Krach geschafft, zwei „weihnachtliche Pärchen-Dates“ in die nächste Woche zu quetschen. „Na genau darüber kannst du doch schreiben“, sagte er. „Dass man sich auch mal Termine mit dem Partner machen muss.“

Es mag auch nichts wirklich Neues sein, aber er hat Recht. Und warum sollte ich als Organisations-Liebhaber nicht auch etwas über Organisation zu Weihnachten schreiben? Aber halt mal… Geht es hier wirklich um Organisation? Beziehungen planen? Das klingt doch total unromantisch.

Ja, ich mag es zu planen und ich mag es, in meinem Bullet Journal alles fein säuberlich aufzuschreiben. Aber ich mach das nicht, weil es so schön aussieht, sondern weil es mir Freiheit im Kopf verschafft. Wenn ich Dinge nicht aufschreibe, nehmen sie mir sozusagen Speicherplatz weg. Deswegen bleibt mir gar nichts anderes übrig als mit Terminen und To do’s zu arbeiten, um freie Denkkapazitäten zu schaffen. Und so rettet mich auch das Planen in der Weihnachtszeit immer wieder vor einer „Mir-wird-alles-zu-viel“-Krise. Mir ist bewusst, dass andere Leute mindestens genauso viel zu tun haben wie ich und solche Krisen niemals haben. Ich bin, was das angeht, ein wenig sensibel und habe somit im Planen eine guten Umgang damit gefunden.

Gute Organisation hin oder her… Eine Sache habe ich in letzter Zeit in aller Deutlichkeit festgestellt: Beziehungen gehen vor. Sie haben Priorität. Und damit meine ich Beziehungen generell! Angefangen bei meiner Beziehung zu Gott, die Beziehung zu meinem Partner, meiner Familie, meinen Freundinnen… Ohne Beziehungen sind wir, tatsächlich, nichts! Gott hat uns als Menschen in Beziehungen gedacht. Wir sind abhängig von einer Beziehung zu ihm und ebenso darauf angewiesen, dass wir als Menschen füreinander da sind. Ich möchte damit nicht sagen, dass wir somit nur Zeit mit anderen verbringen sollten und niemals allein sein dürften (Das wäre gar nicht gut!). Es geht mir darum, diesen Grundsatz der menschlichen Existenz anzuerkennen und angemessen für ihn zu sorgen. Und das eben auch in der Weihnachtszeit.

Da saßen mein Mann und ich also mit unseren Kalendern und dem vollen Dezember vor Augen. Kennt ihr das? Am 30. November denkt man noch: „Hm, irgendwie ist die Weihnachtszeit dieses Jahr gar nicht so voll, cool!“ und schwupp, kehrt sich diese Aussage ins Gegenteil. Mittlerweile stehe ich dem mit mehr Gelassenheit gegenüber als früher. Viele dieser Termine sind schöne Dinge und wenn ich mich nur über den Stress aufregen würde, könnte ich sie gar nicht genießen. Und doch ist es weniger schön, wenn dadurch kaum Zeit mit dem Partner zustande kommt. Wir kamen an einen Punkt, an dem wir unsere Beziehung ein Stück weit wieder in den Mittelpunkt rücken mussten. Und ich sage euch: auf einmal wird das Planen einer Beziehung romantisch!

Wir sprachen darüber, was „Weihnachts-Flair“ für uns überhaupt ausmacht und was uns bisher für eine gemütliche Stimmung fehlte. Dann legten wir zwei Termine fest, für die wir uns spezielle weihnachtliche Sachen vornahmen. Es war gar nicht so leicht – da ich zur Zeit etwas mehr arbeite, viel auch abends, mussten wir ein bisschen suchen. Doch jetzt steht es da, schwarz auf weiß: Zeit mit meinem Mann. Konkrete Vorhaben. Es war nicht so, dass ich mich bisher gar nicht „weihnachtlich gefühlt“ hatte. Ich hatte schon eine Menge Teelichter verbrannt, Räucherkerzen angezündet und Weihnachtsmusik von den Piano Guys gehört. Aber im Endeffekt ist mir dieses undefinierbare Weihnachtsgefühl gar nicht so wichtig. Wichtig sind mir nach wie vor Menschen, mit denen ich solche Gefühle teilen kann.

Es ist schön, wenn es anders ist, wenn Beziehungspflege ohne Planung möglich ist. Es ist schön, wenn du ganz natürlich genügend Zeit mit Partner, Freundin oder anderen wichtigen Personen im Leben verbringen kannst. Doch wenn es mal nicht gelingt, solltest du nicht dabei stehen bleiben, darüber zu trauern oder sich über den Stress aufzuregen. Langfristig gesehen führt das nur zu Frustration, Gereiztheit und Co. Nimm es stattdessen in die Hand! Plane Dinge, die du sonst niemals planen würdest. Hol das Beste heraus, egal wie viel oder wenig es ist. Planung schafft Freiraum. Und es mag paradox klingen, aber Planung schafft auch Spontanität! Nämlich dann, wenn du ebenso freie Zeiten einplanst (oder einfach nicht jedes Zeitfenster verplanst), in denen du flexibel sein kannst. Das gibt die Möglichkeit, spontan den Besuch einer Freundin zu empfangen oder jemandem spontan behilflich zu sein oder in Ruhe Zeit mit Gott zu verbringen. Also wieder: Beziehungen.

Schenk ihnen auch in der Weihnachtszeit die nötige Zuwendung. Eigentlich ein merkwürdiger Ratschlag, da doch gerade Weihnachten ein Fest ist, welches man mit Familie und Freunden teilt. Aber ich meine eben nicht die zahllosen obligatorischen Weihnachtsfeiern oder Gemeindeveranstaltungen oder oder oder… (Alles an sich gute Sachen, keine Frage!) Ich meine Zeiten, in denen du wahre Aufmerksamkeit schenkst und empfängst: wahre Begegnung.

Es ist kein Zeichen, dass deine Beziehung den Bach heruntergeht, wenn du einen gemütlichen Filmabend oder den Gang über den Weihnachtsmarkt Wochen im Voraus einplanen musst. Es ist romantisch, verantwortungsbewusst und schafft Vorfreude.

Also los geht’s! 🙂

Constanze

Veröffentlicht in Gedanken

Gedanken zu Weihnachten

Ich sitze bei meinen Eltern auf dem Sofa und bin ziemlich entspannt. Es ist der Vormittag am Heilig Abend – für mich persönlich eine der schönsten Zeiten im ganzen Weihnachtsgeschehen.

Die Weihnachtszeit sieht sich ja den verschiedensten Erwartungen gegenüberstehen. Manche erwarten ein tolles Zusammensein mit der Familie, ein großes Festessen, überragende Geschenke, Schnee, einen Haufen Plätzchen, Weihnachtsdüfte, Kerzenschein, die perfekte Christvesper oder einen glamourös geschmückten Tannenbaum.

Für mich ist es eigentlich ganz einfach: ich feier, dass Jesus geboren wurde. Und alles, was zusätzlich geschieht ist ein schönes Extra, aber nichts davon zwingend notwendig. Ich mache einfach das, wozu ich Lust habe.

Denn das Problem bei dieser ganzen Weihnachtssache ist, dass wir eben nicht nur eine dieser Erwartungen haben, sondern sich am besten alle erfüllen sollen. Wir wollen das perfekte weihnachtliche Flair. Die besten Düfte und Geschmäcker, fluffige Schneefloken und ein wohlig warmes Gefühl im Herzen. Kurz gesagt: Wir wünschen uns, dass sich die Weihnachtszeit so zauberhaft anfühlt wie damals, als wir Kinder waren. Aber das Gefühl konnten wir nur haben, WEIL wir eben Kinder waren.

Für mich ist es ok, dass dieser Zauber nicht mehr so zauberhaft ist wie früher. Ja, mehr noch: Es entspannt mich und macht mich frei. Mit meiner Familie bin ich immer noch gern zusammen, weil ich das sowieso gern bin. Auch Plätzchen gehören für mich dazu. Aber Geschenke bereiten mir häufig nur Stress, wenn ich so viele auf einmal besorgen muss. Also lass ich das einfach und verschenke nur wenige kleine persönliche Dinge.

Ich wünsche dir für deine Weihnachtszeit Freiheit im Herzen. Freiheit von Zwängen, Erwartungen und Gedanken wie „Eigentlich müsste doch…“

Sei einfach da. So genießt es sich am besten.

Constanze